Der Mundart verbunden

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Friedberg (pm). Mundartdichter Erich Stümpfig wäre am heutigen Samstag 100 Jahre alt geworden. Das Stadtarchiv will deshalb den am 1. November 1990 verstorbenen Friedberger wieder ins Gedächtnis rufen.

Wer schon einmal in Fauerbach am Erich-Stümpfig-Platz, der 1997 seinen Namen erhielt und bald verschönert werden soll, vorbeigegangen ist, ist möglicherweise das Schild mit Erich Stümpfigs Porträt und Zitat aufgefallen: »M’r soll beim Rewe wie beim Schreiwe nie mehr als need’g iwwerdreiwe. Un muß m’r aam de Kimmel reiwe: Mensch bleiwe!«

Viele seiner Werke wurden publiziert

Ganz nach seinen eigenen Zeilen ist Erich Stümpfig auch abseits des Schreibens immer Mensch geblieben. Einer, der sich gelassen, freundlich und gleichzeitig kraftvoll auf verschiedene Arten für seine Heimat, Kultur und Bildung einsetzte. So war er unter anderem Stadtverordneter für die CDU, Leiter des DAG-Bildungszentrums in Mittelhessen, Vorsitzender der Friedberger Volkshochschule und des Volksbildungsvereins, deren Mitgliederanzahl sich in dieser Zeit verdoppelte, Leiter einer Laienspielgruppe sowie Beirat im Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer und in der Kreisvolkshochschule.

Sein Hauptaugenmerk richtete sich dabei immer auf Dialekte und Mundartdichtung, welche die Sprache für ihn besonders lebendig machten und seinen schöpferischen Schwerpunkt bildeten. Durch seine Art zu Reden und zu Schreiben, wie ihm »de Schnawel gewachse iss«, fand Stümpfig bald viele Freunde und Anhänger, die nur zu gern zu seinen vielfachen Auftritten und Vorträgen bei Veranstaltungen kamen oder sein Mitwirken bei einem Rundfunkbeitrag anhörten.

Viele seiner eigenen Gedichte und Geschichten, fast ausschließlich im Wetterauer Platt verfasst, wurden über die Jahre hinweg in der Wetterauer Zeitung abgedruckt und zu einem großen Teil durch die Bindernagel’sche Buchhandlung veröffentlicht. Es entstanden »D’s Kommodche« (1965), »Zwische Diehr und Angel« (1978), »Die Wearrera soll leawe!«, »Uffgelese - Uffgespießt!« (1987) und vieles mehr.

Durch seine bodenständige und sehr nahbare Art verstand es Stümpfig, »in einer Zeit der Wiederbesinnung auf mundartliches Sprachgut«, wie er selbst schrieb, Zeitgenossen und späteren Generationen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und sie gleichzeitig nachdenklich zu stimmen.

Wichtige Auszeichnungen

Stümpfig erhielt sowohl den Ehrenschild der Stadt Friedberg, als auch den Ehrenbrief des Landes Hessen. Abschließend stellen wir ein kurzes, neckisches und gleichsam zeitloses Gedicht von ihm vor - es heißt »Unner uns«:

Mr dirf e bissi spindisiern,

In rosa Wolke schwewe.

Un will e Dräumche dich entfihr’n -

Dräum’s! Es verscheent dei(n) Lewe!

Romandisch sei(n) - so’n klaane Schuß

Beisweile - kann nix schoade.

De Alldoag bringt sein Räjeguß,

Schickt frih genunk uns boade.

Das Stadtarchiv steht allen für Fragen zu Stümpfig, Mundartdichtern und vielen anderen Themen rund um Friedberg zur Verfügung. E-Mail an stadtarchiv@friedberg-hessen.de. Ab dem 10. Juni ist das Stadtarchiv auch wieder für Besucher geöffnet. Patrick Weise

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