Die Landwirtschaft trägt zu einem großen Teil zur Nitratbelastung im Wasser bei, kann laut Dr. Michael Peter aber nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden. SYMBOLBILD: DPA/FOTO: ARCHIV
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Die Landwirtschaft trägt zu einem großen Teil zur Nitratbelastung im Wasser bei, kann laut Dr. Michael Peter aber nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden. SYMBOLBILD: DPA/FOTO: ARCHIV

"Es darf nicht pauschal verurteilt werden"

  • vonred Redaktion
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Wetteraukreis(bf). Mitte Juni hatten 66 Brunnenbesitzer Proben ihres Wassers an einem Informationsstand des VSR-Gewässerschutzes in Butzbach testen lassen (WZ von gestern). Ergebnis: Bei jeder dritten Probe sei der zulässige Nitratwert überschritten worden. Die Ursache sieht der Verein in intensiver Landwirtschaft und fordert ein Umdenken in der Agrar-Politik.

Zu dieser These äußerte sich nun Dr. Matthias Peter, Sachverständiger für das Fachgebiet Bodenkunde und Bodenschutz. "Nicht alle Nitratbelastungen kommen aus der Landwirtschaft", sagt Peter. So hätten etwa Gambacher Landwirte die Nitratwerte in den Trinkwasserbrunnen bereits nachhaltig gesenkt. "Die extremen Messwerte des VSR kommen wahrscheinlich aus dem direkten Umfeld der beprobten Brunnen", vermutet der Sachverständiger, "und nicht von den Äckern."

Jeweils lokal zu untersuchen

Bei besagter Untersuchung durch den VSR in Butzbach wurde nach Angaben des Vereins bei einer Probe aus Hoch-Weisel ein stark erhöhter Nitratwert gemessen. Die Rede war von 276 mg/l statt der zulässigen 50 mg/l. Werte wie dieser können laut Peter durchaus im oberflächennahen Grundwasser im Kleingarten oder in der Hofreite vorhanden sein. "Nicht korrekt ist die Schlussfolgerung des VSR, der die Schuld für diese in den privaten Brunnen gemessenen hohen Nitratgehalte allein den in der Region wirtschaftenden Landwirten zuschreibt."

Es sei richtig, dass die Landwirtschaft schon durch ihre große Flächenausdehnung für die Hauptlast der Nitratbelastungen im Grundwasser verantwortlich sei, "allerdings darf hier nicht einfach pauschal verurteilt werden", betont Peter. Es müsse jeweils regional untersucht werden, wo die gemessenen Belastungen im Grundwasser herkommen.

Peter nennt als Beispiel die Trinkwasserbrunnen im Münzenberger Stadtteil Ober-Hörgern. Fast das komplette Einzugsgebiet, in dem das geförderte Grundwasser neu gebildet werde, sei in landwirtschaftlicher Nutzung. "Hier überschritten Ende der 1980er Jahre die Nitratwerte den Grenzwert von 50 mg/l, nachdem sie von Werten über 10 mg/l in den 1970er Jahren so weit angestiegen waren."

Über ein Pilotprojekt des hessischen Umweltministeriums sei durch die Universität Gießen ab 1993 nach den Ursachen des Anstieges geforscht und in Zusammenarbeit mit der Stadt Münzenberg, den Landwirten und dem Ingenieurbüro Schnittstelle Boden aus Ober-Mörlen - für das er tätig ist - eine freiwillige Kooperation zum Schutz des Grundwassers in Ober-Hörgern gegründet worden. "Dies wurde im Januar 1996 auch mit schriftlichen Verträgen zwischen Stadt und jedem Landwirt besiegelt", sagt Peter. Seitdem wirtschafteten die Landwirte hier nach Vorgaben des Gewässerschutzes und würden vom Ingenieurbüro beraten werden. "Mittlerweile liegen die Nitratgehalte in den Brunnen, die ebenfalls nur in einigen Metern Tiefe ihr Wasser fördern, auf einem Niveau knapp über 30 mg/l. Das sind die Belastungen, die die landwirtschaftliche Nutzung zum Beispiel im Bereich Gambach durch langjährige Anstrengungen zum Wasserschutz erreicht hat und für die sie verantwortlich ist."

Der VSR Gewässerschutz weist nach eigenen Angaben für einen Brunnen in Gambach einen Nitratwert von 110 mg/l aus. "Nach dem Beispiel der Trinkwassergewinnung in Ober-Hörgern scheint es nun eher unwahrscheinlich, dass die hohen Werte aus der Landwirtschaft herrühren", sagt Peter. Die wahrscheinlichsten Quellen dieser Messwerte in Garten- und Hofbrunnen seien in der Düngung dieser Gärten und möglicherweise in undichten Jauchegruben unweit von Brunnen in den Höfen zu suchen. "Die Brunnenbesitzer mit diesen hohen Nitratgehalten sollten sich deshalb in jedem Fall Gedanken darüber machen, ob ihre Gartennutzung und dabei vor allem die Düngung reduziert werden muss, um das Brunnenwasser sauberer zu machen", sagt der Sachverständige.

Landwirte noch nicht am Ziel

Dr. Matthias Peters Fazit: "Der VSR-Gewässerschutz sollte in seinen Schuldzuweisungen nicht pauschal alle Landwirte anklagen, sondern auch die Brunnenbesitzer selbst zum Nachdenken anregen". Etwa darüber, wie sie ihren Garten grundwasserschonend bewirtschaften können. Die Landwirte der Region hätten "schon lange" damit begonnen, mit Unterstützung des Landes Hessen, der Kommunen und Wasserschutzberatern ihre Bewirtschaftung immer grundwasserschonender zu gestalten. Peter: "Sie sind noch nicht überall am Ziel angelangt, aber die meisten sind bereits auf dem Weg dahin."

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