Nadja Hoss und Jochen Rolle machen sich für das inklusive Berufsbildungsprogramm "abBi" stark. FOTO: PM
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Nadja Hoss und Jochen Rolle machen sich für das inklusive Berufsbildungsprogramm "abBi" stark. FOTO: PM

Dort sein, wo alle sind

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Wetteraukreis(pm). Jungen Menschen mit Behinderung einen Weg in die reale Arbeitswelt bahnen: Dieses Vorhaben verfolgt die Initiative "abBi", die jetzt in Friedberg an den Start gegangen ist. "›abBi‹ ist in der Wetterau einmalig und steht für das neue Ausbildungsprogramm ›Alternative berufliche Bildung‹", sagt Lern- und Azubi-Coach Nadja Hoss. Träger ist die gemeinnützige Gesellschaft Internationaler Bund Südwest (IB), den Impuls gab der Beratungsdienst Inklusive Arbeit Wetterau (InkA).

InkA-Geschäftsführer Jochen Rolle erläutert: "Im Zuge unserer Beratungsarbeit fiel uns auf, dass es im Grunde keine Alternative zur beruflichen Bildung der Werkstätten gibt." Seine Tochter Julia, die das Down-Syndrom hat und demnächst von der inklusiven Sophie-Scholl-Schule Gießen abgeht, absolvierte mehrere Praktika. Sie weiß, wohin ihr Berufsweg sie führen soll: in die Altenpflege. In eine Werkstätte wolle die junge Frau nicht, "sie möchte dort sein, wo alle sind", sagt Rolle.

Ihm zufolge bleiben Menschen, die in einer Werkstätte gelernt haben, meist dort hängen. Weniger als ein Prozent könnten in sozialversicherungspflichtige Angestelltenverhältnisse vermittelt werden. Anders bei einem Projekt in Wolfenbüttel, das wie "abBi" aufgebaut ist und eine Quote von 75 Prozent habe.

In Betrieb begleiten

Für die Realisierung des Ausbildungskonzepts schaute sich der Steinfurther nach einem Träger um. Beim Internationalen Bund fand er offene Ohren. "Das Projekt passt zum IB - auch, da wir 2007 die Charta der Vielfalt unterschrieben und 2014 ein Diversity-Management eingeführt haben", erläutert Hoss. Vier bis sechs junge Leute können im ersten "abBi"-Jahr teilnehmen, dies über maximal 27 Monate. Als Jobcoach betreut Hoss die Teilnehmer in den Räumen des IB und begleitet sie in die Betriebe. "Zuvor steht eine vierwöchige Einführungsphase, in der die jungen Erwachsenen schauen, was sie machen möchten."

Fünf Interessenten haben schon eine Zusage: Vier möchten in die Altenpflege, einen jungen Mann zieht es in die Kfz-Branche. "Ich habe auch einen Malermeister gefragt: ›Was könnte es für Arbeitsaufträge für einen Menschen geben, der beeinträchtigt ist?‹ Er sagte sofort: ›Abkleben ist ein Riesenthema.‹" In Seniorenheimen müsse der Einsatz ebenfalls nicht zwangsläufig in der Pflege sein.

Die Initiatoren möchte nun junge Menschen mit Handicap auf die neue Ausbildungsmöglichkeit aufmerksam machen. "Wir suchen auch Firmen, um ein Netzwerk aufzubauen", erläutert Hoss. Rolle betont, es sei wichtig, dass die Unternehmen das Konzept nicht zuerst als soziales Engagement betrachten. "Es muss verstanden werden: Auch Menschen mit geistiger Behinderung sind leistungsfähig."

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