Deutsche Filme als Schlüsselerlebnis

Friedberg-Bruchenbrücken(har). Seit 40 Jahren lebt Robert Rodger in Deutschland, zunächst in Frankfurt und seit zehn Jahren in der Görbelheimer Mühle in Bruchenbrücken. Der 1954 in Cincinnati/Ohio geborene Amerikaner mit irischen Wurzeln kam als 19-Jähriger erstmals mit Deutschland in Berührung. Damals studierte er am Pratt Institute in Brooklyn Malerei und Fotografie. In einem Kurs über Filmtheorie wurde der in Deutschland produzierte Film "Die Chronik der Anna Magdalena Bach" der beiden französischen Filmemacher Jean-Marie Straub und Danièle Huillet gezeigt. Rodger: "Das war für mich das Schlüsselerlebnis."

In den folgenden Jahren beschäftigte er sich mit den Filmen von Wim Wenders, Werner Herzog und Rainer Werner Fassbinder, die in den Programmkinos nur mit englischen Untertiteln liefen. Nach dem Studium legte er eine künstlerische Pause ein, jobbte und zog zunächst für ein gutes halbes Jahr nach London. Rodger: "Ich wollte echtes Theater machen und die Museen sehen."

Ein Freund fragte ihn damals, ob er nicht Regie führen wolle. Er tat dies dann bei drei Harold-Pinter-Stücken und änderte auch das Bühnenbild. "Wenn man etwas im Kopf hat, ist es einfach da und muss gemacht werden", sagt Rogers. Das gilt für ihn nach wie vor.

"Ich habe mich damals weit von meinem eigenen Land entfernt", bilanziert der Künstler heute. Bei einem zweimonatigen Aufenthalt in Irland lernte er viele Deutsche und Schweizer kennen. Zurück in London las er irgendwann eine Anzeige: In Frankfurt würden Theaterleute gesucht. Roger rief an und kam so in die Mainmetropole, wo er sich zunächst die deutsche Sprache selbst beibrachte. Er absolvierte eine Ausbildung in "Interkulturellem Training und Sprachentraining". Bis heute ist er freiberuflich für Firmen oder die Stadt Frankfurt in diesem Bereich tätig, um unter anderem zu erklären, wie Kommunikation in anderen Ländern funktioniert.

"Mit der Kunst verdiene ich bis heute nichts, ich gebe nur aus", sagt Rodger lachend. Seine erste künstlerische Tätigkeit in Frankfurt war 1981 eine Regiearbeit für das damalige "Café Theater" in Sachsenhausen, aus dem das "English Theatre" hervorging. "Kulturdezernent Hilmar Hofmann hat uns ein Stipendium gegeben", erinnert sich Rodger, der sich wieder mehr der Malerei widmete.

Auf dem Weg zum Minimalismus

Rodger: "Ich kam schnell weg vom Gegenständlichen hin zum Abstrakten und zum Minimalismus." Nachdem er mit seiner Partnerin in die Görbelheimer Mühle gezogen war, fand Rodger zurück zur Fotografie. Seit 2011 lichtet er mit seiner Canon 5D Menschen aus seinem Umfeld ab. Aus dem Fotoprojekt entstand die Ausstellung "some menschen i know" im April 2019 im Kunstverein Friedberg. Damals sagte Rodger: "Ich wollte diese Menschen fotografieren und dokumentieren, weil ich dies wundervoll finde - ich wollte sie nicht portraitieren." Auch hier ist seine Vorgehensweise minimalistisch.

Dankbar ist der Künstler für die Unterstützung der Ausstellung durch den Kunstvereinsvorsitzenden Joachim Albert und Kuratorin Wiebke Cherubim-Bruhns. Inzwischen fertigt Rodger auch Objekte an, wie sein nie in der Öffentlichkeit gezeigtes Werk "Little Echo", eine graue Enkaustik aus Ölfarbe und Bienenwachs auf einem MDF-Brett, dass im Flur seiner Wohnung hängt.

Überrascht hatte Rodger mit einem Objekt in der gerade zu Ende gegangenen Kunstvereins-Ausstellung "Identities". Weit über hundert Stunden arbeitete er an dem Objekt "Boys will be Boys". "Damit setze ich mich spielerisch mit einschränkenden Klischees auseinander", sagt der Künstler, dessen Objekt von den Besuchern durch Drehen der einzelnen beschrifteten Holzblöcke verändert werden kann. "Ich hoffe, dass ich in ein, zwei Jahre wieder eine Ausstellung mit neuen Werken machen kann. Ich habe genügend Ideen", sagt Rodger.

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