Der Recyclinghof Bad Nauheim/Friedberg ist geschlossen. Wie alle in der Wetterau.
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Der Recyclinghof Bad Nauheim/Friedberg ist geschlossen. Wie alle in der Wetterau.

Volle Tonnen

Corona Wetterau: Wohin mit dem Müll, wenn die Recyclinghöfe geschlossen sind?

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
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Alle zehn Recyclinghöfe in der Wetterau sind geschlossen. Wäre das wirklich nötig gewesen? Und wohin nun mit dem ganzen Unrat vom großen Corona-Frühjahrsputz?

Derzeit haben jede Menge Wetterauer sehr viel Zeit, um ihre Keller und Dachböden auszumisten. Vieles lässt sich verschenken, anderes wandert in die Mülltonne. Ist die voll, bliebe sonst der Recyclinghof. Doch die Wertstoffabgabestellen in Friedberg, Rosbach, Karben, Echzell, Niddatal, Büdingen, Butzbach, Gedern, Nidda und Ortenberg sind seit zwei Wochen zu.

Es wäre kaum möglich gewesen, die Abstandsregeln zum Schutz der Mitarbeiter einhalten zu können, sagt Uwe Schmittberger, stellvertretender Betriebsleiter beim Wetterauer Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB). Das Bezahlen wäre kontaktlos vielleicht noch möglich gewesen, aber »sie müssen nah ans Auto, um die Anlieferung zu kontrollieren, und mit dem Fahrer sprechen«, erklärt er. Denn oft wüssten die Kunden selbst nicht, in welche Container ihre Ladung gehört. »Da liegen kaputte Holzlatten zwischen dem Grünzeug oder die gelben Säcke sind voller Restmüll, den wir gar nicht annehmen.«

Und was ist mit der Idee, dass Kunden erst nach telefonischer Anmeldung vorbeikommen können? »Würde nicht funktionieren«, weiß Schmittberger. So gut ließe sich das nicht timen, es würde sich sofort eine lange Schlange bilden. »Und wenn die Leute mitbekommen, dass wir noch annehmen, rennen sie uns die Bude ein.« Schmittberger verweist auf Beispiele aus Seligenstadt oder Rodgau, wo sich vor den zuletzt noch geöffneten Wertstoffhöfen Schlangen mit 100 Fahrzeugen gebildet hätten. Dort sei das Personal zum Teil wüst beschimpft worden.

Recyclinghöfe Wetterau geschlossen: Einfach hinlegen wird teuer

Generell bemerkt der langjährige AWB-Mitarbeiter einen gewissen Werteverfall bei Teilen seiner potenziellen Kundschaft. Manch einem Unternehmer sei es zu teuer, einen Container zu bestellen - und manches landet eben in Wald und auf Wiesen. Derzeit offenbar vermehrt, wie ihm die Kommunen zurückmelden würden. Aber: »Illegale Ablagerungen gab es schon immer«, weiß Schmittberger. Zumindest werde selten etwas vor die Höfe gelegt. Die Strafen dafür wären auch saftig.

Wohin also mit dem Zeug? Der alte Toaster und die Holzlatten können ruhig noch ein paar Wochen im Keller auf die Entsorgung warten. Schmittberger rät den Kommunen aber dazu, mehr Sperrmülltermine (eigentlich alle vier Wochen) anzubieten. Die zuständige Firma Weisgerber, die auch gelbe Säcke und Altglas abholt, habe derzeit - trotz erhöhtem Krankenstand - mehr Kapazitäten, weil sie die Container der Recyclinghöfe nicht mehr abholen müsse.

Grünschnitt, der nicht in die Biotonne passt, könne in manchen Kommunen in unbeschichteten, offenen Pappkartons neben die Tonne gestellt werden, etwa in Bad Nauheim. In anderen wird nur der Inhalt der Tonne mitgenommen. Im Zweifel, sollte man in den jeweiligen Rathäusern anrufen.

Aus der Erfahrung weiß Schmittberger, dass die Abholdienste recht kulant reagieren, wenn auch mal ein paar Kartonagen der letzten Online-Bestellung gefaltet hinter der Altpapiertonne klemmen. Man sollte es nur nicht überstrapazieren.

Wann die Recyclinghöfe wieder öffnen können, ist unklar. Aber wenn, ist sich Schmittberger sicher, »dann werden wir überrollt«.

Recyclinghöfe Wetterau geschlossen: Waldbrandgefahr

Im Humus- und Erdenwerk in Ilbenstadt ist es wegen der Corona-Pandemie derzeit ebenfalls nicht möglich, seinen Grünschnitt anzuliefern. Wer abgeschnittene Äste und Sträucher verbrennt, sollte besonders vorsichtig sein. Die Gefährdungslage für Graslandfeuer und auch Waldbrände ist laut Experten immer noch als kritisch anzusehen. Auch das Schadstoffmobil, an dem Bürger gefährliche Abfälle abgeben können, fährt derzeit nicht. Sollten in den privaten Haushaltungen besonders kritische Abfälle akut angefallen sein, kann die weitere Vorgehensweise mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb unter Tel. 0 60 31/9 06 60 abgeklärt werden.

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