Da steht’s: Wigbert Dönni, Leiter des Caritaszentrums St. Bardo in Friedberg, zeigt auf wichtige Regeln.
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Da steht’s: Wigbert Dönni, Leiter des Caritaszentrums St. Bardo in Friedberg, zeigt auf wichtige Regeln.

Risikogruppe

Corona-Sorgen in Wetterauer Seniorenheimen: Wenn Besucher das Problem sind

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Alte Menschen sterben eher an oder mit Covid-19 als jüngere. Dennoch gibt es in der Wetterau Seniorenheim-Besucher, die sich nicht an die Regeln halten. Das kann fatale Folgen haben.

Ich bin froh über jeden Tag, den wir rumkriegen, an dem wir keine Horrormeldung haben«, sagt Wigbert Dönni. Im Friedberger Caritaszentrum St. Bardo, das Dönni leitet, hat es bisher keine Corona-Infektion gegeben. Das soll so bleiben. 91 Menschen wohnen derzeit in der Einrichtung nahe der Seewiese. 77 Mitarbeiter kümmern sich um diese Senioren. Natürlich kommen auch Besucher ins Haus. Von diesen wiederum zeigten die meisten Verständnis für die Corona-Regeln, sagt Dönni. Aber es gebe auch Andere. »In der Regel fühlen die sich auch ertappt.«

Kürzlich hatte es ein Gespräch zwischen Vertretern von Wetterauer Seniorenheimen und des Gesundheitsamtes gegeben. Der Tenor: Besucher verweigern zunehmend Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Man erlebe teilweise renitente Besucher und habe auch schon Hausverbote aussprechen müssen, Die WZ berichtete am 8. September darüber. Wie sieht das Problem konkret aus? Mit was tun sich Besucher besonders schwer?

Corona-Sorgen in Wetterauer Seniorenheimen: Geht es so weiter, gibt es Hausverbot

Wenige Stunden vor dem Gespräch mit Dönni war es mal wieder so weit: Der Leiter von St. Bardo musste einer Besucherin die Meinung sagen. Er habe sie für diesen Tag des Gebäudes verwiesen, teilt Dönni mit. Sie habe schon die ganze Woche die Regeln missachtet - und sei schon mehrfach darauf angesprochen worden. »Die Frau meint, sie könnte sich den ganzen Tag bei uns aufhalten«, sagt Dönni. Die Dame trage keinen Mund-Nasen-Schutz und habe einen Seitenabstand von gerade mal 30 Zentimetern eingehalten. Wenn sie sich weiter so verhalte, spreche er ein Hausverbot aus und erstatte Anzeige.

Corona-Sorgen in Wetterauer Seniorenheimen: Auch draußen gelten klare Regeln

Fehlende Maske und fehlender Abstand - das seien die größten Probleme bei der Minderheit an Besuchern, die auf Corona-Regeln keinen Wert legten, erläutert Dönni. Das gelte auch für den Außenbereich, wo extra Tischgruppen gebildet worden seien. Mit dem Beachten der dort schriftlich festgehaltenen Regeln nehme es nicht jeder ernst. »Wir drehen und wenden uns seit März diesen Jahres, dann gehen die einen Schritt über die Schwelle nach draußen, dann ist alles über den Haufen geworfen«, beklagt Dönni.

Rainer Landau sieht bei den allermeisten Besuchern kein Problem, es seien eben immer die selben zwei, drei Personen, die Probleme bereiteten. Landau leitet die Seniorenresidenz Bisses in dem gleichnamigen Echzeller Ortsteil. Von den 78 Plätzen sind 75 belegt, einen Corona-Fall hat es in dem Heim noch nicht gegeben.

Corona-Sorgen in Wetterauer Seniorenheimen: Problem mit Besuchszeiten

Auf die Frage nach Regeln, die nicht von allen Besuchern befolgt werden, nennt Landau die Besuchszeiten. Ein Beispiel: Ein Besucher kommt um 15 Uhr, obwohl 14 Uhr vereinbart gewesen ist.

Nur wer vorher einen Termin vereinbart hat, darf kommen. Pro Stunde sind zeitgleich Besuche für vier Bewohner erlaubt. Immer nur von jeweils einer Person. Es gibt einen Besucherraum, der nicht von mehreren Bewohnern gleichzeitig genutzt werden darf. Besuch im Einzelzimmer ist auch möglich - sofern man eines hat. Zudem gibt es den Wintergarten und Pavillons. »Jetzt haben wir noch das Glück, dass das Wetter schön ist, sie können noch raus«, sagt Landau.

Klare Regeln also auch in Bisses, und doch bekomme man teilweise dass Gefühl vermittelt, als wenn Corona »von uns verursacht worden wäre«, beklagt der Heimleiter.

Carolin Reifschneider ist als Geschäftsführerin der Alten- und Pflegeheim Schacht GmbH zuständig für die beiden Bad Nauheimer Seniorenresidenzen im Park und am Kaiserberg. Auch sie sieht in der Besuchsmoral von Angehörigen das größte Problem. Wobei auch sie sagt, dass sich die meisten an die Regeln halten.

Corona-Sorgen in Wetterauer Seniorenheimen: Danach alles desinfizieren

Ein Besuch darf höchstens eine Stunde dauern, die Zahl der Besuche ist begrenzt, eine Terminvereinbarung Pflicht. Bei 246 beziehungsweise 170 Plätzen in den beiden Seniorenresidenzen bedeutet das für die Mitarbeiter einen enormen Organisationsaufwand. »Wir sind die nächsten Wochen ausgebucht«, teilt Reifschneider mit, verweist aber auf Ausnahmen, wenn sich Angehörige von einem Bewohner verabschieden möchten, der im Sterben liegt.

Es hätten schon Besucher gesagt, das Personal solle es mit der Besuchszeit nicht so genau nehmen, sagt Carolin Reifschneider. »Das ist für ins schwierig, weil wir nach jedem Besuch alles desinfizieren müssen.«

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