Langer Weg zum kurzen Piks: Für eine Impfung müssten die Bewohner aus dem Wetterauer Westen bisweilen lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. SYMBOLFOTO: DPA
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Langer Weg zum kurzen Piks: Für eine Impfung müssten die Bewohner aus dem Wetterauer Westen bisweilen lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. SYMBOLFOTO: DPA

Lange Anfahrt aus dem "Westen"

Darum kommt das Wetterauer Impfzentrum nach Büdingen

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
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Die Entscheidung des Wetteraukreises, das Corona-Impfzentrum in einem früheren Baumarkt in Büdingen einzurichten, hat - zumindest im Westen der Wetterau - auch für kritische Stimmen gesorgt.

Gut zwei Drittel der 309 000 Einwohner des Kreises leben im Wetterauer Westen. Von Bad Nauheim oder Bad Vilbel aus sind es mit dem Auto knapp 45 Minuten bis nach Büdingen. "Und wie sollen z. B. Senioren oder Menschen, die keinen Führerschein haben, aus Friedberg oder Bad Nauheim nach Büdingen kommen? Mit dem Bus? Der dann voll besetzt ist? Das ist eine Tagesreise", kommentiert eine Facebook-Nutzerin. Im Internet ist eine Diskussion entbrannt, ob Menschen aus der Kur- oder der Kreisstadt die Fahrt in den tiefsten Wetterauer Osten zuzumuten ist. Wer etwa von Ober-Mörlen aus mit Bus und Bahn fahren will, bräuchte für die einfache Strecke zum Impfzentrum locker drei bis vier Stunden. "So kann man die Menschen auch vom Impfen abhalten", folgert ein Kommentator. Andere merken an, die schlechte Anbindung des Ostkreises habe in Friedberg oder Bad Vilbel "bisher auch niemanden gestört".

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und dabei alle Konsequenzen genau abgewogen", teilt nun Landrat Jan Weckler mit. Nicht der Standort sei entscheidend, sondern alleine die Eignung des Objekts. "Das ist das entscheidende Kriterium, völlig unabhängig von der Stadt oder Gemeinde."

Landrat: Hatten nur fünf Tage Zeit

Die Entscheidung für den früheren Obi-Baumarkt im Industriegebiet fuße auf "rein sachlichen Erwägungen". Weckler merkt an, dass man nicht viel Zeit dafür hatte. Der Einsatzbefehl des Landes Hessen mit den genauen Vorgaben sei am 23. November in der Kreisverwaltung eingegangen. Fünf Tage später habe man ein Objekt für das Impfzentrum an das Land übermitteln müssen.

Im Baumarkt ließen sich leicht "Impfstraßen" einrichten, auch sei dafür eine entsprechende Größe zwingend notwendig. "Das Objekt muss außerdem beheizbar sein, über ausreichend freie Parkplätze verfügen und es muss möglichst am Stadtrand liegen, damit es innerhalb einer Kommune nicht zum Verkehrskollaps kommt", nennt der Landrat weitere Kriterien. Es komme vor Ort nicht zu Beeinträchtigungen anderer Nutzer; das Gebäude sei sofort verfügbar und erschwinglich. Die Verträge mit dem Eigentümer seien innerhalb einer Woche unterzeichnet worden.

"Andere Standorte hätten gravierende Nachteile, etwa Bürgerhäuser und Sporthallen, die in der Regel nicht groß genug sind und die man für bis zu zwölf Monate aus der Nutzung herausgenommen hätte." Zudem seien dort Konflikte mit Anwohnern zu befürchten, da das Impfzentrum an sieben Tagen in der Woche, von morgens, 7 Uhr, bis abends, 22 Uhr, frequentiert werde. Weckler: "Das schließt beispielsweise auch Sporthallen aus, die in der Nähe von Schulen stehen, weil es hier unter anderem zu Konflikten mit dem morgendlichen Schulbus- und dem Elterntaxiverkehr gekommen wäre. Abgesehen davon, dass für das Jahr 2021 auch bei absehbaren Lockerungen im Jahresverlauf mit erheblichen Einschränkungen im Sportunterricht und Vereinssport zu rechnen gewesen wäre." Das sieht man im benachbarten Main-Kinzig-Kreis offenbar anders. Hier werden zwei Corona-Impfzentren in Hanau und Gelnhausen eingerichtet - jeweils in Sporthallen.

Der im Internet oft geäußerte Vorschlag, das Friedberger Kasernengelände zu nutzen, sei "wenig praxistauglich", sagt Weckler. Die bestehenden Gebäude kämen allein wegen der zu geringen Größe der Räumlichkeiten und deren Zuschnitt nicht in Betracht. Der Aufbau von Zelten sei schon unter Berücksichtigung der Witterung keine Alternative zu einem Gebäude.

Laut Weckler hat man mit dem Objekt in Büdingen die "beste aller Möglichkeiten" gefunden. Er rechnet damit, dass die VGO vor der Halle eine temporäre Bushaltestelle einrichtet, um das Impfzentrum per ÖPNV mit dem Büdinger Bahnhof zu verbinden. Neben dem Impfzentrum werde es außerdem noch mobile Teams geben, die vulnerable Gruppen impfen, etwa in Senioren- und Pflegeheimen.

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