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Aus der einstigen Naturruhezone am Saukopf ist eine Brachfläche geworden. Naturschützer schlagen vor, die Lücken zu nutzen und hier Windräder aufzustellen.

Deutliches Pro und Contra

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Wetteraukreis (jw/pm). Das »Bündnis Windpark Winterstein« führte im Dezember 2020 bei allen Parteien in den Anrainerkommunen Friedberg, Rosbach, Wehrheim und Ober-Mörlen eine Umfrage durch. Das Thema: Wie stehen die Parteien zur Windenergie und wie stehen sie ganz konkret zum Windpark Winterstein? In drei Pressemitteilungen wertet das Bündnis die Reaktionen aus.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit den Antworten von FDP und Linke.

Seitens der FDP erhielt das Bündnis nur eine Antwort aus Wehrheim. Die dortige FDP erkennt den menschengemachten Klimawandel an und betont auch, dass der Strombedarf allein aus Windenergie gedeckt werden könne, allerdings nicht, wenn Flaute sei. Aus Sicht des Bündnisses verkennt die FDP, dass sich mittels Wind- und Sonnenstrom sowie Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung aus erneuerbaren Energien und bei Nutzung von Stromspeichern eine sichere Stromversorgung darstellen lasse. Einerseits steht die FDP dazu, zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie auszuweisen, wobei sie befürchtet, mit mehr Anlagen weniger Ertrag pro Anlage zu erzielen. Eine gleichmäßige Verteilung im Land sei aber auch nicht optimal. Das Bündnis stellt dazu fest, dass bei Abständen von 300 bis 500 Meter eine optimale Windausbeute am Winterstein möglich sei.

Ziel der FDP ist, dass am Winterstein Energienutzung, Naturschutz und Naherholung gleichermaßen erfolgen können. Andererseits lehnen die Liberalen einen Windenergiepark am Winterstein ab. Während sich die FDP einerseits für eine Beteiligung der Bürger ausspricht, wird eine wirtschaftliche Beteiligung der Kommunen abgelehnt. Zugleich wird unterstellt, dass nur Projektgesellschaften profitieren würden. Für das Bündnis stellt Volkmar Heitmann (»Wetterau im Wandel«) fest: »Die Haltung der FDP Wehrheim ist äußerst widersprüchlich. Einerseits soll Windenergie angeblich nicht genügend Ertrag liefern. Anderseits wird beklagt, es würden nur Investoren profitieren. Dass Bürger und Kommunen selbst investieren und profitieren können, wird von der FDP abgelehnt. Das passt nicht zusammen.«

Die FDP fordere außerdem, dass es keine Abholzungen für Windkraftanlagen geben soll. Heitmann: »Der Wald wird vor allem durch jede Verzögerung bei der Umstellung auf erneuerbare Energien zerstört und nicht durch die vergleichsweise kleinen Rodungen für die Windenergieanlagen. Die FDP verschweigt, dass jede gerodete Waldfläche an anderer Stelle wieder gleichwertig aufgeforstet werden muss.«

Die Partei »Die Linke« antwortete in Friedberg. Der Ausbau der Windenergie wird gerade am Vorranggebiet Winterstein zugunsten des Klimaschutzes und damit auch des Naturschutzes befürwortet. Die Linke spricht sich für die finanzielle Beteiligung durch Bürger, Gewerbe und Kommunen in einem interkommunalen Windenergiepark aus. Kommunen könnten den Gewinn zur Senkung von Kita-Gebühren und für den Naturschutz verwenden. Betont wird, dass Windenergie kostengünstig sei, wenig Stellfläche benötige und durch dezentrale Versorgung den Bau neuer Stromtrassen mindere. Eine Beschränkung auf nur drei Windenergieanlagen lehnt die Linke ab, ebenso wie die Vorgabe einer Maximalhöhe der Anlagen von 145 Metern. Der Bebauungsplan solle überarbeitet werden, damit ein vollumfänglicher Ausbau am Winterstein, wie von der Regionalplanung vorgesehen, erfolgen kann. Windenergie solle durch den Ausbau von Speichertechnologien ergänzt werden.

Zwei völlig konträre Ansichten

Für das Bündnis Windenergie Winterstein stellt Laura Pfeifer (»Fridays for Future«) fest: Mit der FDP Wehrheim und der Linken aus Friedberg zeigen sich deutlich verschiedene Positionen. Die Linke unterstützt die Windenergie, Gewinne sollten allgemein und sozial eingesetzt werden. Die FDP betont, sie ›hätte nichts gegen Windenergie‹, wenn wertvolle Baumbestände erhalten blieben und verkennt dabei, dass die Wälder unter dem Klimawandel durch Kohlestrom leiden.« Schließlich behaupte die FDP Wehrheim, »Wälder und Bäume« würden durch Windräder ersetzt. »Die FDP schaut immer, dass sie ›dagegen‹ ist und verheddert sich bei ihren Antworten. Zum Schluss bleibt ihr leider nur platte Polemik. Wir bedauern dies und hoffen, dass sich die FDP mehr an den Zielen der Jugend für die Windenergie vor Ort als Beitrag zum weltweiten Klimaschutz einsetzt.«

Dem »Bündnis Windpark Winterstein« gehören 27 Organisationen an. Es vertritt die Ansicht, dass angesichts des Klimawandels nur drei im Bebauungsplan vorgesehene Windenergieanlagen nicht ausreichen. Weitere Infos im Internet unter www.querstellen-friedberg.de.

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