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Nicht jeder Schüler verfügt zu Hause über die notwendige Technik, um am Distanzunterricht teilzunehmen. Daher hat der Wetteraukreis iPads und Webcams bereitgestellt. SYMBOLFOTO: DPA

Homeschooling

Digitale Bildung im Wetteraukreis mit Hindernissen

Seit Ende der Weihnachtsferien sind viele Schüler im Wetteraukreis wieder im Homeschooling. Dabei spielt die Technik eine wesentliche Rolle. Doch immer wieder kommt es zu Problemen.

»Derzeit liegt eine Störung bei der Videokonferenz vor. Das Problem wird bearbeitet.« Dieser Hinweis stand in den vergangenen Wochen vermehrt auf der Webseite von WTKEDU, dem Lernmanagmentsystem des Wetteraukreises. Um Distanzunterricht zu ermöglichen, hat der Kreis ein eigenes Programm für Videokonferenzen (EDUDIP) erstellt.

Zugreifen kann man auf das Programm über WTKEDU, das der Wetteraukreis bereits im Jahr 2011 für die Schulen eingerichtet hat. Laut Wetteraukreis sind in der Pandemie rund 80 Prozent der Schulen regelmäßig über WTKEDU aktiv, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.

Probleme bei Videokonferenzen

Die Ausfälle des Videoprogramms stören den Unterricht. »In vielen Schulen wurden daher eigene Lösungen genutzt. Auch an der Schule unserer Tochter wurde von EDUDIP auf das Videokonferenzsystem ›BigBlueButton‹ umgeschwenkt«, sagt Volkmar Heitmann, Mitglied des Kreiselternbeirats.

Die Umstellung sei jedoch nicht so einfach. Zum einen habe die Schule dafür einen eigenen Server einrichten müssen. Zum anderen seien nicht alle gängigen Videoprogramme erlaubt oder sie seien kostenpflichtig.

Der Pressesprecher des Wetteraukreises, Michael Elsaß, begründet: »Die Einschränkungen für einige Videokonferenzsysteme wie ›BigBlueButton‹ rühren daher, dass Datenschutz und Datensicherheit betreiberabhängig sind und für OpenSource-Lösungen nicht eingehalten werden können.« Grundsätzlich sei die Wahl der Systeme jedoch frei.

E-Mails mehrfach verschicken

Elsaß betont, dass die Verwaltung weiter an Verbesserungen von WTKEDU arbeite. »Es ist Ziel des Wetteraukreises, einer störungsfreien Plattform gerecht zu werden.« Dem Kreiselternbeirat ist jedoch aufgefallen, dass »anscheinend Wartungsmaßnahmen während der üblichen Nutzungszeiten stattfinden, die zu zusätzlichen Störungen führen«.

Beim Wetteraukreis heißt es hingegen, dass die Arbeiten außerhalb der Schulzeit, im besten Fall nachts, stattfinden sollten und der Dienstleister auch dazu angehalten sei.

Neben EDUDIP sind die Funktionen zur Datenablage, dem Mailverkehr und die Medienzentrums-Infos beliebt. Heitmann sagt: »Allerdings kommt es auch da immer wieder zu Störungen, so dass E-Mails beispielsweise mehrfach abgeschickt werden müssen.«

Damit die Lehrer das System optimal nutzen können, gibt es ganzjährig - außerhalb der Ferien - Schulungen für WTKEDU. Da nicht jeder Schüler zu Hause die notwendigen Geräte hat, hat der Kreis welche zur Verfügung gestellt.

»Wir haben über das Sofortausstattungsprogramm zum Sonderprogramm ›Digital-Pakt Schule‹ 2300 iPads an alle Schulen verteilt und jeder Schule Webcams für den Distanzunterricht bereitgestellt.« Diese können von bedürftigen Schülern ausgeliehen werden.

»Zu langsame Digitalisierung«

Doch der Kreiselternbeirat sieht nicht nur in fehlender Technik ein Problem für die Bildungsgerechtigkeit. Er kritisiert, dass einige Kinder zu Hause nicht die Möglichkeit hätten, konzentriert zu arbeiten. Dies sei zum Beispiel in Niedersachsen anders, wie Heitmann berichtet: »Dort werden bedürftigen Schülern Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, die auch über die notwendige Technikausstattung verfügen.«

Außerdem gehe die Digitalisierung an den Schulen zu langsam voran. »Viele Schulen im Wetteraukreis verfügen immer noch nicht über einen ausreichenden Internetzugang, geschweige denn über WLAN.«

Besser als im ersten Lockdown

Der Kreis lässt den Vorwurf nicht gelten und betont, dass die Digitalisierung ein stetiger Prozess sei, der nach dem Digital-Pakt umgesetzt werde. »Die Kreisverwaltung arbeitet bereits seit gut einem Jahr an der Umsetzung des Digital-Pakts. Im vergangenen Jahr hat der Kreistag sowohl einen Grundsatzbeschluss zur Ausstattung mit WLAN und interaktiven Schultafeln für alle Schulen als auch zum Medienentwicklungsplan 2020 bis 2024 gefasst.«

Heitmann ist der Meinung, dass das Homeschooling insgesamt besser laufe als im ersten Lockdown. Doch sowohl technisch als auch inhaltlich seien von Elternseite weitere Verbesserungen wünschenswert. »Einige Lehrkräfte geben sich wirklich viel Mühe, andere geben weiterhin, wie beim ersten Lockdown, einfach nur Aufgabenblätter aus«, sagt Heitmann.

Wer als Schüler zu Hause keine Unterstützung habe und kein geborener Autodidakt sei, habe es schwer. »Die Möglichkeiten der Technik und der Lehr- und Lernmethoden werden leider nur von wenigen Lehrkräften wirklich in größerem Umfang genutzt.«

Schulportal Hessen

Neben dem Lernmanagementsystem des Wetteraukreises gibt es außerdem das Schulportal Hessen (SPH). Dieses stelle noch nicht für alle Schulen die nötigen Funktionen bereit, die hingegen über WTKEDU angeboten werden, wie der Wetteraukreis mitteilt. Zum Beispiel stehe dort bisher kein Videokonferenztool zur Verfügung. Jede Schule sei derzeit vom Landes Hessen angehalten, sich im Schulportal registrieren zu lassen. Eine Umstiegs-Phase von WTKEDU auf SPH werde erfolgen, wenn das SPH aufgerüstet habe.

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