Denkmäler einer "Friedenskünstlerin"

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Friedberg(pm). Mordanschläge von Rechtsextremisten, Fahnenaufläufe von Reichsbürgern - der Anschlag auf die Synagoge in Halle jährte sich am 8. Oktober erstmals, der Angriff auf einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge liegt erst wenige Wochen zurück. Diese Entwicklungen lassen erahnen, wie viel rassistisches und antisemitisches Gedankengut in Deutschland vorhanden ist.

Um den Wert eines demokratischen Rechtsstaates sichtbar zu machen, sei es deshalb notwendig, an die Verbrechen des Nazi-Regimes und die Ermordung von Millionen unschuldiger Menschen zu erinnern, schreibt das Frauenzentrum Wetterau in einer Pressemitteilung.

Andere Vorstellung als die Politiker

Anlass ist ein Besuch der "Friedenskünstlerin" Dina Kunze, die kürzlich im Frauenzentrum in Friedberg einen Einblick in die Gestaltung von Werken gegen das Vergessen der Verbrechen während des Nationalsozialismus in Deutschland gegeben hat. Für die Gruppe "Frauen für Demokratie und Respekt" war der Vortrag eine Vorbereitung auf den Besuch der von Kunze gestalteten Mahn- und Denkmäler in Gelnhausen, Gießen und Bad Homburg, um so die Geschichte lebendig zu erhalten.

Die Künstlerin berichtete vom Prozess der Umsetzung des Mahnmals für die deportierten und ermordeten Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Gelnhausen. Dabei waren die Vorstellungen von politischen Entscheidungsträgern und Künstlerin nicht immer gleich gewesen. Dennoch setzte sie das Werk "Die geöffnete Tür" im Jahre 1986 um, das vor der ehemaligen Synagoge und heutigen Begegnungsstätte in Gelnhausen zu finden ist.

Ein weiteres Mahnmal auf dem Gelände der Gießener Psychiatrie ist Menschen mit psychischen Erkrankungen oder geistiger Behinderung gewidmet, die Opfer des NS-Regimes durch systematische Zwangssterilisation, Vernachlässigung, Verschleppung und Ermordung wurden.

Auch dieses Mahnmal gestaltete Kunze mit Bronzetafeln. Die finanziellen Mittel waren stark begrenzt. So war die Stadt Gießen zum damaligen Zeitpunkt nur bereit, einen kleinen Beitrag zu leisten. Deshalb hatten sich Ärzte der Psychiatrie für diesen Ort der Erinnerung und Mahnung engagiert.

Für vielfältige Gesellschaft

Ein weiteres von Kunze gestaltetes Denkmal erinnert im Kurpark von Bad Homburg an den Autor und Nobelpreisträger für Literatur Samuel Josef Agnon (1888-1970), der in der Zeit von 1921 bis 1924 in Bad Homburg gelebt hat. Er zog von dort mit seiner Familie nach Jerusalem, nachdem sein Haus in Flammen aufgegangen war und alle seine Manuskripte verbrannt waren.

Wie es in der Pressemitteilung weiter heißt, will die Frauengruppe demnächst zusammen mit Dina Kunze diese Orte aufsuchen und auf diese Weise die Erinnerung wach halten. Ein wichtiges Anliegen der Gruppe ist es, sich auch in Zukunft gegen Antisemitismus und Rassismus sowie für eine vielfältige Gesellschaft zu engagieren.

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