Erschwerte Lernbedingungen - doch insgesamt kommen die Schülerinnen und Schüler mit der Maskenpflicht relativ gut zurecht. SYMBOLFOTO: DPA
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Erschwerte Lernbedingungen - doch insgesamt kommen die Schülerinnen und Schüler mit der Maskenpflicht relativ gut zurecht. SYMBOLFOTO: DPA

Eltern kritisch

Corona an Wetterauer Schulen: Zwischen Akzeptanz und Kritik

  • vonHedwig Rohde
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Im Fokus der Pandemiedebatten stehen häufig die Schulen. Dort hat man nach Ansicht von drei Wetterauer Schulleitern die Sache im Griff und stuft das Infektionsrisiko eher gering ein. Eltern sehen dies etwas kritischer.

Manuela Giar, stellvertretende Schulleiterin des Burggymnasiums Friedberg, schätzt sich glücklich, dass die meisten Corona-Verdachtsfälle in der Schülerschaft während der Ferien auftraten. Seit den Herbstferien gab es drei Fälle. Die Schule hält sich strikt an die Vorgaben des Gesundheitsamts und des Staatlichen Schulamts, wonach die unmittelbaren Sitznachbarn positiv getesteter Schüler in Quarantäne müssen. Probleme mit der Maskenpflicht gibt es nach ihrer Einschätzung kaum. "Die Schülerinnen und Schüler kommen gerne in die Schule und wollen, dass es so bleibt", betont sie. "Wir sind bisher mit einem blauen Auge davongekommen", beurteilt Giar die Situation an der "Burg".

Drei positiv getestete Schüler in den letzten vier Wochen verzeichnete auch das Georg-Büchner-Gymnasium Bad Vilbel unter seiner 1300-köpfigen Schülerschaft. Gegebenenfalls in Quarantäne geschickt werden hier zusätzlich diejenigen, die - beispielsweise beim Essen oder Sport - engere Kontakte ohne Maske hatten. Schulleiter Carsten Treber bewertet die Quarantäneregelung prinzipiell als ausreichend und verweist auf das auch von Experten attestierte sehr geringe Infektionsrisiko in den Bildungseinrichtungen. Wer in Quarantäne ist, kann über das Schulportal Hessen weiterlernen; dort können Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler Aufgaben, Fragen und Feedback austauschen. Da die Plattform, auf die sukzessive alle Schulen des Wetteraukreises umstellen werden, noch keine Videokonferenzen ermöglicht, nutzt die Schule mit Einwilligung der Eltern dafür derzeit die Software "Zoom". "Manche Lehrer schalten dann in Quarantäne befindliche Schüler auch in den Unterricht zu", erläutert Treber.

An der Singbergschule Wölfersheim hatte Schulleiter Olaf Bogusch seit den Herbstferien ebenfalls mit drei positiv getesteten Schülern zu tun. "Glücklicherweise sind bei uns nur wenige betroffen. Im Vergleich zu anderen Landkreisen wie Gießen liegen wir mit unseren Zahlen total gut im Rennen", zeigt er sich erleichtert. Er sieht darin einen Beleg, dafür, dass die Infektionen nicht in dem zunächst befürchteten Maß in die Schulen hineingetragen werden. Trotzdem bleibt für ihn der Umgang mit der Pandemie "ein anstrengendes Geschäft". Bei 1400 Schülerinnen und Schülern sei es aufgrund der räumlichen Enge schwierig, Abstandsregeln einzuhalten. "Hinsichtlich des Abstands steht bei uns in der Schule alles im Widerspruch zu dem, was außerhalb der Schule umgesetzt werden muss", sagt Bogusch.

Abhängigkeiten wie Busfahrpläne oder der komplexe Kurs-unterricht der Oberstufe verhinderten die Umsetzung gut(gemeint)er Vorschläge wie versetzten Unterrichtsbeginn oder versetzte Pausen.

"Uns Eltern fehlt es oft an Verständnis dafür, dass die Politiker, die Schulen sonst gerne bei jeder Kleinigkeit reinregieren, in Corona-Zeiten nahezu alle Verantwortung auf Schulleiter delegieren", sagt Carolin Pascal, Vorsitzende des Schulelternbeirats an der Ernst-Ludwig-Schule Bad Nauheim. Den bevorstehenden Wechselbetrieb beurteilt nach ihren Angaben ein Großteil der Elternschaft skeptisch, da schulische Sozialkontakte für die pädagogische und psychologische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen lebensrelevant seien. Dank der fortschreitenden Digitalisierung sei die Schule auf den Wechselbetrieb gut vorbereitet, "aber ein höheres Tempo mit besserer Struktur und besserem Konzept würden wir uns wünschen".

Kritische Empfehlung

Einer Verschärfung des Chancengefälles in der Bildung durch den Wechsel zwischen Heim- und Präsenzunterricht wirke die Schule weitestmöglich entgegen, doch auch hier sei die fehlende Ausstattung meist der begrenzende Faktor. Kritisch sieht Pascal auch die Empfehlung, Kinder und Jugendliche sollten in der Freizeit nur noch einen festen Freund treffen: "Stellt man sich das in der Realität vor, entsteht ein soziales Ranking: ›Nur DU bist mein (Corona)-Freund‹", moniert die Schulelternbeiratsvorsitzende. So etwas sei für jüngere Kinder schwer zu akzeptieren.

Maskenpflicht auch im Unterricht

Seit den Herbstferien gilt in Hessen eine allgemeine Maskenpflicht auf dem Schulgelände für alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 auch im Unterricht. Wird jemand positiv auf Corona getestet, werden die unmittelbaren Sitznachbarn ebenfalls für zwei Wochen in Quarantäne geschickt.

Seit der Verschärfung der Bestimmungen wird empfohlen, dass Kinder und Jugendliche sich in ihrer Freizeit nur mit einem festen Freund bzw. einer festen Freundin treffen sollten

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