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Digitale Rettung für Timmerberg-Lesung

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Mitte März sollte der bekannte Journalist und Reiseschriftsteller Helge Timmerberg in der Ovag-Hauptverwaltung in der Reihe »Friedberg lässt lesen« aus seinem neuen Buch »Das Mantra gegen die Angst« lesen. Doch die Veranstaltung musste wegen Corona ebenso abgesagt werden wie eine weitere Lesung in Büdingen. Für beide Auftritte Timmerbergs waren vorab 350 Karten verkauft worden. Am Freitagabend sollten dann beide Lesungen in einem Aufguss in der Buchhandlung Bindernagel nachgeholt werden, allerdings ohne Publikum. Ein Novum in der 15-jährigen Geschichte der Reihe »Friedberg lässt lesen«, die Ovag und Buchhandlung Bindernagel gemeinsam mit der Stadt Friedberg und der Sparkasse Oberhessen im Rahmen der Aktion »Leseland Oberhessen« veranstalten.

Zu sehen war die Lesung live auf dem Facebook-Account »Leseland Oberhessen.« Allerdings stand die Lesung am Tag zuvor auf der Kippe: Eigentlich wollte Timmerberg nach Friedberg kommen und vor laufender Kamera lesen und erzählen. Doch daraus wurde nichts. Der gebürtige Hesse lebt derzeit mit seiner Freundin in Wien, wo er gerade sein neuestes Werk als Hörbuch einliest. Am Donnerstagmittag erkundigte er sich noch einmal, ob er als Deutscher ohne Probleme aus Österreich ausreisen und am Tag darauf wieder einreisen dürfe. Beides wurde ihm zugesagt, allerdings hätte er bei der Wiedereinreise in eine 14-tägige Hausquarantäne gehen müssen. »In einer Zweizimmerwohnung ohne Garten und Balkon, das war mir doch zu viel«, sagte der 68-Jährige, der schließlich aus dem Wiener Tonstudio, in dem er sein Hörbuch einspricht, nach Friedberg zugeschaltet wurde.

So saßen Buchhändlerin Friederike Herrmann und Ovag-Marketingleiter Andreas Matlé im abgedunkelten ersten Stock der Buchhandlung ohne Timmerberg, der aus dem fernen Wien zunächst locker von den Ereignissen der letzten 24 Stunden erzählte. Die »doppelte Livestreamlesung« wurde zum einen von dem Wiener Tontechniker, der sich bereit erklärt hatte, den Abend im Studio zu bleiben, ermöglicht. Zum anderen schufen in Friedberg Moritz Herrmann und Sebastian Schalber die technischen Voraussetzungen. »Wir hatten uns ja zwei Wochen darauf vorbereitet, so mussten wir nur etwas improvisieren«, sagte Herrmann.

Bis zu 80 Interessierte verfolgten die knapp eineinhalbstündige Lesung, »die hoffentlich nicht zum Regelfall wird«, wie sich Matlé äußerte, der auf die Ausführungsbestimmungen der Landesregierung in Sachen Veranstaltungen wartet. »Erst dann entscheiden wir, ob und wie es mit ›Friedberg lässt lesen‹ und den anderen Aktionen von Leseland Oberhessen weitergeht.«

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