Wie verteilen sich die Corona-Infektionen in der Wetterau auf verschiedene Alterstufen? Eine Grafik gibt Aufschluss.
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Wie verteilen sich die Corona-Infektionen in der Wetterau auf verschiedene Alterstufen? Eine Grafik gibt Aufschluss.

Neue Einblicke

Wetteraukreis: Daten-Projekt zu Corona zeigt Altersstruktur der Infizierten

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Bei Corona spielt auch das Alter der Infizierten eine Rolle. Eine Analyse veranschaulicht nun, wie die Fälle sich auf die Altersgruppen in der Wetterau verteilen.

  • Corona hält Deutschland in Atem, auch die Wetterau bleibt im Griff der Pandemie.
  • Eine Aufschlüsselung der Altersverteilung bei Neuinfektionen zeigt, dass vor allem eine Altersgruppe betroffen ist.
  • Die Dunkelziffer der Corona-Infektionen könnte durch Überlastung der Gesundheitsämter steigen.

In einem Friedberger Seniorenheim hatte Corona schon in der ersten Welle mit fatalen Folgen zugeschlagen, fünf Menschen starben damals. Während der aktuell durch das Land schwappenden zweiten Welle hat sich das Virus in einem Bad Vilbeler Altenheim breitgemacht. Ist Corona einmal in einer solchen Einrichtung, kann man nur hoffen, dass es möglichst viele Bewohner einigermaßen gut überstehen. Mitarbeiter natürlich auch, aber bekanntlich spielt das Alter eines Corona-Infizierten für die Schwere des Krankheitsverlaufs eine entscheidende Rolle.

Umso hilfreicher sind sogenannte Heatmaps, die unter www.corona-data.eu zu finden sind. Dabei handelt es sich um Grafiken, die zeigen, wie sich wahlweise die Inzidenzen oder die Fallzahlen (Neuinfektionen) in zwölf verschiedenen Altersgruppen von Woche zu Woche verändert haben. Diese Zahlen werden auch auf den Wetteraukreis runtergebrochen. Hinter dem Online-Projekt Corona-Data steht als Initiator Michael Schrempf.

Corona-Entwicklung in der Wetterau: Hohe absolute Zahl im Alter 50 bis 59

»Wie man sehen kann, steigt die altersspezifische Inzidenz in fast allen Altersgruppen. Am stärksten betroffen scheinen aktuell die Altersgruppen 15 bis 25 zu sein. Hier kann man seit drei bis vier Wochen ein kontinuierliches Wachstum der Sieben-Tage-Inzidenz erkennen«, interpretiert Schrempf die Entwicklung in der Wetterau. Schaut man sich die absoluten Zahlen an, dann ist die Gruppe der 50- bis 59- Jährigen in der Wetterau mit 74 Fällen in der vergangenen Woche im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen am stärksten betroffen. Wobei natürlich zu berücksichtigen wäre, wie viele Menschen aus den jeweiligen Altersklassen im Kreis leben. Dennoch geben die Heatmaps interessante Einblicke. So zum Beispiel auch den, dass die absoluten Zahlen bei den Null- bis Vierjährigen (5 Fälle), bei den Fünf- bis Neunjährigen (14) und bei den Zehn- bis Vierzehnjährigen (14) - alles Stand vergangene Woche - relativ niedrig liegen. Wobei Schrempf auch bei den ganz Jungen keine Entwarnung gibt.

So sieht die Heatmap für den Wetteraukreis aus.

Neben dem Vergleich zwischen den Altersstufen zeigen die farbintensiven Grafiken auch den mit den zurückliegenden Wochen. »Wie man hier erkennen kann, sind auch Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren betroffen, denn auch hier sind steigende Inzidenzzahlen zu erkennen. Hierbei muss man aber beachten, dass Kinder vermutlich nicht so häufig getestet werden wie Jugendliche oder Erwachsene. Somit könnte die Dunkelziffer in dieser Alterskohorte um einiges höher sein als im restlichen Teil der Bevölkerung.«

Schrempf hat sich auch die Entwicklung bei den Älteren angeschaut: »Was auffällt, ist, dass eine vertikale Ausbreitung der Infektion in die vulnerablen Altersgruppen (60 bis 80+) zu beobachten ist. Das bedeutet, die Infektion wurde von jüngeren Generationen in die Risikogruppen getragen.« Besser könne man dies in den Heatmaps der Bundesländer und von Deutschland sehen.

Corona-Entwicklung in der Wetterau: Niedrigere Zahl kann trügerisch sein

Die niedrigere Inzidenz in der 45. Kalenderwoche gegenüber der Woche davor in der Altersgruppe 80+ muss laut Schrempf vorsichtig interpretiert werden: »Der Wert von 125 in KW 44 ist ausschließlich auf den Corona-Ausbruch im Pflegeheim in Bad Vilbel zurückzuführen. Solche Ausbrüche lassen sich wesentlich besseren beherrschen als Infektionen, die nicht einem Cluster zuzuordnen sind. Da die Inzidenz in KW 45 für die AG 80+ meines Wissens nach nicht auf ein solches Cluster zurückzuführen ist, könnte dies bedeuten, dass sich die Infektionen nun auch in dieser Altersgruppe vermehrt verbreiten.« Das wiederum könnte fatale Konsequenzen haben, auf die der Corona-Data-Initiator hinweist. Denn sollte es diese Verbreitung geben, dann sei in den nächsten zwei bis drei Wochen mit vermehrten Krankenhauseinweisungen und Todesfällen zu rechnen, da die Todesrate exponentiell mit dem Alter ansteige.

Schrempf: »Es ist zudem wichtig zu erwähnen, dass vermutlich noch immer nicht alle Fälle der letzten Woche und des Wochenendes nachgemeldet sind und es daher noch eine Steigerung der Inzidenzen für KW 45 geben kann. Außerdem sollte erwähnt werden, dass durch die hohe Belastung der Gesundheitsämter vermutlich die Dunkelziffer der Infektionen steigen wird. Dies wird außerdem noch durch die neuen Testkriterien des RKI verstärkt.«

Die Arbeitsbelastung ist auch Grund dafür, dass der Wetteraukreis die Heatmaps nicht interpretieren wollte.

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