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Anna Bär gibt Tipps, wie man reife Erdbeeren richtig pflückt. Die Erdbeeren im Tunnel sind früher reif als Freiland-Erdbeeren.

Später Saisonstart für die süßen Früchtchen

Die ersten Wetterauer Erdbeeren sind reif

Auf dem Spargel- und Erdbeerhof der Familie Bär werden die ersten Erdbeeren verkauft. Ende Mai öffnen auch die Felder zum Selbstpflücken - so auch auf dem Biohof der Familie Dieffenbach.

Der Himmel ist grau, es ist kühl und regnet. Kaum setzt man ein, zwei Schritte in den Tunnel, fühlt man sich wie in einem Tropenhaus. Es ist warm, feucht und duftet leicht nach Erdbeeren. Der Tunnel steht auf dem Spargel- und Erdbeerhof der Familie Bär in Burg-Gräfenrode. Der Duft ist noch nicht sehr intensiv, denn die Erdbeersaison hat gerade erst begonnen.

»Dieses Jahr ist alles zehn bis vierzehn Tage später als im letzten Jahr«, sagt Heinz Christian Bär. »Die Tunnel können zwar einiges ausgleichen, aber Sonne ist Sonne. Die Qualität der Erdbeeren ist gut, doch es könnten etwas mehr sein.« Bisher sind nur Erdbeeren in den Tunneln reif. Dort wachsen die frühen Sorten »Clery« und »Falco«.

Durch die Sonneneinstrahlung baut sich in den Tunneln ein Wärmeblock auf, der den Reifungsprozess fördert. Auf dem Hof von Marcus Bär gibt es drei Erdbeertunnel. In jedem steht ein eignes Hummelvolk. »Hummeln sind hier besser geeignet als Bienen, da sie früher aktiv sind«, erklärt Heinz Christian Bär. Außerdem stechen sie nicht.

Wetterau: Trotz Corona keine Probleme mit Erntehelfern

Die ersten Erdbeeren wurden schon geerntet und über den Hofladen und die Verkaufsstelle bei Porta in Dortelweil verkauft. Gepflückt werden die Erdbeeren wieder von den Stammerntehelfern. Trotz Corona gebe es dieses Jahr keine Probleme mit der Einreise der Erntehelfer. »Wir waren besser vorbereitet als im vergangenen Jahr«, sagt Anna Bär. Auf dem Hof seien derzeit 22 Helfer. »Sie werden jeden Sonntag von uns getestet und befinden sich zudem in Quarantäne.« Sobald die Erdbeeren auch auf den freien Feldern reif seien, kämen noch weitere Erntehelfer hinzu.

Familie Bär schätzt, dass es noch zehn bis vierzehn Tage dauert, bis auch die Erdbeeren außerhalb der Tunnel geerntet werden können. Ab dann beliefere der Hof auch Lebensmittelmärkte und Gastronomen. Ab Anfang Juni stünden auch Felder zum Selbstpflücken bereit. Familie Bär baut insgesamt auf fünf Hektar Erdbeeren an, wovon 5000 Quadratmeter durch die Tunnel abgedeckt werden.

Sortenvielfalt aus der Wetterau: Von süß bis säuerlich

Für eine längere Erdbeersaison pflanzen Bärs frühe, mittlere und späte Sorten an. Sie rechnen damit, dass dieses Jahr die Saison bis Anfang Juli gehe. Auf dem Hof in Burg-Gräfenrode gibt es neben »Clery« und »Falco« noch »Allegro«, »Aprika«, »Elliany«, »Rumba«, »Sonsation« und »Face«. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Reifezeit, sondern auch im Geschmack: Es gibt süße und säuerliche Sorten, für alle Erdbeeren gilt jedoch: Die Pflanzen brauchen eine gewisse Summe an Sonne, Wärme und Wasser. »Es darf nicht zu kalt oder zu heiß sein, nicht zu viel oder zu wenig Wasser. Kurz gesagt: Alles, wo ›zu‹ davor steht, ist nicht gut«, sagt Heinz Christian Bär.

Biosaison immer etwas später

Auch auf dem Biolandbetrieb der Familie Dieffenbach in Wölfersheim werden frühe, mittlere und späte Erdbeersorten angebaut. Sie heißen: »Flair«, »Lambarda«, »Magnum«, »Malina«, »Sonata« und »Symphonie«. » ›Lambarda‹ ist die süßeste Sorte bei uns«, sagt Jens Dieffenbach. »Magnum« sei die früheste, doch auch ihre Früchte seien noch nicht reif. Denn Dieffenbachs arbeiten ohne Tunnel.

»Freiland-Erdbeeren brauchen immer ein bisschen länger«, sagt Dieffenbach. Das viele Plastik sei ein Grund, keine Tunnel zu verwenden. Eigene Hummeln gebe es in Wölfersheim keine, denn in rund 400 Metern Entfernung befinde sich ein Imker, dessen Bienen die Blüten auf natürlichem Wege bestäuben.

Dieffenbachs bewirtschaften drei Hektar mit Bio-Erdbeeren. Auch sie verkaufen an Lebensmittelmärkte und bieten Selbstpflückfelder bei Wölfersheim an. Zudem verkaufen sie die Erdbeeren 24 Stunden am Tag über einen Erdbeer-Automaten, sobald die Früchte reif sind. »Wir sind zwar ein paar Tage später dran als normalerweise, aber wir hoffen, dass es die Natur wieder aufholt«, sagt Dieffenbach.

Wetterauer Erdbeeren: Preise auf üblichem Niveau

Sowohl Bärs als auch Dieffenbachs sind optimistisch, dass es eine normale Erdbeersaison wird. »Es ist gar nicht so verkehrt, dass es mal geregnet hat«, sagt Dieffenbach. Auch die Preise seien auf dem üblichen Niveau. »Die frühen Sorten sind immer etwas teurer«, sagt Anna Bär.

Wer welche Sorte lieber mag, bleibt Geschmackssache, so auch die Art, Erdbeeren zu essen: Anna Bär backt beispielsweise gerne Kuchen, und Heinz Christian Bär isst sie am liebsten mit Sahne.

Tipps für die eigene Erdbeerpflanze

Wer eine Pflanze auf dem Balkon hält, sollte darauf achten, dass diese immer genug, aber nie zu viel Wasser hat. Sie braucht viel Luft und Sonne, aber nicht zu knallig: »Stellt man die Erdbeerpflanze vor eine weiße Wand, werden die Strahlen reflektiert und sie bekommt zu viel Sonne ab«, sagt Heinz Christian Bär.

»Die Erdbeere mag Wärme, möchte aber nicht gebraten werden. Außerdem sollte man sich darüber informieren, welche Sorte man anpflanzt.« Ebenfalls wichtig sei das richtige Pflücken. Anna Bär sagt: »Man sollte die Erdbeeren am Stängel abknipsen, damit keine Druckstellen entstehen.«

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