Corona verschärft Missstände

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Wetteraukreis (pm). »Wir sind da«: Unter diesem Motto steht der Jahresbericht des Frauen-Notrufs Wetterau. Die Mitarbeiterinnen haben 2020 alles daran gesetzt gewaltbetroffene Mädchen und Frauen in gewohnter Qualität zu unterstützen und zu beraten, trotz Corona-Krise. Was ist aber, wenn die Betroffenen sich keine Hilfe holen können? Weil sie seit Corona ständig vom gewalttätigen Partner umgeben sind, die Kinder zu Hause betreuen müssen oder mit der neuen Situation überfordert sind?

2020 zeigt sich im Jahresbericht ein deutlicher Rückgang der Beratungszahlen. 191 Frauen und Mädchen suchten im Jahr 2020 Unterstützung durch den Frauen-Notruf. In den Jahren zuvor waren es deutlich mehr: 273 im Jahr 2019 und 248 2018. Rückblickend erinnert sich Beraterin Jeanette Stragies: »Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 erreichten uns fast keine Anfragen, erst mit den Lockerungen stiegen die Zahlen wieder bis zum nächsten Lockdown im Herbst. Seit dem Jahreswechsel 2020/2021 verzeichnen wir immer mehr Beratungsanfragen.«

Der Frauen-Notruf berät Frauen und Mädchen ab 16 Jahren, die von körperlicher, seelischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen sind. Dabei blickt der Verein auf über 30 Jahre Erfahrung zurück.

Erweitertes Aufgabenspektrum

In diesen Jahren hat sich ein weiteres Aufgabenspektrum entwickelt, das durch mittlerweile vier Mitarbeiterinnen bearbeitet wird. Ein Herzensthema der Leiterin Christa Mansky ist die Unterstützung von Frauen und Mädchen mit Behinderung. Sie ist in verschiedenen Projekten und Netzwerken engagiert und bedauert die vielen Einschränkungen in ihrer Arbeit. So konnten 2020 keine Präventionskurse gegen geschlechtsspezifische Gewalt im Rahmen des »Starke Suse«-Projekts durchgeführt werden.

Auch ein inklusiver Fachtag musste abgesagt werden. Daraufhin wurde das Konzept geändert und nun wird eine Broschüre in leichter Sprache zu geschlechtsspezifischer Gewalt und Gewaltschutz erarbeitet. »Wir müssen uns an die Gegebenheiten anpassen und das beste daraus machen. Wir haben ein starkes Netzwerk im Wetteraukreis über die letzten Jahre aufgebaut, das wird auch Corona überdauern«, ist sich Mansky sicher.

Der Jahresbericht legt aber auch den Finger auf Missstände im Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen, die sich durch die Corona-Pandemie weiter verschärften: die Unterfinanzierung von Beratungsstellen, zu wenige Plätze in Frauenhäusern, ein mangelndes Beratungsangebot für Frauen mit Migrationshintergrund und Frauen mit Behinderung. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht das Team, Lösungen zu finden. Jeanette Stragies erklärt: »Viele geplante Präventionsprojekte, zum Beispiel an Schulen und in Jugendeinrichtungen, liegen seit Corona auf Eis. Wir suchen momentan eine Präventionsfachkraft, um das Thema verstärkt anzugehen und Kinder und Jugendliche vor häuslicher Gewalt zu schützen. Bewerbungen sind willkommen.«

Dank für große Unterstützung

Über weitere Arbeitsschwerpunkte und Maßnahmen des Frauen-Notrufs, Informationen zur finanziellen Situation, zur Vernetzungsarbeit mit anderen Einrichtungen und Institutionen 2020 kann im vorliegenden Jahresbericht nachgelesen werden. Dieser kann online auf der barrierefreien Homepage www.frauennotruf- wetterau.de heruntergeladen werden oder wird auf Wunsch in gedruckter Version zugesandt. »Ohne die Finanzierung durch Land, Kreis, Kommunen, Gemeinden und viele weitere Unterstützer*innen wäre diese wichtige Arbeit nicht möglich. Dafür möchten sich der Vorstand und die Mitarbeiterinnen des Frauen-Notrufs bedanken«, heißt es in einer Pressemitteilung zum Jahresbericht.

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