Für Stefan Mey ist das Darknet zwar auch eine Plattform für Verbrecher, aber darüber hinaus ein Bereich, in dem auch gute Zwecke verfolgt werden können. (Symbolfoto: dpa)
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Für Stefan Mey ist das Darknet zwar auch eine Plattform für Verbrecher, aber darüber hinaus ein Bereich, in dem auch gute Zwecke verfolgt werden können. (Symbolfoto: dpa)

Das "dunkle Netz"

Darknet-Experte klärt auf: Das sind die Gefahren im "dunklen Netz"

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Stefan Mey kennt sich mit dem Darknet aus. Am Donnerstag, 17. Oktober, referiert er in Friedberg zum Thema. Vorab spricht er über Drogenkäufer, die Waren bewerten, und über seltsame Listen.

Wie groß ist das Darknet?

Das Darknet ist vergleichsweise klein. Stefan Mey spricht von 120 000 URLs, also Adressen. Das ist der höchste Wert, der bisher im Darknet gemessen worden ist. Zum Vergleich: Im Internet gibt es allein mehr als 16 Millionen Adressen, die auf .de enden. Pro Tag sind weltweit höchstens 60 000 Menschen im Darknet unterwegs, in Deutschland etwa 5000.

Wo werden die meisten Verbrechen vorbereitet, beziehungsweise begangen? Im Darknet oder im Internet?

Im Internet passiert dies deutlich öfter als im Darknet, sagt Stefan Mey. "Das Darknet hat kein Monopol auf Cybercrime. Ich gehe davon aus, dass in geschlossenen Facebook-Gruppen mehr Drogen gehandelt werden als im Darknet."

Welche illegalen Dinge geschehen im Darknet?

Mey hat zwei Hauptfelder ausgemacht: Drogenhandel und Kinderpornografie. Was den Handel mit Drogen betrifft, so können die Käufer die Ware bewerten - was an den legalen Versandhandel im Internet erinnert. Ganz klar sei der Drogenhandel im Darknet illegal, sagt Mey. Es gebe allerdings auch Vorteile gegenüber dem Kauf auf der Straße: Zum Beispiel die besagten Bewertungen, die etwas über die Qualität aussagen können. "Beim Off- line-Kauf ist das Russisches Roulette", sagt Mey und verweist darauf, dass man eben nicht sagen kann, was man da auf der Straße tatsächlich in die Hand gedrückt bekommt. Zweiter Vorteil: Der Käufer kommt nicht direkt mit den Kriminellen in Kontakt, sondern nur in der virtuellen Welt. Der Ton beim Drogenhandel im Darknet ist übrigens geradezu freundlich und serviceorientiert, sagt Mey. Was den zweiten illegalen Schwerpunkt betrifft, die Kinderpornografie, so agieren die Gruppen, in denen sich Pädophile tummeln, abgeschottet vom restlichen Darknet.

Was ist das Übelste, das Stefan Mey bisher im Darknet begegnet ist?

Auf Kinderporno-Seiten ist er nicht gewesen, deshalb muss dieses Thema außen vor bleiben. Mey erwähnt aber sogenannte Hidden Wikis, also "versteckte" Lexika. Dort findet man Listen mit Links, über die man unter anderem an Waffen oder Drogen herankommt. Unter diesen Links gibt es laut Mey auch Seiten, über die man angeblich Auftragsmorde buchen kann. "Das ist auf jeden Fall ein Fake", sagt Mey.

Stefan Mey

Wie findet man sich im Darknet zurecht?

"Die Orientierung im Darknet ähnelt dem Internet der 90er Jahre", sagt Mey. Auch im Darknet gibt es Suchmaschinen, die allerdings eher schlecht als recht funktionieren. Und es gibt lange Listen mit Links, sogenannte Hidden Wikis. Auf denen stehen allerdings viele seltsame Dinge, und es ist nicht zu empfehlen, dort wild herumzuklicken.

Ist es wirklich unmöglich für die Polizei, Spuren im Darknet zu finden und nachzuvollziehen?

Die Ermittlungen sind in technischer Hinsicht schwierig, aber das Darknet ist kein rechtsfreier Raum. Die Polizei arbeitet im Darknet sehr erfolgreich. "Jeder großer Drogenmarktplatz wird irgendwann von der Polizei lahmgelegt", sagt Mey. Polizisten geben sich zum Beispiel als potenzielle Drogenkäufer aus und kommen auf diese Weise den Kriminellen auf die Spur.

Kann man dem Darknet auch etwas Gutes abgewinnen?

Medienhäuser wie die "Süddeutsche Zeitung", die TAZ oder die "New York Times" bieten Whistleblowern anonyme Postfächer im Darknet an. Auch die CIA ist im dunklen Netz vertreten. Sogar Facebook hat eine Adresse. "Im Darknet ist Anonymität einfach der Standard", sagt Stefan Mey. Um die Anonymität zu gewährleisten, muss der User den sogenannten Tor-Browser benutzen, in dem die IP-Adresse des Nutzers verschleiert wird. Anders sieht es im Internet aus: "Überwachbarkeit und Zensierbarkeit sind in der DNA des Internets verankert", sagt Mey. Daten der halben Welt würden bei wenigen großen Konzernen wie beispielsweise Google lagern. So sei eine ganz große Überwachungsinfrastruktur entstanden. "Eine Ballung von Daten ist eine Ballung von Macht", sagt Experte Mey. Und Macht könne missbraucht werden.

Welche Rolle wird das Darknet in zehn Jahren spielen.

Mey hat da verschiedene Theorien: Erste Möglichkeit: Es redet keiner mehr darüber. Zweite Option: Das Darknet bleibt eine Plattform für Nischen. Der Drogenhandel zum Beispiel wandert komplett ins Darknet. Drittens: Das dunkle Netz ist ein einziger Ort des Grauens. Viertens: Das Darknet wird "umarmt", auch Webshops wie zum Beispiel Amazon werden im Darknet ihre Waren anbieten. Schließlich die fünfte Variante: Eine Utopie wird Wirklichkeit, und im Darknet läuft alles friedlich und harmonisch ab. Letzteres jedoch hält Mey für die unwahrscheinlichste Option.

Darknet: Der Vortrag in Friedberg

Die Wirtschaftsjunioren Wetterau laden immer wieder zu Veranstaltungen zu interessanten Themen rund um das Internet ein. Mit dem IT-Forum Teil vier unter dem Titel "Darknet - Widersprüche, Gefahren und Chancen der digitalen Unterwelt" wird die Veranstaltungsreihe am Donnerstag, 17. Oktober 2019, um 19 Uhr in der Stadthalle Friedberg fortgesetzt. Stefan Mey, freier Journalist und Autor des Buches "Darknet: Waffen, Drogen, Whistleblower. Wie die digitale Unterwelt funktioniert", schaut sich diesen widersprüchlichen Ort einmal näher an. Nach einer vereinfachten Einführung in die technologischen Grundlagen wird es darum gehen, wie Handel im Umfeld kompletter Anonymität funktioniert und welche spannenden Werkzeuge digitaler Selbstverteidigung diese Technologie bereitstellt. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Es wird allerdings um Anmeldung bis 17 Uhr per E-Mail an contact@wj-wetterau.de, telefonisch unter 0 60 31/6 09 30 05 oder im Internet über www.wj-wetterau.de gebeten.

(Foto: Tomáš Géring)

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