Schutz muss sein. Deshalb tragen Lars Koch und seine Mitarbeiter Schutzkleidung, wenn sie Warenkörbe für Kunden in Quarantäne packen. 
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Schutz muss sein. Deshalb tragen Lars Koch und seine Mitarbeiter Schutzkleidung, wenn sie Warenkörbe für Kunden in Quarantäne packen. 

Solidaritätsaktion in Zeiten von Corona

Coronavirus: Einkaufshilfe für Menschen in Quarantäne organisiert

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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In der Not stehen die Menschen zusammen. Der Friedberger Lebensmittelhändler Lars Koch bietet Kunden in Zeiten von Corona einen kostenlosen Lieferservice an. Und er ist damit nicht alleine.

Der Edeka-Händler Lars Koch hat schon den Big Brother-Container beliefert. Filmteams drehten bei ihm für das Marktmagazin "Mex", der Bundestagsabgeordnete Peter heidt saß an der Supermarktkasse und sammelte Spenden für den Hospizverein, und als es im Sommer 2018 brühend heiß war, öffnete Koch sein Kühlhaus für die Kunden. "Zum Durchschnaufen"."

Seine neueste Idee sei kein Werbegag, sagt Koch. Mit seinem 35-köpfigen Team bietet er Quarantäneopfern an, sie mit Lebensmitteln, Toilettenpapier und allen wichtigen Artikeln des täglichen Gebrauchs zu beliefern. 20 000 Artikel hat sein Lebensmittelmarkt im Gewerbegebiet West auf Lager.

"Mir geht es um Solidarität, um das menschliche Miteinander", sagt Koch. Der Lieferservice sei selbst mit einem kleinen Lieferaufschlag nicht kostendeckend. Deshalb gilt: "Der Kunde bezahlt denselben Preis für die Ware wie im Markt." Wie das geht? Einfach anrufen (0 60 31/77 14 45), dann werden die Waren zusammengestellt und zum Kunden gefahren. "Unsere Mitarbeiter tragen Schutzkleidung. Das muss sein. Sie bringen die Waren bis zur Haustür. Die Kunden zahlen in bar." Berührungen sollen vermieden, auf genügend Abstand soll geachtet werden.

Klar: Nicht alle Artikel können geliefert werden. "Toilettenpapier ist derzeit aus." Ein Kunde fragt gerade nach Hefe. "Wir haben als einziger Markt drei Sorten Trockenhefe im Angebot. Aber seit 14 Tagen gibt es keine Hefe mehr."

Die Arbeiter in der Warenlogistik seien derzeit völlig überlastet, erzählt Koch. "Die arbeiten Tag und Nacht. Am Brenner steht eine 40 Kilometer lange Schlange mit Lastern. Da sind die Nudeln drin."

Coronavirus: Uwe Eisenreich macht auch mit

Koch hat Verständnis dafür, dass sich viele Menschen jetzt einen Vorrat anlegen. "Vorratshaltung gab’s über viele Generationen hinweg. Heute kauft man nur für den nächsten Tag ein." Er wertet die "Hamsterkäufe" auch als Rückbesinnung auf alte Zeiten. Dass die Warenbestände mitunter relativ schnell abverkauft sind, sei kein Wunder. "Wenn nur jeder zweite Kunde statt einem Paket Toilettenpapier zwei mitnimmt, ist das Regal schnell leer." Der Lieferservice sei "ein Akt der Solidarität, der Mitmenschlichkeit", sagt Koch. Er hofft, "dass andere Händler diesem Beispiel folgen" und "ein positives Zeichen in der Not setzen, damit wir die Krise gemeinsam bewältigen".

Ein erster Friedberger Einzelhändler hat gestern bereits zugesagt. Uwe Eisenreich, Inhaber des "Schuhwerks" auf der Kaiserstraße 118, war 1984 und 1988 Bobfahrer bei den Olympischen Spielen. Er war schon immer einer der Schnellsten unter den Schuhhändlern und findet Kochs Idee gut. "Da mache ich mit. Wer mich unter der Telefonnummer 0152/54 23 18 62 anruft, den besuche ich mit fünf Paar Schuhen." Was Eisenreich brennend interessiert: "Wenn Du zum Lars Koch fährst, schau mal nach, ob er jemanden von der Sommeraktion im Kühlhaus vergessen hat." Auftrag erledigt: Keiner wurde vergessen, alle sind wohlauf - soweit man dies in Zeiten des Coronavirus behaupten kann.

Coronavirus: "Einkaufshelden" gesucht

"Gemeinsam gegen das Corona-Virus": Unter diesem Motto ruft die Junge Union Wetterau zur Teilnahme an der Aktion "Einkaufshelden" auf. Ziel: Alten und schwachen Menschen in Zeiten des Coronavirus den Alltag erleichtern. "Wer helfen möchte, kann sich online unter www.die-einkaufshelden.de als ›Held‹ oder ›Heldin‹ registrieren", erklärt die JU-Kreisvorsitzende Tatjana Cyrulnikov. Auch Menschen, die Hilfe suchen, können sich dort eintragen: Die Junge Union vermittelt dann Helden aus der jeweiligen Gegend, die den Betroffenen unter die Arme greifen. "Besonders ältere und kranke Menschen müssen sich so gut wie möglich schützen. Leider gehört dazu auch, öffentliche Bereiche zu meiden. Das erschwert ihren Alltag massiv", sagt JU-Kreisvorstandsmitglied Jens Escher. "Deshalb rufen wir alle jungen und gesunden Menschen dazu auf, bei der Aktion ›Einkaufshelden‹ mitzumachen." Der Zusammenhalt in Deutschland sei jetzt wichtiger denn je.

Coronavirus: Hilfe in Wöllstadt und in Bad Nauheim

Das sehen die katholischen Pfarreien St. Stefanus und St. Paulus in Wöllstadt genauso. "Wöllstadt hilft" lautet die Parole. Wie Pfarrer Norbert Braun mitteilt, will man "alle Menschen in Wöllstadt unterstützen, die jetzt Hilfe, Unterstützung oder Zuspruch benötigen." Das kann Hilfe beim Einkaufen sein oder bei der Vermeidung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Braun: "Fragen Sie uns, wir versuchen zu helfen." Die Kirchengemeinden sind erreichbar unter Telefon 0 60 34/5 09 96 26.

Gerade ältere Menschen und Angehörige von Risikogruppen müssen vor dem Corona-Virus geschützt werden. Deshalb schließen sich in Bad Nauheim in Abstimmung mit der Stadtverwaltung Vertreter unterschiedlicher Gruppen und Organisationen zu einem Koordinationskreis "Einkaufshilfe Bad Nauheim" zusammen. Die Einkaufshilfe wird ehrenamtlich tätig sein und soll zum Wochenende (Freitag/Samstag) ihre Dienste aufnehmen. Geplant ist, pro hilfebedürftiger Person ein- bis höchstens zweimal wöchentlich Güter des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel) in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen. Die Übergabe gegen direkte Bezahlung soll an der Haustür erfolgen. Die Vermittlung übernimmt der Koordinationskreis. "Von der Koordination in einem größeren Rahmen erhoffen wir uns größtmögliche Effizienz", erklärt Hedwig Rohde für den Koordinationskreis. Die Initiatoren suchen nun Mitstreiter. Wer helfen will, sollte in den vergangenen Wochen nicht in einem der Risikogebiete gewesen und nicht mit einem in Quarantäne befindlichen Menschen in Kontakt gekommen sein. Melden kann man sich unter der Telefonnummer 01 71/9 16 17 24 oder per E-Mail unter hedwig.rohde@t-online.de.

Auch Wetterauer Sportvereine sind nicht untätig. Etwa der TV Petterweil und die Wetterau Bulls bieten Hilfe für Betroffene an. 

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