Anneliese König sammelt seit vielen Jahren alte Puppen. Kürzlich hat sie in Dorheim ein Museum eröffnet.
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Anneliese König sammelt seit vielen Jahren alte Puppen. Kürzlich hat sie in Dorheim ein Museum eröffnet.

Besondere Leidenschaft

Neueröffnung in Friedberg: Das Haus der Puppen

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Aufmerksam scheinen die Kulleraugen zu beobachten, wer hereinkommt. Doch die Puppen stehen still im neuen Puppenmuseum in Friedberg-Dorheim. Anneliese König hat dort ihre Sammlung eingerichtet.

Friedberg – Manche der Puppen haben echtes Haar. Ihre Körper bestehen aus »Masse«, einer Art Pappmaschee, aus Celluloid oder anderen Materialien. Die Köpfe sind oft aus Porzellan, die Augen groß und manchmal beweglich. Nach Plastikpuppen dagegen wird man im Puppenmuseum von Anneliese König vergeblich suchen.

Die 63-Jährige und ihr Mann leben in einer ausgebauten Scheune einer Hofreite in Friedberg-Dorheim. Vorn an der Straße liegt das frühere eigentliche Wohnhaus, in dem der Großvater ihres Mannes wohnte. Später lebte die Tochter der Eheleute darin. Nach ihrem Auszug machte sich das Paar Gedanken um eine sinnvolle Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes in der Kreuzgasse 6.

Neues Museum in Friedberg-Dorheim: Verteilt auf drei Etagen

Als im vergangenen Jahr die Pandemie einsetzte, war der Zeitpunkt gekommen. »Ich mache meinen Traum jetzt wahr und eröffne mein kleines Puppenmuseum«, sagte sich Anneliese König. Da während der Lockdown-Zeiten alles ruhte, hatte sie viel Zeit zum Werkeln. Auf drei Etagen stehen die alten Puppen nun. In ihren schönen Kleidern warten sie darauf, bewundert zu werden. Sie stammen von vielen unterschiedlichen Herstellern wie beispielsweise Schildkröt, Armand Marseille oder Kämmer und Reinhardt.

Anfang September weihte König die neue Fläche mit einem kleinen Fest ein. Zu Besuch bei der früheren Schulsekretärin waren ihre ehemaligen Kolleginnen der Henry-Benrath-Schule. Wer sich die Sammlung ebenfalls anschauen möchte, kann dies nach Terminabsprache tun. Zielgruppe sind Liebhaber und jung gebliebene Erwachsene.

Friedberger Museum präsentiert Puppen aus der Zeit von 1880 bis 1950

Über die Jahre hinweg sammelte sich einiges an Puppen bei Anneliese König an. »Ich hatte sie überall bei uns in der Wohnung verteilt. Wir haben mit den Puppensachen mehr oder weniger gelebt«, erzählt sie. Zwischen 1880 und 1950 datieren ihre Schätzchen. Ungefähr 100 Puppen und 60 oder 70 Puppenhäuser, -stuben und -küchen hat sie.

Schon bevor die Pandemie einsetzte, hatte sich König gedanklich mit der Idee eines privaten Museums beschäftigt. Nun ging sie jeden Tag in das Haus und richtete ein, stellte um und dekorierte. Als Podeste verwendete sie antike Möbel, Kommoden und eine alte Küche.

Puppen-Expertin stellt im Friedberger Stadtteil Dorheim aus: Zunächst Lehrgeld bezahlt

Wie alt eine Puppe ist, erkennt Anneliese König auf den ersten Blick. Diese Expertise musste sie sich allerdings erst erarbeiten. »Ich habe viel gelesen, mir Bücher gekauft«, erzählt sie. Alles fing an, als sie eine alte Puppe bei einer Bekannten sah und von deren Ausstrahlung fasziniert war. »Das ist so was Tolles, wie früher diese Puppen gemacht wurden«, schwärmt sie. Regelmäßig besuchten sie und ihr Mann Trödelmärkte, wobei sie ursprünglich nach alten Kaffeekannen Ausschau hielten. Bald nachdem sie die Puppe ihrer Bekannten bewundert hatte, fiel Anneliese König auf einem Flohmarkt eine alte Puppe auf. Sie begann zu sammeln, wobei sie zunächst etwas Lehrgeld zahlen musste. Manche Puppen, die sie anfangs kaufte, waren aus Teilen zusammengesteckt, die nicht zueinandergehörten. Manchmal waren auch die Köpfe beschädigt, ohne dass es gleich zu sehen war. »Bei den Porzellanköpfen kommt es darauf an, dass der Kopf keine Haarrisse hat. Man leuchtet die Köpfe mit einer Lampe aus und dann kann man genau sehen, ob die Puppe beschädigt ist«, erläutert die Dorhei- merin. Der originale und intakte Zustand der Puppen war ihr immer wichtig. »Mit der Zeit habe ich ein Auge dafür entwickelt. Man sieht gleich, wenn etwas nicht stimmt, beispielsweise die Augen nicht dazugehören.«

Als Kind war Anneliese König auf Puppen nicht versessen. Heute kann sie zu all ihren Lieblingen eine Geschichte erzählen. Eine Puppe etwa stammt aus Bruchenbrücken. »Die Frau erzählte mir, dass ihre Mutter die Puppe jahrelang auf der Couch sitzen hatte, ihr Kleidchen nähte und aufpasste, dass ihr nichts passiert.« Die Puppe war tadellos erhalten, »sie wurde geliebt«. So wie die 100 Puppen in Königs kleinem Museum.

Puppen-Museum in Friedberg: Besichtigung nach Terminabsprache

Das Puppenmuseum befindet sich in der Kreuzgasse 6 im Friedberger Stadtteil Dorheim. Zielgruppe sind Sammler, Liebhaber von Puppen und jung gebliebene Erwachsene. Das Museum ist eine private Sammlung, weshalb es keine Öffnungszeiten gibt. Wer sie anschauen möchte, kann dies nach einer Terminvereinbarung unter der Telefonnummer 01 73/2 34 29 47 oder per E-Mail an die Adresse koeniganneliese@web.de tun. Die Einrichtung ist nicht barrierefrei. Eintritt erhebt die Sammlerin nicht, über einen Spendenobolus freut sie sich. (Petra Ihm-Fahle)

Noch bis zum 10. Oktober können sich Kunstinteressierte auch die Werke des Frankfurters To Kuehne ansehen. Seine Bilder hängen im Deutschen Bundestag – und derzeit im Wetterau-Museum in Friedberg.

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