1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Friedberg

Der Herr der Ringe

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Gerhard Kollmer

Kommentare

koe_Pit4_100322_4c
Kann er Gedanken lesen? Bei der »Broadway«-Nummer kommen die Auserwählten auf der Bühne und das Publikum aus dem Staunen nicht mehr heraus. © Gerhard Kollmer

Friedberg (gk). Unmögliches möglich machen! Dieser Imperativ widerspricht sich selbst. Sollte man meinen. Aber weit gefehlt! Pit Hartling, vielfach prämiierter Zauberkünstler und »Mentalmagier«, lässt das scheinbar Unmögliche - gleichsam en passant - so täuschend echt wirklich werden, dass sein zahlreiches Auditorium am Samstagabend im Alten Hallenbad aus ungläubigem Staunen und entgeistertem Kopfschütteln kaum mehr herauskam.

Hartlings interaktive, das Publikum einbeziehende Show, begann mit einem Seiltrick, wie man ihn von der klassischen Zauberei her kennt - als Damen in großen Koffern zersägt und Kaninchen aus dem Hut geholt wurden.

Plauderei zur Ablenkung

Ein Strick mit drei Enden und sich selbst lösenden Knoten: Diese poetische Demonstration der Fingerfertigkeit bildete den Auftakt einer sich von Nummer zu Nummer ins Unwahrscheinlichere steigernden Show - flankiert von witzigen, geistreichen Plaudereien (die nicht nur der Unterhaltung, sondern wohl auch der Ablenkung des Publikums dienten).

Der millionenfach verkaufter Zauberwürfel bietet rund 43 Trillionen (!) Einstellmöglichkeiten. Wer sie alle durchspielen wollte, müsste um ein Mehrfaches älter werden als weiland Methusalem, der es immerhin auf neunhundert Jahre brachte. Um alle Seiten des Würfels in jeweils einer Farbe erstrahlen zu lassen, benötigt Hartling -

mit verbundenen Augen - wenig mehr als drei Sekunden. Wie das? Nicht nur der Laie, sondern auch der Fachmann kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Im Zeitalter des Aberglaubens wäre nicht nur dieser, sondern auch alle anderen Tricks des sympathischen 45-Jährigen als pures Teufelswerk - mit möglicherweise tödlichen Folgen für ihn - angesehen worden.

Nach der Pause wechselt Pit Hartling ins Feld der Mentalmagie. Was benötigt man, um Geburtstag und -monat eines/r Unbekannten zu erraten? Ganz einfach: Hausnummer und Schuhgröße der/des Betreffenden.

In der »Broadwaynummer« drückt der Magier acht nebeneinander auf der Bühne Stehenden weiße, der Reihe nach mit 1 bis 8 beschriftete Umschläge in die Hände und bittet sie dann um Wechsel der Reihenfolge, also statt 1, 2, 3 z. B. 7, 4, 1. Darauf erfolgt die Leerung der acht Umschläge, und es erscheinen mit jeweils einem Buchstaben beschriebene acht Blätter. Seinen Augen nicht trauend, liest man das Wort »Broadway«. Kann Hartling seine Spielteilnehmer »mentalmagisch« so manipulieren, dass sie sich unbewusst so verhalten, wie es zum Gelingen seines Tricks nötig ist? Kurz: Kann er Gedanken lesen? Wir wissen es nicht. Nach Pausenende plaziert Hartling eine geschlossene Einkaufstasche am rechten Bühnenrand und bittet einen Zuschauer, sie ständig im Auge zu behalten.

Nun komplimentiert er eine Dame auf die Bühne und fordert sie auf, ihm einen Zehn-Euro-Schein zu reichen, den er in seinen verschlossenen Händen verschwinden lässt - und stattdessen einen Hunderter zum Vorschein bringt. Tosender Applaus für diese »Aus 10 mach‹ 100 Euro«-Demonstration.

Einen weiteren Zehner beschriftet die Dame mit ihrem Vornamen. Hartling lässt ihn ebenfalls verschwinden und vertröstet sie auf später. Man beginnt etwas zu ahnen.

Auf das Erraten von Wörtern folgt der vielleicht schönste Trick dieses bezaubernden Abends. Fünf Damen entledigen sich ihrer Fingerringe, die der Magier durch Zauberhand miteinander verkettet. Als Herr der Ringe lässt er sich feiern. Natürlich gelingt ihm auch deren Entkettung.

Abschließender Höhepunkt des Abends ist die Öffnung obengenannter Tasche. In ihr befindet sich eine unversehrte Zitrone, die den weggezauberten beschrifteten Zehn-Euro-Schein enthält. Die Dame ist perplex. Und das Auditorium bricht in tosenden Schlussapplaus aus.

koe_PitGeld_100322_4c
Aus diesen zehn Euro macht Pit Hartling 100. © Gerhard Kollmer

Auch interessant

Kommentare