Zum Namen der Friedberger Mohren-Apotheke gibt es unterschiedliche Meinungen, was dieser Tage bei Demo und Gegendemo besonders deutlich geworden ist.	ARCHIVFOTO: WAGNER
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Zum Namen der Friedberger Mohren-Apotheke gibt es unterschiedliche Meinungen, was dieser Tage bei Demo und Gegendemo besonders deutlich geworden ist. ARCHIVFOTO: WAGNER

Rassismus-Vorwurf

Debatte um Namen der Mohren-Apotheke in Friedberg geht weiter

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Demonstration, Gegendemonstration, Leserbriefe, Facebook-Beiträge - am Namen der Friedberger Mohren-Apotheke scheiden sich die Geister. Nun geht die Diskussion weiter.

Nach der Demonstration gegen den Namen der Mohren-Apotheke in Friedberg und der Gegendemo meldet sich nun die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) zu diesem Thema zu Wort. Nach den vielen Argumenten, warum der Name und das Logo der Apotheke problematisch seien, werde dies »seitens der Befürworter des ›M-Namens‹ nicht angenommen«, heißt es in der Pressemitteilung.

Laut Antifa-BI müsse das Bewusstsein für Rassismus beziehungsweise rassistische Stereotype in Friedberg dringend besser erklärt respektive bei vielen erst einmal geschaffen werden. »Es ist jedoch auch klar, dass unter den Verteidigern des ›M-Namens‹ viele angesehene Friedberger sind, die sicher keine Rassisten sind«, heißt es in der vom Antifa-BI-Vorsitzenden Andreas Balser unterzeichneten Pressemitteilung.

»…ist für die Hasser nicht nachvollziehbar«

»Wenn es noch ein Argument gebraucht hat, um alle zu überzeugen, wie problematisch die Angelegenheit ist, dann sind es genau diese Reaktionen auf Facebook der letzten Tage.« Dort werde in Deutschland geborenen Menschen empfohlen, in ihre Heimat zurückzugehen. »Dass diese Menschen deutsche Staatsbürger und Friedberger sind, ist für die Hasser nicht nachvollziehbar.«

Es werde behauptet, die Teilnehmer der Mahnwache wären nur von außerhalb angereiste Demo-Touristen. Überwiegend seien es aber Menschen aus Friedberg und Umgebung gewesen. Den jungen Menschen, die gegen Rassismus protestiert haben, werde unterstellt, faschistoid zu sein. »Dabei wird bewusst übersehen, dass sie gegen Rassismus und Faschismus und für eine Gleichberechtigung aller Menschen demonstriert haben. Auch haben sie immer wieder zum Dialog mit der Apotheke und den vor Ort Anwesenden, teils auch ausfallenden Apotheken-Unterstützern geworben«, schreibt Andreas Balser. »Dass junge Menschen sich direkter ausdrücken, ist ja schon seit Jahrzehnten bekannt. Von Rassismus Betroffene haben von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung in Deutschland berichtet und werden dafür beleidigt und angefeindet. Sicherlich hätte der Dialog vor Ort ruhiger stattfinden können, aber sind hier auch emotionale Reaktionen der Betroffenen verständlich.«

Veränderungen in der Gesellschaft

Generell verändere sich Gesellschaft, und das bedeute, »dass Dinge, die 1621 vielleicht in Friedberg noch hingenommen wurden, dies heute nicht mehr werden«. Als Beispiel für gesellschaftliche Veränderungen nennt Antifa-BI-Vorsitzender Balser neben der Einführung der Demokratie, der Gründung der Arbeiterbewegung, der Einführung des Wahlrechts für Frauen, des neuen Staatsbürgerrechtes auch die erst vor Kurzem eingeführte »Ehe für alle«.

Inhaltliche Kritik an Bestehendem werde oft mit dem Vorwurf beziehungsweise der Unterstellung abgelehnt, diese würde Menschen inflationär als Rassisten abstempeln, beklagt Balser. »Eine inhaltliche Debatte sollte in Deutschland 2020 hoffentlich noch möglich sein.«

Weiter heißt es vonseiten der Antifa-BI: »Nach der Pressemeldung der UWG, die nur als polemischer Wutanfall und inhaltlicher Totalausfall bezeichnet werden kann, ist es wichtig, zu einem nüchternen und sachlichen Umgang mit der Thematik zurückzukommen.« Es gebe über den Anwalt der Apothekerin ein Gesprächsangebot an die Friedberger Organisatoren der Kundgebung. Vielleicht finden sich noch ein bis zwei Stadtverordnete oder Magistratsmitglieder, die dieses Gespräch begleiten, hofft Andreas Balser. »Solche gesellschaftlichen Konflikte lassen sich nur mit einem Dialog und gegenseitigem Verständnis lösen. Vielleicht ist hier ja ein für alle akzeptabler Kompromiss erzielbar. Damit sich eine angesehene Apothekerin mit ihren Angestellten wieder in Ruhe um ihre Kunden kümmern kann. Und von Rassismus Betroffene die Apotheke ohne schlechtes Gefühl besuchen können.«

Die Entscheidung hierüber liege jedoch alleine bei der Apotheke, »der Teile ihrer jetzigen Unterstützer im Gegensatz zu ihren Kritikern wirklich schaden«. Die Antifa-BI hoffe, dass sich hier ein kons-truktiver Dialog entwickele - »dann hätten alle in Friedberg gewonnen«.

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