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Die Friedberger Stadtkirche ist bis auf montags jeden Tag zu besichtigen. Möglich machen das ehrenamtliche Kirchenöffner.

Damit die Stadtkirche offen bleibt

  • vonHans Wolf
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Friedberg (hw). Für Touristen, die unterwegs gerne Kirchen besichtigen, galt früher die Faustregel »katholische Kirchen sind offen, evangelische zu«. In Süddeutschland waren daher die meisten Kirchen tagsüber zugänglich, in Norddeutschland musste man sich umständlich über Küster oder Pfarramt Zutritt verschaffen. So war es in Friedberg auch, bis sich die engagierte Stadtkirchenpfarrerin Susanne Domnick mit diesem Zustand nicht mehr abfinden wollte.

Die Friedberger Kirche, eine der größten gotischen Kirchenräume Hessens, sollte geöffnet werden. Das war vor mittlerweile 20 Jahren.

Dazu warb die Pfarrerin zusammen mit dem Förderverein Stadtkirche um ehrenamtliche Kirchenöffner, denn ganz unbeaufsichtigt sollte das Gotteshaus nicht offen stehen. Die erste Zusammenkunft von Kirchenöffnern ist für das Jahr 2001 protokolliert. Von den damaligen Ehrenamtlichen sind einige heute noch aktiv. Aber die Zahl ist geschrumpft und der heutige Organisitor des Öffnungsdienstes, Andreas Mehling, muss oft selbst zusätzlich zu seinen eigenen Terminen in die Bresche springen, wenn es krankheitsbedingte Absagen gibt.

Aus diesem Grund hat Pfarrerin Claudia Ginkel die aktuell 22 Kirchenöffner kürzlich zusammengerufen, um ihnen den Dank der Kirchengemeinde für ihren ehrenamtlichen Dienst auszusprechen. Der sonst übliche Ausflug oder der Mitarbeiterempfang können wegen der Pandemie nicht stattfinden. Gleichzeitig sollten die Ehrenamtlichen Gelegenheit bekommen, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und über besondere Erlebnisse zu berichten.

Als erstes genannt wurde die persönliche Erfahrung mit dem Kirchenraum. »Man ist drei Stunden alleine in der Kirche und kann ungestört seinen Gedanken nachgehen und den Raum bei unterschiedlichstem Lichteinfall durch die rundum bunt verglasten Fenster auf sich wirken lassen«, meinte einer. Dann gibt es aber auch die Begegnungen mit den Besuchern: die einen wollen ganz in Ruhe mit sich selbst sein, vielleicht an der Kerzenwand ein Licht entzünden und nur ruhig sitzen und beten; andere wiederum erzählen von ihren persönlichen Erlebnissen in der Kirche, ihrer Konfirmation, Trauung, Taufe der Kinder. »Da wird der steinerne Bau plötzlich mit Leben gefüllt.« Wieder andere suchen nach Informationen über die gotische Kirche und die Geschichten, die in den Fenstern erzählt werden. Dazu kann der Kirchenöffner auf ausliegende Broschüren und Informationsmaterial zurückgreifen und Hilfe anbieten.

Der Öffnungsdienst werde also nie langweilig, hieß es. Man könne in einem gläsernen Pavillon Platz nehmen (im Winter angenehm warm), viele würden lesen, andere ihre Korrespondenz vorbereiten. Es wird von den Öffnern aber auch erwartet, dass sie ein wachsames Auge auf die Besucher haben, damit nichts Wertvolles aus der Kirche entführt wird - »was leider schon geschehen ist«.

Nun hofft man in der Gemeinde auf weitere und vor allem jüngere Kirchenöffner. Dabei spielt es keine Rolle, ob man nur einmal im Monat, wöchentlich oder auch noch öfter den Dienst versehen möchte. Die Kirche ist von Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. An diesen Tagen gibt es zwei Schichten.

Interessenten melden sich bei Andreas Mehling im Friedberger Gemeindebüro, Telefon 0 60 31/9 15 24.

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