Dr. Jörn Kuntsche
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Dr. Jörn Kuntsche

»Diese Sorgen sind unbegründet«

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Friedberg (pm). Mit der Etablierung der Geriatrie als einer eigenständigen Disziplin der Inneren Medizin seit den 1990er Jahren hat man der Erkenntnis Rechnung getragen, dass alte Menschen aufgrund ihrer besonderen physischen Situation und häufiger Mehrfach-Erkrankungen (Multimorbidität) einer spezialisierten Behandlung bedürfen. Im Jahre 2001 wurde im Bürgerhospital Friedberg die Klinik für Geriatrie eröffnet und in mehreren Schritten auf 57 Betten erweitert. Seit einigen Monaten wird die stationäre Einrichtung durch eine geriatrische Tagesklinik ergänzt, die als prästationäre Therapieoption angelegt ist.

Die Bedeutung der Einrichtung auch in Corona-Zeiten wird von Chefarzt Dr. Jörn Kuntsche unterstrichen: »Zurzeit besteht vor allem die Gefahr, dass ältere Menschen das Krankenhaus meiden und so Selbstständigkeit und Alltagskompetenz riskieren, weil sie nicht rechtzeitig eine Therapie erhalten. Dank unserer strengen Hygienemaßnahmen sind diese Sorgen unbegründet.«

Vereinsamung als Problem

Zeit seines Lebens verändert sich der Körper eines Menschen. Deutlich spürbar werden allerdings die Veränderungen zumeist erst im höheren Lebensalter. Zu ganz natürlichen Abnutzungserscheinungen, etwa an Knochen und Gelenken, gesellen sich in oftmals schleichenden Prozessen chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Verdauungstrakts oder Diabetes mellitus.

Es verändern sich auch die körperlichen Reaktionen des alternden Menschen. Beispielsweise reagiert sein Immunsystem oft weniger »krass« als bei Jüngeren, die eher aus »vollem Betrieb« heruntergebremst werden müssen, wenn ihr Körper mit einer akuten Infektion fertig werden soll. Beide Entwicklungen erfordern einen besonderen Umgang mit Patienten im höheren Lebensalter.

Zusätzlichen Handlungsbedarf neben der Multimorbidität und veränderten Immunreaktionen bedingt das Nachlassen der mentalen Leistungsfähigkeit mit dem langsamen Verlust an Mobilität und Alltagskompetenz. Folgen davon sind häufig der sukzessive Rückzug in die eigenen vier Wände - mit der drohenden Konsequenz der Vereinsamung - oder eine Störung des Tag-Nacht-Rhythmus. Auch die Rehabilitation nach Stürzen, chirurgischen Eingriffen oder anders begründeten Krankenhausaufenthalten erfordert eine ganz spezielle Herangehensweise.

Die im Oktober 2001 am Bürgerhospital Friedberg eröffnete, mehrfach erweiterte und von der Bundesarbeitsgemeinschaft der klinisch-geriatrischen Einrichtungen zertifizierte Klinik für Geriatrie lässt älteren Menschen eine spezialisierte Behandlung angedeihen: Ein multiprofessionelles Team übernimmt nicht nur die akut-medizinische Versorgung, sondern hat zugleich seelische und soziale Aspekte sowie die Rehabilitation im Blick. Seit Anfang 2018 bieten Chefarzt Kuntsche und sein Team die geriatrische Behandlung auch im Kreiskrankenhaus Schotten an.

Schwerpunkte und Indikationen zur geriatrischen Behandlung sind unter anderem: Folgezustände nach Operationen, Knochenbrüchen, einem Gelenkersatz oder Amputationen; degenerativ entzündliche Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats, beispielsweise bei Arthrose oder einer rheumatischen Erkrankung; internistische Erkrankungen, zum Beispiel Herz-, Lungen- und Kreislaufkrankheiten oder Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus und deren Folgeerkrankungen; neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Schlaganfall; Funktionsstörungen, etwa das Sturzsyndrom, unklare Kognitionsstörungen mit und ohne Verwirrtheit.

Neu am Bürgerhospital Friedberg ist das Angebot der geriatrischen Tagesklinik. Hier werden - von Montag bis Freitag jeweils zwischen 8.30 und 15.30 Uhr - ältere Menschen behandelt, die eine vollstationäre Unterbringung nicht (mehr) benötigen, sondern Abende und Wochenenden problemlos im gewohnten privaten Umfeld verbringen können. FOTO: PM

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