Mit dem erforderlichen Abstand führt Michael Bender (2. v. l.) durch die Ausstellung im Burggarten.	FOTOS: LONI SCHUCHARDT
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Mit dem erforderlichen Abstand führt Michael Bender (2. v. l.) durch die Ausstellung im Burggarten. FOTOS: LONI SCHUCHARDT

Die drei ersten Meister ihrer Zunft

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Drei Stadtbaumeister haben die Entwicklung Friedbergs von 1871 bis zum Zweiten Weltkrieg geprägt. Deren Wirken wird derzeit in der Ausstellung »150 Jahre Stadtbaumeister in Friedberg« im Burggarten vorgestellt. In einer ersten Führung präsentierte Diplom-Ingenieur Michael Bender nicht nur die Arbeit dieser drei Baumeister, sondern auch viel Wissenswertes rund um die Baugeschichte Friedbergs.

Kritik an einigen Gebäuden

»Ich finde das Thema äußerst interessant, insbesondere die Stadtpläne. Ich war als Bauzeichnerin tätig«, sagt Sigrid Kieschink. Die Friedbergerin ist eine von zehn Teilnehmern der »Führung trotz Corona und mit Abstand«, wie Bender es formuliert.

Zu Beginn der gut 90-minütigen Führung erläutert er die Entstehung der Ausstellung. Stadtplanung habe ihn schon immer interessiert, allerdings mit dem Schwerpunkt »Planen und Bauen im Dritten Reich«. So kam er mit dem Wirken der drei Stadtbaumeister in Berührung, erklärt Bender vor dem Start der Führung am Haupteingang des Burggartens.

Die 1871 geschaffene Stelle eines Stadtbaumeisters wurde mit Karl Andreas Schneider aus Ulfa besetzt. Dieser kannte sich in Friedberg bestens aus, war er doch zuvor bereits als vom Kreisamt Friedberg angestellter Bezirksbauaufseher auch für die Kreisstadt zuständig gewesen.

Schneider plante die »Vorstadt zum Garten«. Einige Tafeln an einem der 21 Ständer beschreibt mit Plänen und Bildern die Entstehung der »Vorstadt zum Garten«. Diese Infos befinden sich vor dem Rondell in der Nähe des Haupteingangs. So beginnt Bender denn auch hier seine Führung einschließlich einem Blick vom Rondell hinab auf die heutige »Vorstadt zum Garten« mit einigen Gebäuden, die für Bender so gar nicht in das Konzept der Vorstadt passen. Bender: »Die Planer sollten auch auf die Blickachse achten, die man hat, schaut man auf etwas drauf.« Der erste Stadtbaumeister musste auch das Amt des Brunnenmeisters übernehmen, so dass Schneider ins Brunnenhaus in der »Vorstadt zum Garten« zog, wo er bis zu seinem Tod wohnte.

1889 folgte Heinrich Zörb aus Ober-Hörgern im Amt des Stadtbaumeisters. Er war für Bender »der Baumeister, der die Stadt am meisten geprägt hat«. Wie schon sein Vorgänger übernahm Zörb, der den Beruf des Geometers, also eines Vermessers, erlernt hatte, auch die Bauplanung. Er war Bauherr vieler Häuser, vor allem in den damals neuen Baugebieten mit der Ludwig- und der Bismarckstraße. Im Jahre 1905 verlies Zörb die Stadt im Streit, gehörte jedoch zu den 50 meistbesteuerten Bewohnern im Kreis, was ihm wenig später zu einem Mandat im Kreistag verhalf.

Eine Gasse im Besitz des Vereins

Die Nachfolge Zörbs trat dessen Stellvertreter Leopold Köhler an, der aus Bessungen, heute ein Stadtteil von Darmstadt, stammt. In dessen Amtszeit entstand das Stadtbauamt. und es kam zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Bauverein »Eigner Herd ist Goldes wert«.

Für Roland Kostial, den aktuellen Vorstandsvorsitzenden des Bauvereins, und den Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Ossau ist dieser Teil der Führung der interessanteste, zumal Bender schon den Festvortrag zum 125-jährigen Bestehen des Bauvereins gehalten hat. So erfahren die Teilnehmer der Führung, dass sich in der Barbaravorstadt nicht nur die errichteten Gebäude, sondern auch die Mauergasse selbst im Besitz des Bauvereins befunden hat. Als später die Stadt die Schmidtstraße baute, verkaufte der Bauverein die Straße an die Stadt.

Während der Führung, in der Bender auch kurz auf die Hausnummerierung und die Entwicklung des Stadtbauamtes im Dritten Reich eingeht, macht sich Teilnehmerin Anne Paech zahlreiche Notizen. »Ich bin Stadtführerin und führe auch durch den Burggarten. Da kann ich vieles einfließen lassen.«

Die Führung endet am kleinen, südlichen Burggarteneingang. Michael Bender sagt zum Abschluss: »Bauen ist etwas, was eine Stadt prägen kann und oft auch uns überdauert.«

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