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Orthopäde Marco Kettrukat will nun Videosprechstunden anbieten. Die aktuelle Situation erfordere das, sagt er. Gerade für Patienten, die wegen des Verdachts auf Coronavirus in Quarantäne sind, sei dies eine gute Möglichkeit, mit dem Arzt in Kontakt zu treten. 

Arzt auf dem Display

Corona: Wetterauer Orthopäde bietet Sprechstunde per Videoübertragung an

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Was ist, wenn jemand Schmerzen hat, aber nicht zum Arzt gehen kann? Diese Frage hat sich der Wetterauer Orthopäde Marco Kettrukat gestellt - und eine Lösung gefunden.

Es ist eine Notlösung. "Aber besser als gar keine Lösung", sagt Marco Kettrukat. Vor knapp einer Woche hatte der in Bad Nauheim und Wetzlar praktizierende Orthopäde eine Idee - aus der aktuellen Situation geboren: "Viele Patienten können zurzeit nicht in die Praxis kommen." Zum Beispiel weil sie Coronavirus-Risikopatienten sind, die das Haus wegen der Ansteckungsgefahr nicht verlassen sollen. Oder weil sie in Quarantäne sind. "Was ist mit diesen Patienten, wenn sie Schmerzen haben? Sie können nicht zum Arzt, es kommt aber auch kein Arzt zu ihnen, weil es für die niedergelassenen Ärzte keine Schutzausrüstung gibt."

Diese Frage gab für ihn den Ausschlag, sich in das Thema Videosprechstunde einzuarbeiten. Keine ganz neue Erfindung, die Möglichkeit gibt es schon länger, nun ist sie jedoch aktueller denn je, sagt Kettrukat.

Das System ist recht einfach: Termine zu den Sprechzeiten gibt es nach wie vor, ebenso eine ärztliche Untersuchung. Der Unterschied: Beide, Arzt und Patient, sitzen vor einem Bildschirm oder Display (entweder Handy, Tablet oder Computer). Sobald der Arzt den Patienten anruft, wird dieser in die virtuelle Praxis geschaltet. Die Sprechstunde beginnt.

Corona: Per Ferndiagnose beurteilen

Die ersten Versuche haben gut funktioniert. Eine Patientin, deren Knie Kettrukat vor ein paar Wochen operiert hat, ist zurzeit in Quarantäne. Das Haus darf und kann sie nicht verlassen, dennoch braucht sie ein Rezept und eine Krankmeldung, zudem will der Arzt sehen, wie sich das Knie entwickelt. Zur vereinbarten Zeit beginnt die Videosprechstunde: Der Arzt sitzt am Tisch vor seinem Tablet, die Patientin zu Hause mit dem Handy in der Hand. Kettrukat bittet sie, die Handykamera auf ihr Knie zu richten und ihr Bein zu bewegen. So kann er per Ferndiagnose beurteilen, wie weit der Heilungsprozess fortgeschritten ist. Klar kann eine Videosprechstunde keine körperliche Untersuchung ersetzen, sagt der Orthopäde. "Zumal ich ein Arzt bin, der sagt, man muss den Patienten anfassen." Dennoch: Es sei ein guter Weg, um erste Hilfe zu leisten, um Patienten "anzubehandeln", wie Kettrukat es nennt - gerade wenn es darum geht, ein Rezept auszustellen oder Beschwerden einzuordnen. "Wenn ich zum Beispiel bei einer Knieentzündung sehe, dass das Knie knallrot und geschwollen ist, kann ich immer noch sagen: Kommen Sie sofort in die Praxis."

Grundsätzlich, sagt Kettrukt, ist die Videosprechstunde ein Modell für jede Praxis. Er selbst sei auf die Idee gekommen, als er kürzlich Notdienst beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst hatte. In der Regel rufen dort Menschen außerhalb der Praxis-Öffnungszeiten an. Zurzeit allerdings, das hat Kettrukat in seinem Dienst gemerkt, sind die Leitungen voll wegen des Coronavirus. "Die Wartezeit: drei Stunden."

Viele Patienten - deren Anliegen nichts mit Corona zu tun habe - würden daher gar nicht versorgt. Zumal auch viele Praxen geschlossen haben. So kam er auf die Videosprechstunde, arbeitete sich ein und stellte einen Genehmigungsantrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

Was die technische Umsetzung angehe, gebe es diverse zugelassene Anbieter. Denn wegen des Datenschutzes kann ein Arzt nicht jede Video-Chat-Funktion (etwa Skype oder WhatsApp Video) nutzen. Zudem müsse der Patient aus Datenschutzgründen seine Identität bestätigen - also Krankenkärtchen in die Kamera halten und belegen, dass er die Person ist, deren Name darauf steht.

Corona: Probleme mit der Internetverbindung

Bisher sei es noch so, dass ein Arzt maximal 20 Prozent seiner Patienten über eine Videosprechstunde therapieren darf; diese Regelung solle aber ab 1. April gelockert werden.

Das größte Hindernis für eine funktionierende Videosprechstunde sieht Kettrukat allerdings in der Internetqualität: "Es kommt schon mal vor, dass die Verbindung abbricht." Seiner Meinung nach wäre es daher sinnvoll, wenn Ärzte in der aktuellen Situation für einige Woche Zugang zum 5-G-Netz zur Verfügung gestellt bekämen.

Dann könne die Videosprechstunde ein Modell sein, um vielen Patienten zu helfen: "Es ist ein Einstieg. Wie mit einem platten Fahrradreifen, den man mit Flickspray flickt: Keine Dauerlösung, aber man kommt erst einmal vom Fleck."

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