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Das Unzerstörbare in uns

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Die letzte der vier Passionsandachten fand kürzlich in der Friedberger Burgkirche statt. Im Mittelpunkt stand diesmal die Meditation von Pfarrer Ernst Rohleder über das an der rechten Wand hängende Bild des heiligen Sebastian aus Karsten Krafts Zyklus »Universum des Schmerzes«.

Eingangs erklangen Largo und Vivace aus Georg Philipp Telemanns 1730 entstandener Triosonate c-Moll für Traversflöte, Oboe, Violoncello und Basso Continuo - gespielt von Leonie, Mirjam und Bertram Minor sowie Ulrich Seeger.

Wie auch bei den vorhergehenden Andachten bildete die von Telemanns feierlichen Klängen erzeugte Atmosphäre tiefen Friedens (Familie Minor erhielt für ihr einfühlsames Zusammenspiel langen Applaus nach Ende der Andacht) einen starken Kontrast zur Meditation über das Martyrium des heiligen Sebastian.

Sympathien für das Christentum

Dazu trugen auch die von Familie Minor und Henriette Walther gesungenen Lieder »Von Gott will ich nicht lassen« und »Wohl denen, die da wandeln« bei. Auch der von Rohleder zitierte Psalm 91 zeugt von tiefer Glaubenszuversicht: »Denn der Herr ist deine Zuflucht, / du hast dir den Höchsten als Schutz erwählt. Dir begegnet kein Unheil, / kein Unglück naht deinem Zelt.«

In krassem Gegensatz dazu scheint das Martyrium des im 14. Jahrhundert zum Pestheiligen »avancierten« heiligen Sebastian zu stehen. Als Mitglied der Leibgarde Diokletians fällt er beim Kaiser in Ungnade, weil er heimlich mit der Lehre Jesu sympathisiert. Die Strafe: Tod durch Erschießen mit Pfeilen.

Sebastian übersteht dies schwer verwundet und wird von Irene, einer Christin, gesundgepflegt. Nach nun öffentlichem Eintreten für den Christengott wird er von Diokletians Schergen mit Knüppeln totgeschlagen und sein Leichnam in die cloaca maxima geworfen. Die Christin Lucia birgt ihn; und Sebastian wird in den Katakomben an der Via Appia bestattet.

Im Unterschied zur herkömmlichen Ikonografie, die einen schönen jungen Mann ohne Leidensmiene inmitten des Pfeilhagels zeigt, erscheint der erschlagene Sebastian Karsten Krafts in seinem ganzen Elend - wie von Scheinwerfern grell ausgeleuchtet. Als »Gemeinschaft der Heiligen« dürfen wir, so Pfarrer Rohleder, diesen Mann als einen von uns betrachten. Auch die gegenwärtige Pandemie zeuge von der Verwundbarkeit, vom Elend, dem tausendfachen Sterben des Menschen - diesmal nicht in fernen Ländern, sondern mitten unter uns.

Der Sebastian auf dem Bild Krafts scheine seinen Peinigern kurz vor seinem qualvollen Ende noch zurufen zu wollen: »Ihr könnt mich nicht restlos töten.« Insofern zeuge seine Legende »vom Ewigen in uns«, das der Macht des Todes nicht unterworfen sei. Nicht zuletzt seine langjährige Erfahrung in der Altenseelsorge habe ihn in seinem Glauben an das Unzerstörbare im Menschen bestärkt.

Die Passionsandacht klang mit dem Andante und Allegro aus Telemanns Triosonate c-Moll stimmungsvoll aus.

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