Doch keine Morddrohung?

Friedberg (smf). Aufregung am Dienstagmorgen im Amtsgericht in Friedberg: Die Familie des Angeklagten redet vor dem Gerichtssaal mit lauter Stimme eindringlich auf den Pflichtverteidiger ein. Dem Angeklagten, ein 25-jähriger Bad Nauheimer, werden mehrere Straftaten vorgeworfen: Versuchte gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung, Bedrohung, tätlicher Angriff, körperliche Misshandlung, Beleidigung und Sachbeschädigung lauten die Anklagepunkte.

Die Schwestern des Beschuldigten waren als Zeugen geladen.

Schwester zieht Aussage zurück

Ein Tatvorwurf geht auf einen Anruf der Schwester bei der Polizei zurück. Bei diesem habe sie gesagt, dass ihr Bruder sie und ihren anderen Bruder umbringen wolle. Vor Gericht nahm sie die Aussage zurück: »Ich habe nicht die Wahrheit gesagt. Mein Bruder hat mich nicht bedroht, er hatte mir nur verboten, das Haus zu verlassen.« Sie habe das Haus verlassen wollen, da sie sehr aufgebracht gewesen sei. Damit ihr Bruder dies nicht verhindern könne, habe sie die Polizei gerufen. »Mein Bruder war damals so anders. Die Zeit im Gefängnis hatte ihn verändert. Er hätte damals eine Therapie gebraucht. Meine Schwester wurde im Iran ermordet. Deswegen hat er angefangen, sich mit Drogen zu betäuben«, sagte die 28-Jährige aufgewühlt. Der Angeklagte, der bei allen anderen Zeugenaussagen stets ruhig auf den Tisch vor sich geblickt hatte, wirkte ebenfalls aufgewühlt. Er versuchte, mit seiner Schwester zu reden, doch eine Kontaktaufnahme war nicht erlaubt.

Die Schwester sagte auch zu einem Vorfall in einem Bad Nauheimer Aldi-Markt aus. Dort sei es zu einer Schlägerei zwischen dem Angeklagten und einem Kunden gekommen. »Der Mann wollte meinen Bruder töten!«, schrie sie aufgebracht, sodass der Richter sie beruhigen musste. Ebenfalls als Zeugen anwesend waren zwei Verkäufer aus der Aldi-Filiale. Aus ihrer Aussage geht hervor, dass der Kunde den Beschuldigten gebeten habe, den Laden zu verlassen, weil der Angeklagte dort Hausverbot habe. Grund dafür sei, dass er zwei Wochen zuvor eine Kassiererin mit einer Gabel bedroht habe. »Vor dem Vorfall mit der Gabel war nie etwas«, sagte der Verkäufer. »Ich kannte ihn. Er war ein ganz normaler Kunde und hatte uns immer gegrüßt.« Doch an dem Tag mit der Gabel habe der Verkäufer Angst gehabt. So auch am Tag davor: »Ich bin mit dem Auto Richtung Aldi gefahren, da hat er mich erkannt und wollte zu mir ins Auto steigen. Er hat einen aggressiven und verwirrten Eindruck gemacht. Nicht so, wie ich ihn normal kenne. Ich glaub', er war betrunken oder so. Da bin ich einfach weitergefahren.«

Ein anderer Vorfall habe sich im Kaufhaus Weyrauch in Bad Nauheim zugetragen. Dort sei der 25-Jährige plötzlich aufbrausend gewesen, habe die Verkäuferin angeschrien und beleidigt.

Zu den Vorfällen in der Gemeinschaftsunterkunft in Bad Nauheim und der anschließenden Auseinandersetzung im Pfälzer Hof sowie dem Vorwurf, dass der Angeklagte eine Ampel mit einer Axt zerstört haben soll, wurden weitere Zeugen gehört.

Zeuge erscheint nicht vor Gericht

Dieser dritte Verhandlungstag sollte den Prozess beenden. Doch ein wichtiger Zeuge ist nicht erschienen. Dieser habe mit einem vermeintlichen Drogenhandel zu tun. Da er der Vorladung des Gerichts nicht gefolgt ist, könnte es sein, dass er zum neuen Termin polizeilich vorgeführt wird. Der Richter hat beschlossen, die Verhandlung am 16. Juni fortzusetzen. An diesem Tag soll neben dem letzten Zeugen auch ein Sachverständiger gehört werden.

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