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Wegen der Pandemie haben die »New Tones« im Sommer die Proben in einen großen Garten verlegt - Abstand halten kein Problem.

Zwischenbilanz

Corona: Trotz Mitgliederschwund bleiben Vereine optimistisch

  • vonHarald Schuchardt
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Vereine in der Wetterau haben mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Immer wieder wird über Mitgliederschwund und finanzielle Schwierigkeiten berichtet. Doch es gibt auch neue, kreative Ideen.

Seit zwölf Jahren steht Harald Weber-Ströhle an der Spitze der Bad Nauheimer Hiesbach-Karnevalisten. Holger Straub fungiert seit elf Jahren als Sitzungspräsident. »Wir wollten Platz für Jüngere machen und aufhören,« sagt Weber-Ströhle. Laut Straub war diese Entscheidung vor einem Jahr angekündigt worden, es war zu Gesprächen mit möglichen Nachfolgern gekommen. Doch die Pandemie brachte den Plan durcheinander und verhinderte - zumindest für dieses Jahr - den »frischen Wind im Verein« (Straub). »Meine elfte Kampagne als Sitzungspräsident will ich noch machen« sagt er.

Als einer der ersten Karnevalsvereine überhaupt hatte der Hiesbach-Vorstand im Herbst beschlossen, die Faschingskampagne 2020/21 zu stornieren. Weber-Ströhle: »Uns war klar, dass wir die Hygieneauflagen nicht umsetzen konnten, besonders bei den Tanzgruppen.« Nur das Heringsessen wurde als sehr gut angenommene »To-go-Veranstaltung« am gewohnten Termin angeboten, dem Samstag nach Aschermittwoch.

TG verliert 250 Mitglieder

Die Absage der Kampagne war für die rund 50 Aktiven zwar schmerzlich, doch einen finanziellen Verlust hatte der Verein nicht. »Wir konnten alle Verträge kostenfrei stornieren«, erklärt Straub. Untereinander wird Kontakt gehalten, und alle setzen auf die kommende Saison. »Die Termine stehen, alle Verträge sind gemacht,« sagt der Vorsitzende.

Etwas anders sieht es bei der Turngemeinde Friedberg aus. »Wir versuchen, alles anzubieten und mitzunehmen, was geht«, sagt Vereinsmanagerin Sabine Reese, während auf dem Vereinsgelände an der Ockstädter Straße Kinder herumtoben. »Wir veranstalten Ferienspiele für Kinder bis 14 Jahre, das ist seit Mitte März in Hessen erlaubt«, erklärt sie. Seitdem trainiert der Handballnachwuchs ebenfalls, Kinderturnen wird angeboten, natürlich nur unter freiem Himmel. Die Tennissaison starte in Kürze. Hinzu kommen zahlreiche Online-Angebote.

Finanziell geht es dem Verein noch gut, auch wenn die Mitgliederzahl seit Pandemiebeginn um 250 auf gut 1500 zurückgegangen ist. »Normalerweise werden diese Austritte durch Neueintritte ausgeglichen. Die fehlen jetzt«, sagt TG-Vorsitzender Klaus Heuser. Wie er befürchtet, könnte es bei der Wiederaufnahme des Vollbetriebs in den zehn Abteilungen für den Verein finanziell schwieriger werden. Heuser: »80 Prozent der Mitgliedsbeiträge fließen in Vergütungen für Übungsleiter. Die fallen ja derzeit kaum an.«

Drei Chöre zusammengelegt

Sollten beispielsweise die Handballer ohne Publikum spielen, dann werden zusätzlich Eintrittsgelder und Verkaufseinnahmen fehlen. Das Minus scheint programmiert. Bleibt für Heuser die grundsätzliche Frage: »Wo geht der Sport überhaupt hin?«

Die Rückkehr zu einem regulären Vereinsleben wünschen sich die »New Tones«, der Chor der Sängergemeinschaft Dorheim. »Wir haben uns in der Corona-Krise weiterentwickelt und kommen finanziell gut über die Runden. Trotz der Pandemie singen wir aus voller Kehle«, sagt Chormitglied Gabriele Fourier, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Im Sommer 2020 wurde in einem großen Garten geprobt. Als es abends mit Leselämpchen zu dunkel wurde, zog der Chor in den Hof der Brüder-Grimm-Schule und schließlich ins Bürgerhaus um. Die AHA-Regeln wurden immer eingehalten.

Dank Chorleiter Tobias Lipka sowie dem Computerfachmann und Tenor Peter Major aus Beienheim ging es in den Lockdown-Zeiten weiter. »Wir können doch nicht einfach so aufhören mit dem Singen«, sagt Lipka. Er legte seine drei Chöre »New Tones«, Eintracht Beienheim und Concordia Dorn-Assenheim kurzerhand zu einem Online-Chorprojekt zusammen.

Seit November wird in wöchentlichen Zoom-Meetings und über das Portal Jamulus gesungen. »Durch das Internet spüren die Chormitglieder wieder Gemeinsamkeit,« sagt Vorsitzende Helga Urban. Traurig war der Abschied von zwei nach kurzer Krankheit verstorbenen Chorfrauen. Urban: »Wir konnten uns nicht wirklich verabschieden.« Nun hoffen die »New Tones«, ihr 20-jähriges Bestehen gegen Ende dieses Sommers feiern zu können. »Es wird auf jeden Fall gefeiert. Wenn es sein muss erst im nächsten Jahr«, betont die Vorsitzende.

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