+

Corona würfelt alles durcheinander

  • vonRedaktion
    schließen

Wetteraukreis (pm). Alles ist anders für viele der 360 Angestellten der Behindertenhilfe Wetteraukreis (bhw). Corona hat die Arbeitsplätze durcheinandergewürfelt - und das habe vor allem etwas Gutes, teilt das Unternehmen mit.

Den Beschäftigten werde viel abverlangt: neue Einsatzorte, andere Arbeitszeiten. Jeder müsse extrem flexibel sein, heißt es in einer Pressemitteilung. Der organisatorische Aufwand sei enorm: Es würden Personallisten geführt und täglich aktualisiert. Bereichsleiter Andreas Grau »jongliert« und schicke die Angestellten dorthin, wo sie aktuell am meisten gebraucht würden. Seit die Recyclinghöfe wieder geöffnet sind, sei das beispielsweise die Elektroaltgeräte-Werkstatt der bhw in Stockheim. »So viele alte Elektrogeräte wie jetzt standen noch nie auf dem Hof. Täglich werden 15 bis 18 Tonnen angeliefert.« Ohne die Mitarbeiter mit Behinderung, die hier eigentlich tagtäglich Computer, Kühlgeräte, Toaster und Co. auseinanderbauen, sind nur wenige Gruppenleiter und Helfer im Einsatz. Deshalb helfen bhw-Angestellte aus dem ganzen Wetteraukreis in Stockheim mit.

Auch in den Reichelsheimer Werkstätten werden die Kollegen gebraucht. Hier werden zum Beispiel Akten vernichtet, oder es wird Brot und Besteck für Krankenhäuser verpackt. Normalerweise arbeitet Britta Schmidt-Bär in der Kita Sonnenschein in Friedberg. Jetzt sortiert sie kistenweise Löffel, Gabeln und Messer. Es ist warm, der Mundschutz unangenehm, die Arbeit nicht besonders fordernd. »Wir machen das Beste daraus. Jetzt ist es notwendig, dass wir hier unterstützen«, meint sie.

So sähen das auch die Beschäftigten aus den Tagesförderstätten, von denen zurzeit viele in den Wohneinrichtungen arbeiteten. Jennifer Hruschka (sonst Merkenfritz), Samantha Ilenser und Birgit Müller (sonst Ockstadt) sind derzeit in der Wohneinrichtung in Bad Salzhausen im Einsatz. »Die Arbeit im Wohnbereich ist eine ganz andere. Aber tagesstrukturierende Maßnahmen sind hier zurzeit für die Bewohner sehr wichtig. Wir helfen ihnen, sich den ganzen Tag zu beschäftigen«, sagt Ilenser.

Berenika Vasilukova, Marius Kurz und Niko Becker aus der Tagesförderstätte in Ockstadt sind derzeit im Prinzengarten in Gedern eingesetzt. Becker findet es spannend, nun auch einen Einblick in das Privatleben der Klienten zu erhalten. Für Vasilukova ist der Arbeitsweg nun sehr weit, aber sie fühlt sich wohl. »Die Kollegen haben sich sehr dafür eingesetzt, dass ich weiterhin hier arbeite. Das hat mich wirklich berührt«, betont sie.

Viele, die jetzt an anderen Orten arbeiteten, die Arbeitsabläufe in anderen Bereichen mitmachten, würden die bhw ganz neu erleben, sagt Geschäftsführerin Eva Reichert. Auch sie erlebe die bhw aus einem neuen Blickwinkel. Sie danke allen Angestellten dafür, dass sie in der momentanen Situation bereit seien, von den üblichen Wegen abzuweichen, sich gegenseitig zu unterstützen und dadurch das Unternehmen langfristig sichern. Kurzarbeit sei bislang vermieden worden, man habe alle durch die Corona-Krise frei gewordenen Personalkapazitäten an anderer Stelle auffangen können. Sie hofft, dass das Betretungsverbot bald wieder gelockert wird und die Mitarbeiter zurück zur Normalität kehren können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare