Obwohl der Bad Nauheimer Wochenmarkt im Freien abgehalten wird, muss auch hier Mund-Nasen-Schutz getragen werden. 
+
Obwohl der Bad Nauheimer Wochenmarkt im Freien abgehalten wird, muss auch hier Mund-Nasen-Schutz getragen werden. 

Legal und illegal

Corona in der Wetterau: Regeln, Hotspots, Phänomene

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
    schließen

Die Corona-Regeln ändern sich ständig. Halten sich die Bürger daran? Und wie wird man in den Wetterauer Rathäusern mit dem Regel-Wust fertig? Die WZ hat in einigen Kommunen nachgehört.

  • In Friedberg sind die von der Landesregierung aufgestellten Corona-Regeln bisher meist eingehalten worden, sagt Erste Stadträtin Marion Götz. Nach vereinzelten Verstößen habe es zunächst mündliche Verwarnungen gegeben. "Kontrolliert wurden der Einzelhandel in Friedberg, Gaststättenbetriebe, Bolz- und Spielplätze. Größere Versammlungen im öffentlichen Raum wurden nicht festgestellt, kleinere Gruppenbildungen in Einzelfällen", teilt Götz mit. Verstöße gegen die Mundschutzpflicht und gegen die Mindestabstand-Regel habe es gegeben. Bußgeldverfahren seien aber bislang noch nicht eingeleitet worden.

Laut Götz hat es viele Fälle gegeben, in denen sich jemand über Mitbürger beschwert hat - "teilweise mit detaillierter Bilddokumentation".


  • In Bad Nauheim seien Verstöße über den gesamten Zeitraum von allen Alters- und Personengruppen festzustellen, sagt Erster Stadtrat Peter Krank. "Vor allem in den Parks haben sich die Verstöße gegen Kontaktbeschränkungen durch alle Altersgruppen gezogen. An Plätzen wie der Erbwiese in Nieder-Mörlen, dem Parkdeck in der Schwalheimer Straße oder auf Bolz- und Spielplätzen wurden hingegen hauptsächlich Gruppen von Jugendlichen angetroffen. Auf Spielplätzen Eltern mit Kindern." Auf dem Wochenmarkt ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht. Durch die Lage im Freien und in der Fußgängerzone sei dies vielen Menschen erstmal nicht bewusst, sagt Krank. Deshalb werde dort verstärkt kontrolliert.

Wie viele Verstöße es bisher in Bad Nauheim gegeben hat, kann die Stadt eigenen Angaben zufolge nicht sagen. "Bisher mussten wir jedoch kein Bußgeldverfahren über das Gesundheitsamt des Wetteraukreises einleiten", teilt Krank mit.

Auch Bürger hätten viele Verstöße gemeldet. "Diese reichten von ›gestern standen drei Pkw bei meinem Nachbarn vor der Haustür, das war bestimmt eine Corona-Party!‹ bis hin zu generellen Schilderungen zu Beobachtungen im Kurpark oder auf dem Wochenmarkt oder im Außenbewirtungsbereich von Gaststätten. Konkrete Anzeigen hingegen sind nicht eingegangen."

Bei der Gastronomie habe der Hauptfokus der Stadtverwaltung auf dem Einhalten der Schließung sowie der Regeln bei Essens-Abholungen gelegen. Bei den (Gastronomie-)Betrieben hat es laut Erstem Stadtrat aber keine Probleme gegeben. Die Disziplin in der Bevölkerung lasse grundsätzlich mit den zunehmenden Lockerungen etwas nach. Das führe nicht direkt zu Verstößen, aber in Bereichen, in denen viele Menschen anfangs noch freiwillig eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen hätten, obwohl es nicht vorgeschrieben gewesen sei, steige nun langsam die Zahl der Personen ohne einen solchen Schutz.


  • In Bad Vilbel hat die Ordnungspolizei hinsichtlich der Einhaltung der Corona-Verordnungen seit dem 24. März insgesamt mehr als 400 Stunden geleistet, teilt Yannick Schwander, Pressesprecher in der Stadtverwaltung, mit. Kontrolliert wurden insbesondere Grün- und Parkanlagen, Spiel- und Bolzplätze, Einzelhandel (auch Wochenmärkte), die Gastronomie und Übernachtungsbetriebe sowie Fitnessstudios.

Die Verordnungen würden sehr gut eingehalten, die Abläufe hätten sich mittlerweile eingespielt sagt Schwander. "Personen, aber auch Betreiber wurden bei offensichtlichen Verstößen gegen das Verbot von Zusammenkünften, bei Unterschreiten der vorgeschriebenen Mindestabstände, aber auch bei Verstößen gegen das Tragen von vorgeschriebenen Mund-Nasen-Bedeckungen angesprochen. In den allermeisten Fällen zeigten sich angesprochene Personen einsichtig und kooperativ." Hin und wieder seien tatsächliches Fehlverhalten und auch vermeintliche Verstöße gegen die Corona-Verordnungen beim Ordnungsamt angezeigt worden - teilweise auch anonym.

"›Hotspots‹ im wörtlichen Sinne gibt es nicht", sagt Schwander. "Naturgemäß halten sich aber viele Menschen im Bereich der Bad Vilbeler Innenstadt, insbesondere am Niddaplatz auf, so dass hier die meisten Kontaktgespräche mit Personen hinsichtlich der Abstandsregeln geführt wurden."


  • In Rosbach sagt Sebastian Briel, Leiter der Stabsstelle des Bürgermeisters: "Das ist eine Situation, die uns als Stadtverwaltung schon mit voller Wucht trifft." Er meint die vielen Anfragen von Bürgern, Unternehmen und Vereinen. Die Verwaltung müsse angesichts der ständigen Regel-Änderungen immer auf dem neuesten Stand sein, um diejenigen beraten zu können, die sich mit ihren Fragen ans Rathaus wendeten. "Anfragen über Anfragen gehen bei uns zu ganz unterschiedlichen Themengebieten ein. Für Bürger, Firmen und Vereine sind wir täglich ein kompetenter Ansprechpartner, was jedoch auch für uns einen hohen Rechercheaufwand bedeutet", sagt Ordnungsamtsleiterin Silke Kotzerke.

Dass es mit der Beratung und dem Miteinander klappt, zeigt das Beispiel evangelische Kirchengemeinde Rodheim. Dort haben Stadt und Kirche gemeinsam eine Lösung für mehrere Freiluftgottesdienste auf dem Marktplatz gefunden. Ein anderes Thema ist die Anfrage wegen einer Hochzeit in wenigen Wochen. Das Standesamt versuche immer, einen gangbaren Weg zu finden, sagt Briel. Doch könne man im Rathaus immer nur auf den gerade aktuellen Stand verweisen. "Die Glaskugel haben wir leider nicht in der Stadtverwaltung."

In Rosbach habe es noch keine Verwarnung wegen Verstößen gegen Corona-Regeln gegeben, sagt Kotzerke. Die angesprochenen Bürger hätten ihren Fehler eingesehen. "Im Großen und Ganzen hält sich jeder in Rosbach an diese Regeln."

In der Stadt war neulich die Zahl der Infizierten nach oben geschnellt. Wie sich herausstellte, hing dies mit dem Besuch eines Gottesdienstes in Frankfurt zusammen, der sich als Hotspot der Infektionen entpuppte.

Ordnungsamtsmitarbeiter Sebastian Pfarrer berichtet im Zusammenhang mit Corona auch von Veränderungen ganz anderer Art. Zum Beispiel würden derzeit viel mehr Menschen spazieren gehen als sonst. Mit der Folge, dass auch mehr Dinge - etwa Schlüssel und Handys - unterwegs verloren gingen und als Fundsachen abgegeben würden. Zweites Phänomen: In der Zeit, in der der Recyclinghof geschlossen war, wurde viel Müll illegal entsorgt. Das ging laut Pfarrer in den letzten Wochen zurück. Ebenfalls auffällig: Die hohe Zahl der angemeldeten Baustellen - Stichwort Absperrung. Viele Rosbacher haben die Zeit genutzt und an ihrem Haus gewerkelt. Was die Wirtschaft betrifft, so wurden in der Anfangszeit der Einschränkungen einige Kleinstgewerbe abgemeldet. In den vergangenen zwei Wochen gebe es hingegen viele Anmeldungen. "Das ist ein gutes Signal für den Wirtschaftsstandort Rosbach.", sagt Briel.


  • In Wölfersheim hat es laut Gemeinde-Pressesprecher Sebastian Göbel keine Ordnungswidrigkeit gegeben, die ans Gesundheitsamt gemeldet worden wäre. "Es hält sich wirklich jeder gut an die Regeln", sagt Göbel. Auch wenn es anfangs ein bisschen gedauert habe, bis das auch bei allen Jugendlichen angekommen sei.

"Die Gastronomen haben sich darauf perfekt vorbereitet", sagt Göbel bezogen auf die Einschränkungen, mit denen die Branche konfrontiert ist. Das Ordnungsamt habe jeden gastronomischen Betrieb kontaktiert und sich die Situation teilweise auch vor Ort angeschaut.


  • In Florstadt "läuft alles rund", wie Ordnungsamts-Leiter Jörg Hebbe berichtet, Das Miteinander von Rathaus, Vereinen und Gastronomie funktioniere. Gebe es Regel-Änderungen, dann werde im Rathaus angerufen. In Florstadt würden Kontrollgänge unternommen, allerdings nicht im allzu formellen Sinne, sondern eher in der Mittagspause, und abends, sagt Hebbe. "Alles ganz geschmeidig."

Bürgermeister Herbert Unger sieht’s genauso: Grobe Verstöße gegen Corona-Regeln seien bisher in Florstadt nicht festgestellt worden. Auf Spielplätzen sei schonmal viel los gewesen, er sei in der Anfangszeit auch mal eingeschritten.

Wie schwierig es ist, immer zwischen legal und illegal zu unterscheiden, macht ein Fall deutlich, von dem Unger berichtet: 15 Leute hielten sich auf einem Spielplatz auf, doch es stellte sich heraus, dass es sich lediglich um zwei Familien handelte - was mittlerweile wieder erlaubt ist. "Es hat sich als legale Zusammenkunft entpuppt."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare