Die Impfdosen, die ein Arzt pro Woche bestellen kann, sind limitiert. Zudem ist nach der Bestellung nicht garantiert, dass die bestellte Menge auch geliefert werden kann. Termine für Impfungen werden daher kurzfristig vereinbart, berichtet Ärztin Ellen Gräf. (Symbolfoto)
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Die Impfdosen, die ein Arzt pro Woche bestellen kann, sind limitiert. Zudem ist nach der Bestellung nicht garantiert, dass die bestellte Menge auch geliefert werden kann. Termine für Impfungen werden daher kurzfristig vereinbart, berichtet Ärztin Ellen Gräf. (Symbolfoto)

Impfen beim Hausarzt

„Wir könnten mehr impfen“ – So laufen die Impfungen in den Wetterauer Hausarztpraxen

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Die Ärzte Ellen Gräf, die in Rodheim praktiziert, und Dr. Alexander Jakob, dessen Praxis in Bad Nauheim ist, berichten von ihren Erfahrungen, wie die Impfungen durch die Hausärzte laufen und wo es noch hakt.

Das Telefon klingelt häufig. Häufiger, als es in der Gemeinschaftspraxis von Ellen Gräf und Ariane Westphal in Rodheim ohnehin klingelt. Die meisten Anrufer wollen einen Termin vereinbaren - zum Impfen gegen das Coronavirus mit den Impfstoffen von Biontech oder Astrazeneca. Beide werden inzwischen auch in Hausarztpraxen verimpft.

Alles in allem läuft es gut, sagt Ärztin Gräf, Vorstandsmitglied des Bezirkes Wetterau im Hausärzteverband Hessen. “Wir sind wirklich froh, dass wir impfen können. Die Kapazität ist da in den Praxen.“ Theoretisch könnten Ärzte mehr Patienten impfen, zurzeit jedoch hänge es noch an der begrenzt vorhandenen Impfstoffmenge. Seit Beginn der Impfungen in der Praxis hätten Gräf und ihre Kollegin insgesamt 230 Dosen verimpft. Wie viel Impfstoff zur Verfügung stehe, erfahre Gräf immer recht kurzfristig. Dienstags werde für die kommende Woche bestellt. Die Bestellmenge ist limitiert und wöchentlich wechselnd, so können z. B. für nächste Woche pro Arzt maximal 48 Dosen Biontech bestellt werden. Samstags sei absehbar, welche Menge wirklich lieferbar sei. Termine würden daher kurzfristig vergeben (die Dosen müssen innerhalb von 120 Stunden verimpft werden). Und ja, es sei auch schon zu Terminabsagen seitens der Praxis gekommen, da einfach weniger Impfstoff als bestellt geliefert worden sei.

Für die aktuelle Woche stehen den beiden Ärztinnen 18 Dosen von Biontech und 20 von Astrazeneca zur Verfügung. “Ich denke aber, die Situation wird sich entspannen. Wenn wir mehr Impfstoff bekommen, können wir auch jüngere Menschen impfen.„

Impfen beim Hausarzt: „Wir halten uns strikt an die Priorisierungsgruppen“

Auch Kollege Dr. Alexander Jakob, Vorsitzender des Bezirkes Wetterau im Hausärzteverband Hessen, impft in seiner Bad Nauheimer Praxis. Zurzeit sei deutlich mehr Impfstoff von Astrazeneca lieferbar. “Aber man kann nie voraussagen, wie es kommende Woche aussieht.“ Auch er sagt: “Wir könnten mehr impfen.“

Zurzeit ist noch klar geregelt, wer sich einen Impftermin geben lassen kann und wer nicht: “Wir halten uns strikt an die Priorisierungsgruppen“, sagt Gräf - also Gruppe eins und zwei. Zudem können Patienten über 60 Jahre einen Termin für eine Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca vereinbaren.

Die Priorisierung, berichtet Gräf, führe hin und wieder zu Enttäuschung - denn auch Patienten, die noch nicht impfberechtigt seien, würden häufig nach einem Termin fragen. “Wir besprechen das dann mit den Menschen. Die Einsicht ist schon da.“ Aber nicht immer, wie Jakob berichtet. Was schon vorgekommen sei: Patienten riefen bei mehreren Arzthelferinnen nacheinander an, um zu versuchen, einen Termin zu bekommen.

Wer laut Bundesgesundheitsministerium auch in Gruppe 2 und somit bereits impfberechtigt ist: “Bis zu zwei enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Personen, die nicht in einer Einrichtung leben.“ Ob das aktuell ausgenutzt wird? “Die pflegebedürftige - oder schwangere - Person darf nur zwei impfberechtigte Kontaktpersonen benennen, und diese Bescheinigung muss unterschrieben zum Impftermin vorgelegt werden. Darauf müssen wir uns verlassen können.“

Wetterau: Große Unsicherheit bezüglich Astrazeneca-Impfstoff

Im Moment, sagen die beiden Ärzte, hätten sie den Eindruck, “dass alle Biontech wollen“. Die Unsicherheit bezüglich Astrazeneca sei groß. “Wir versuchen, das aufzuklären und schauen uns die Patienten vorher an. Bei Patienten, bei denen eine Gefahr besteht, würden wir nicht mit Astrazeneca impfen„, sagt Gräf. Doch sie verstehe die Bedenken, zumal es für Nichtmediziner oft schwer nachzuvollziehen sei, was es mit der Situation um den Vektor-Impfstoff genau auf sich habe. “Immer wenn es neue Impfungen gibt, kann man nicht zu 100 Prozent alle möglichen Komplikationen voraussehen. Aber ich denke, wir sollten pragmatisch an die Sache herangehen. Wir müssen uns auf die Impfungen verlassen, um eine Herdenimmunität zu erreichen Der Nutzen ist größer als das Risiko.“

Bisher habe es in der Rodheimer Praxis noch keinen Fall von auffälligen Nebenwirkungen gegeben. Zwei Patienten seien zwei Tage nach der Impfung mit Kopfschmerzen in die Praxis gekommen, eine Verbindung mit der Impfung sei aber durch die Ärztin ausgeschlossen worden.

Gräf und Jakob sind trotz des erhöhten bürokratischen und organisatorischen Aufwands froh, impfen zu können. Jakob sagt: “Wir impfen, so schnell wie es möglich ist, und werden jeden Patienten berücksichtigen.“

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