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Steffen Heusch

Die »Schwammstadt« als Problemlösung

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Friedberg/Gießen (pm). »Absoluten Schutz gibt es nicht«, sagt Steffen Heusch. Der Professor für Hydrologie und Wasserwirtschaft an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) hat die Ereignisse im Ahrtal und den anderen Überflutungsregionen genau verfolgt und gibt eine ernüchternde Prognose: Derartige Katastrophen werde es künftig häufiger geben.

Die Gesellschaft könne sich vorbereiten, aber nicht komplett absichern. Hochwasserschutz müsse neu gedacht werden.

Dabei sieht Heusch Mittelhessen grundsätzlich gut gerüstet. »Die Deiche an der Lahn sind in der Regel ausgelegt für ein hundertjähriges Hochwasserereignis«, erklärt er. Ein Hochwasser, wie es statistisch nur alle 100 Jahre auftritt, müsste an diesem Fluss gut überstanden werden. Zumal sich Hochwasser, wie sie an Elbe und Oder in Erinnerung geblieben sind, über Tage hinweg aufbauen, die Scheitelwelle berechenbar ist, Menschen und kritische Infrastruktur gut geschützt werden können. »Das Ahr-Ereignis war vergleichbar mit einem Starkregen«, sagt Heusch: Viel Regen fiel in einem engen Flusstal in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum - Hochwasser-Rückhaltebecken und Talsperren waren schnell gefüllt.

Konflikt um die Fläche

»Starkregen kann überall auftreten«, erklärt Heusch und erinnert an das Jahr 2018, als Ende Mai in Gießen binnen 90 Minuten mehr als 50 Liter pro Quadratmeter fielen, was in der Region einem hundertjährigen Regen entspricht. »Auf den Pegel der Lahn hatte das keine nennenswerte Auswirkung«, grenzt Heusch das Ereignis vom Hochwasser ab. Auswirkungen sollten solche Ereignisse auf die Stadtplanung haben, sagt er. Und sieht einen grundlegenden, nur schwer aufzulösenden Konflikt um die Fläche.

Mobilität, Wohnen, Gewerbe, Energieerzeugung und Wasserwirtschaft würden um jeden Hektar ringen. »Eigentlich bräuchte man 10 bis 20 Prozent der Fläche für wasserwirtschaftliche Anlagen«, sagt er und fügt an: »Erzählen Sie das mal einem Investor.« Die Alltagserfahrung der Bürger führe zudem zu Akzeptanzproblemen: »Ein Rückhaltebecken für ein Neubaugebiet sei in der Regel für ein fünfjähriges Starkregenereignis ausgelegt, also nur alle paar Jahre gefüllt.

Weitere Konflikte kämen hinzu, etwa mit Barrierefreiheit oder Verkehrssicherheit: »Wasserwirtschaftler würden am liebsten überall hohe Bordsteine bauen, damit der Regen bei Extremereignissen nicht in die Häuser tritt, sondern auf der Straße bleibt.« Im Hausbau seien wassernahe Lage und Ebenerdigkeit attraktiv. Alte Häuser hätten aber meist aus gutem Grund ein paar Stufen vor dem Erdgeschoss. Der Wissenschaftler ist überzeugt, dass solche Konflikte gelöst werden können: »Neubaugebiete müssen fachübergreifend geplant werden«, fordert Heusch. Vor allem müsse der politische Wille für wasserbewusste Stadtplanung vorhanden sein.

Denn das, sagt Heusch, mildere nicht nur die Folgen von Starkregen ab, sondern wirke dem aus seiner Sicht größeren Problem entgegen: »Trockenheit und Hitze sind genauso drängend. Die Klimaveränderung ist da«, sagt er mit Blick auf die vergangenen Sommer. Das Konzept der »Schwammstadt« sei ein Lösungsansatz: »Wir müssen so viel Wasser wie möglich in der Stadt behalten«, erklärt er. In Mittelhessen falle etwa 650 Millimeter Niederschlag im Jahr. 500 Millimeter würden auf naturnaher Fläche verdunsten, die restlichen 150 Millimeter je etwa zur Hälfte versickern und abfließen. Diese Werte gelte es auch bei einer Bebauung zu erhalten.

Die »Schwammstadt« - viel Grün, wenig Versiegelung, offene Wasserflächen, unterirdische Zisternen - soll das Regenwasser nicht in die Kanalisation abgeben, sondern an Pflanzen. »Verdunstung schafft Kälte«, sagt Heusch. »Es gibt Neubaugebiete in Deutschland, die zeigen, dass es möglich ist, ohne Regenwasserkanal zu bauen«, berichtet er. So könne ein Stadtumbau in neuen Wohn- und Gewerbegebieten beginnen. »Das Prinzip ›Schwammstadt‹ muss stets mitgedacht werden.«

Auch eine »Schwammstadt« entpflichte Planer und Bauherren aber nicht, hochwassergerecht zu bauen. Regenrückhaltebecken, Stadtgrün und Zisternen schützten vor Ereignissen wie an der Ahr nur sehr bedingt. Im Extremfall helfe nur eine funktionierende Alarm- und Meldekette. FOTO: THM

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