Die Kassenärztliche Vereinigung hat in Hessen sogenannte Corona-Testcenter eingerichtet. Getestet wird nur, wer auf ärztliche Anweisung dorthin geschickt wird. Auskünfte über die Standorte gibt die KV aber nicht - um zu verhindern, dass Patienten kommen, die nicht von einem Arzt geschickt worden sind. In Lich allerdings, wo sich schnell herumgesprochen hat, dass es ein Testcenter gibt, bilden sich täglich Schlangen. 
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Die Kassenärztliche Vereinigung hat in Hessen sogenannte Corona-Testcenter eingerichtet. Getestet wird nur, wer auf ärztliche Anweisung dorthin geschickt wird. Auskünfte über die Standorte gibt die KV aber nicht - um zu verhindern, dass Patienten kommen, die nicht von einem Arzt geschickt worden sind. In Lich allerdings, wo sich schnell herumgesprochen hat, dass es ein Testcenter gibt, bilden sich täglich Schlangen. 

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Coronavirus: Verunsicherung in der Wetterau - Landesregierung äußert sich zu Corona-Tests

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Wer keine "ernsthaften Symptome" hat, wird nicht auf das Coronavirus getestet. So hat es der Wetteraukreis vermeldet. Zuerst hatte die Nachricht für Verunsicherung gesorgt. Nun äußert sich die Landesregierung.

  • Wetteraukreis vermeldet keine Tests mehr zu machen
  • Landesregierung äußert sich
  • Mehr bestätigte Corona-Fälle in der Wetterau

Update, 18.3.2020, 11.58 Uhr: Wer keine "ernsthaften Symptome" hat, wird nicht auf das Coronavirus getestet. So hat es der Wetteraukreis vermeldet. Zuerst hatte die Nachricht für Verunsicherung gesorgt, weil unklar war, wer getestet wird und wer nicht. Nun hat sich auch das Land eingeschaltet, um für Klarstellung zu sorgen: Tests werden bei begründetem Verdacht einer Infektion und bei Menschen mit Krankenhaussymptomen durchgeführt.

Anders als zunächst vermeldet, wird der Wetteraukreis doch weiter Tests auf Corona durchführen. Das hat die Hessische Landesregierung nun klargestellt. Sie weist darauf hin, dass auch im Wetteraukreis nach wie vor Tests nach den bekannten Richtlinien des Robert Koch-Instituts auf das Corona-Virus durchgeführt werden. 

Bei Bürger, bei denen der begründete Verdacht auf eine Infektion besteht und die Krankheitssymptome haben, wird wie bisher auch eine Testung veranlasst. Dies hat der Leiter des Gesundheitsamtes zugesichert. 

In den Teststellen der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es die Vorgabe, dass festgestellte Risikopersonen, die über das örtliche Gesundheitsamt, Hausärzte oder über die Nummer 116 117 kommen, getestet werden.

Erstmeldung, 17.3.2020, 18.26 Uhr: Der Wetteraukreis hat bereits in einer Pressemitteilung verkündet, dass keine Tests auf Coronavirus mehr durchgeführt werden. Nun hat die Wetterauer Zeitung beim Wetteraukreis nachgefragt - und auch erfahren, dass es mehr bestätigte Fälle gibt, als bisher angenommen.

Der Grund dafür, dass nicht jeder Verdachtspatient getestet wird: "Um die begrenzten Kapazitäten der Labore nicht zu überlasten, aber auch um Bestände an Schutzmaterial zu strecken", sagt Wetteraukreis-Pressesprecher Michael Elsaß.

Für Verdachtspatienten - etwa Personen, die Kontakt zu bestätigten Fällen hatten oder aus "Risikogebieten" kommen - bedeutet das: "Sie bleiben zu Hause." Das Virus werde in den allermeisten Fällen ohnehin als harmloser grippaler Infekt ablaufen. Auch wer Symptome habe, solle zu Hause bleiben. "Die Testung macht hier keinen Sinn mehr, da sie keine medizinische Konsequenz hat."

Dieses Vorgehen solle nun in allen Landkreisen Hessens Standard werden. Dass die Kreise keine Tests bei konkreten Verdachtsfällen durchführen, wird sich auf die Statistik zum Coronavirus auswirken. Dazu sagt Elsaß: "Die Statistik spielt jetzt keine so große Rolle mehr, wichtiger ist die Vorsorge und die Versorgung der Patienten."

Coronavirus Wetterau: Testcenter überlastet

Denn die Mengen an Testungen beanspruchten medizinisches Personal sowie Ressourcen, die an anderer Stelle notwendig gebraucht würden.

Das bestätigt auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die in Hessen Corona-Testcenter betreibt. Vonseiten der KV hieß es gestern: Die Testcenter für Coronavirus-Abstriche in Hessen sind überlastet. Zwar baue die KV die Kapazitäten weiter aus, aber der Engpass seien die Labore. So bilden sich, wie beispielsweise gestern am Corona-Testcenter des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes Hessen in Frankfurt, allmorgendlich lange Schlangen. Einen Test darf daher nur machen lassen, wer auf ärztliche Anweisung dorthin geschickt wird.

Am Nachmittag und am Wochenende sind die Testcenter in Betrieb. Schon vergangene Woche hatte die KV von einer "Vervierfachung des Anrufvolumens" berichtet. Das sei mit einem durch die saisonale Influenza dezimierten Mitarbeiterstand "nicht mehr zu bewältigen".

Alexander Kowalski von der KV-Pressestelle sagt: "Personen, die glauben, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, können sich telefonisch unter der Rufnummer 116 117 melden" - der ärztliche Bereitschaftsdienst. Dort werde nach Kriterien des Robert-Koch-Instituts zunächst ermittelt, ob es sich um einen begründeten Verdachtsfall handele. "Ist das so, werden die Personen in das nächstgelegene Corona-Testcenter bestellt, wo dann ein entsprechender Test durchgeführt wird." Das Testergebnis werde in der Regel innerhalb von 24 Stunden mitgeteilt.

Coronavirus Wetterau: Zehn Testcenter in Hessen

In Hessen gibt es laut KV zurzeit zehn Testcenter. Darüber, wo sich diese befinden, gibt es jedoch keine öffentliche Auskunft: "Um lange Warteschlangen - auch verursacht durch Patientinnen und Patienten, die keine medizinische Indikation für einen Test haben, aber dennoch die Testcenter aufsuchen - möglichst zu verhindern, werden die Standorte der Testcenter nicht kommuniziert."

Was die Situation im Wetteraukreis angeht, sagt Pressesprecher Elsaß: Getestet wird "jeder am Übergang in die stationäre Behandlung, sofern er die entsprechenden Symptome aufweist". Anders als bei den Reihentests sei so die Anzahl der Getesteten, die letztlich aber nicht infiziert seien, geringer. Die Wetterauer Tests würden in den Uni-Laboren in Frankfurt und Marburg sowie im Landeslabor in Dillenburg ausgewertet.

Im rund 300 000 Einwohner zählenden Wetteraukreis gebe es derzeit 15 bestätigte Corona-Fälle, sagt Elsaß.

Eine weitere Begründung für den Appell, zu Hause zu bleiben, wenn man Symptome hat oder sich krank fühlt, ist laut Kreis auch: Medizinisches Personal werde "an anderer Stelle notwendig gebraucht". Elsaß sagt dazu: "Die Hausärzte sind überlastet, im Gesundheitsamt beschäftigten wir uns mit hunderten Anrufen täglich."

Die Innenstädte in der Wetterau und auch die Schulen sind inzwischen gespenstisch leer. Die Einzelhändler kämpfen um das wirtschaftliche Überleben. In der Wetterau ruft das DRK inzwischen zu Blutspenden auf, um die Versorgung sicherzustellen.

sda/mmf

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