In der Wetterau gibt es den ersten bestätigten Coronavirus-Fall. Der Ockstädter Hausarzt Dr. Wolfgang Pilz schlägt Alarm.
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In der Wetterau gibt es den ersten bestätigten Coronavirus-Fall. Der Ockstädter Hausarzt Dr. Wolfgang Pilz schlägt Alarm.

Kritik

Coronavirus: Arzt fordert Schulen und Kitas zu schließen

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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In der Wetterau gibt es den ersten bestätigten Coronavirus-Fall. Der Ockstädter Hausarzt Dr. Wolfgang Pilz schlägt Alarm - und fordert Schulen und Kitas zu schließen.

»Wenn Sie mich fragen, kann es gar nicht radikal genug sein« – der Ockstädter Hausarzt Dr. Wolfgang Pilz schlägt Alarm. Er habe sich innerhalb des Bezirks Wetterau im Hessischen Hausärzteverband abgesprochen, sagte er am Donnerstagnachmittag. Mit dem Ergebnis, dass nach Ansicht von Pilz alle Schulen und Kitas im Wetteraukreis geschlossen werden müssten. Und zwar schnell. Deutschland liege bei Corona nur 10 bis 14 Tage hinter Italien zurück. Der Virus zeige in exponentielles Wachstum. Innerhalb von sechs bis sieben Tagen verdopple sich die Zahl der Infizierten. 

Das Problem sei, dass junge Leute das Virus umhertragen würden, ohne schwer zu erkranken, es aber dennoch schwerwiegende Folgen habe: »Diese Kinder können das Virus insbesondere zu ihren Großeltern tragen. Das ist unsere ganz große Sorge.« In Deutschland gebe es 400 Gesundheitsämter und damit unterschiedliche Herangehensweisen. Der Hausärzteverband mache sich da extreme Sorgen, dass nicht schnell genug ausreichende Maßnahmen ergriffen würden. »Ich finde das als einen nationalen Notstand, was ich am Horizont sehe«, sagte Pilz. 

Coronavirus: Hausarzt kritisiert deutsches Gesundheitssystem

Zum ersten nachgewiesenen Corona-Fall in der Wetterau äußerte sich der Hausarzt ebenfalls: Womöglich gebe es schon weitere Erkrankte in der Region. »Es ist zu vermuten, dass der eine oder andere schon da ist, von dem wir es aber nicht wissen.« Oder man könne die Kette menschlicher Interaktionen nicht mehr nachvollziehen. Alleine etwa zehn Patienten aus seiner Praxis befänden sich unter häuslicher Beobachtung.

Pilz sieht das deutsche Gesundheitssystem nicht gut vorbereitet. Der Vorrat an Materialien wie Mundschutz und Desinfektionsmittel sei knapp. »Das einzige, was uns helfen wird, ist, wenn wir sehr konsequent sehr weitreichende Maßnahmen ergreifen.«

Coronavirus: Großveranstaltungen bis 10. April verboten

Mehr als 1000 Menschen dürfen sich in der Wetterau bis zum 10. April nicht mehr bei ein und derselben Veranstaltung aufhalten. Nachdem am Donnerstag das Hessische Sozialministerium diese Maßgabe herausgegeben hatte, blies kurz darauf der Wetteraukreis ins gleiche Horn. Er packte das Verbot, das am 13. März um 8 Uhr in Kraft tritt, in eine »Allgemeinverfügung«. Darin heißt es: »Die Durchführung von öffentlichen und privaten Veranstaltungen mit mehr als 1000 zeitgleich zu erwartenden Teilnehmenden, mit Ausnahme des Besuchs von Bildungseinrichtungen, im Gebiet des Wetteraukreises wird untersagt.« Verstöße seien strafbar. Das Verbot diene insbesondere dem Zweck, eine Ausbreitung von COVID-19 zeitlich und räumlich zu verlangsamen und in der gegenwärtigen Lage insbesondere von der noch anhaltenden Influenzawelle zu entkoppeln. 

Noch am Vormittag war die Lage eine andere. Da hatte sich Landrat Jan Weckler mit Bürgermeistern in Friedberg getroffen, um sich hinsichtlich Corona zu beratschlagen. Herbert Unger, Sprecher der Wetterauer Bürgermeister und Verwaltungschef in Florstadt, sagte der WZ noch: »Wir haben keinen Einfluss auf Privatveranstaltungen und können da nur Empfehlungen abgeben.« Bei öffentlichen Terminen oder solchen in kommunalen Gebäuden sehe das anders aus. »Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister waren sich einig, Veranstaltungen mit einem systemrelevanten Personenkreis in ihrem eigenen Verantwortungsbereich vorsorglich abzusagen«, teilte der Landkreis mit. Wenige Stunden später dann die klare Ansage. 

Coronavirus: Schulen und Kitas bleiben geöffnet

Allerdings galt – Stand Donnerstag – , dass Kitas und Schulen nicht flächendeckend geschlossen werden. Die Kreis-Pressestelle begründete dies wie folgt: Es gehe um zehntausende zu betreuende Kinder. Deren Eltern seien Pflegerin, Hebamme Arzt, Verkäuferin und so weiter. Sie alle würden im Falle einer Schließung sämtlicher Schulen und Kitas ausfallen, weil sie ihre Kinder betreuen müssten.

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