Im Herbst nehmen die grippalen Infekte zu. Dr. Fabienne Seeger hofft jedoch, dass der Umgang damit verantwortungsvoll sein wird und kranke Kinder nicht in die Schule oder Kita geschickt werden - gerade im Hinblick auf Corona. Denn: "Eine weitere Schließung von Schulen und Kitas wäre für die Entwicklung der Kinder ein denkbar schlechtes Szenario." 		FOTO: SDA
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Im Herbst nehmen die grippalen Infekte zu. Dr. Fabienne Seeger hofft jedoch, dass der Umgang damit verantwortungsvoll sein wird und kranke Kinder nicht in die Schule oder Kita geschickt werden - gerade im Hinblick auf Corona. Denn: »Eine weitere Schließung von Schulen und Kitas wäre für die Entwicklung der Kinder ein denkbar schlechtes Szenario.« FOTO: SDA

In der Kinderarztpraxis

Corona-Pandemie und Erkältungszeit: Mit Schnupfen in die Schule?

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Herbst ist Erkältungszeit. Vor allem für Kinder. Das ist jedes Jahr so, doch 2020 ist es anders. Husten, Schnupfen, Fieber: Kann eine gewöhnliche Erkältung sein, kann aber auch auf eine Corona-Infektion hindeuten. Viele sind deswegen verunsichert.

Erkältung? Grippe? Oder Covid-19? Viele sind verunsichert - Lehrer, Erzieher und Eltern. Das erlebt auch Dr. Fabienne Seeger. »Es kommt immer wieder vor, dass Eltern kommen, die sich große Sorgen machen, ihr Kind könnte sich mit Corona infiziert haben«, sagt die Ärztin, die in der Kinder- und jugendärztlichen Gemeinschaftspraxis von Dr. Georg Certa und Uta Euler in Bad Nauheim arbeitet. Was sie aber auch sagt: »Gerade für Kinder ist das Risiko für einen schweren Verlauf gering.«

Grundsätzlich, sagt die Ärztin, nehme sie aber keine zu große Sorge wegen Corona wahr. Was die Anliegen angehe, mit denen Eltern und Kinder in die Praxis kämen, halte es sich die Waage. »Es gibt Tage, da machen wir vier Corona-Tests, es gibt aber auch solche, da machen wir gar keine.«

Am Anfang, als die Kitas und Schulen wieder geöffnet haben, sei die Unsicherheit größer gewesen. »Die Kinder sind sehr großzügig nach Hause geschickt worden. Auch wegen Banalitäten.« Selbst wenn die Symptomatik oft nichts mit Corona zu tun gehabt habe, sondern das Kind bspw. ein Ekzem an der Lippe hatte .

Seeger versteht die Verunsicherung: Einerseits haben Kitas und Schulen eine große Verantwortung, weswegen es nachvollziehbar sei, dass sie im Zweifel vorsichtig seien. Gleichzeitig müssten die Mütter und Väter kurzerhand eine Betreuung organisieren und beim Kinderarzt vorstellig werden - der dann wiederum quasi gesunde Kinder nach Hause schickt.

Mittlerweile habe sich die Situation dahingehend aber etwas entspannt. Im Moment ohnehin, da Ferien sind. Nach wie vor gelten aber die Regeln, die immer gelten: »Wer Fieber hat, also eine Temperatur über 38 Grad, soll zu Hause bleiben und nicht in die Kita oder in die Schule gehen.« Durch Corona sei zudem noch trockener Husten als Kriterium hinzugekommen sowie eine Störung des Geschmacks- und Geruchssinns - »wobei das gerade bei Kindern schwer messbare Symptome sind.«

Aber: »Ein einfacher Schnupfen und gelegentlicher Husten ist noch kein Ausschlusskriterium.« So ist zumindest der Stand jetzt. Vor wenigen Tagen jedoch hat das Robert-Koch-Institut neue Empfehlungen für Schulen für die Wintermonate herausgegeben. In diesem Papier heißt es, dass grundsätzlich nicht alle Personen mit »respiratorischen Symptomen«, also solche, die die Atemwege betreffen, getestet werden können. Daher, so die Empfehlung, sollen Schüler mit jeglichen Symptomen, bspw. Schnupfen oder Halsschmerzen, »für mindestens fünf Tage zu Hause bleiben und die Schule erst wieder besuchen, wenn sie über 48 Stunden symptomfrei waren«. In dem Papier empfiehlt das RKI zudem weitere Maßnahmen. So sollen etwa Klassenfahrten und Schulfeiern gestrichen werden.

Zurzeit handelt es sich dabei noch um Empfehlungen, keine Handlungsanweisung. Kitas und Schulen bestimmen aktuell selbst, welche Regeln sie anwenden, sagt Seeger.

Seeger glaubt, dass die klassischen grippalen Infekte nach den Ferien zunehmen werden - eben wie in jedem Jahr. »Ich sorge mich etwas, dass die Beschulung und psychosoziale Entwicklung der Kinder in den Hintergrund rückt«, sagt sie. Eine weitere Schließung von Schulen und Kitas »wäre für die Entwicklung der Kinder ein denkbar schlechtes Szenario«. Umso mehr hoffe sie, dass verantwortungsbewusst mit der Situation umgegangen werde. »Nach wie vor gilt: Ein krankes Kind gehört nicht in die Schule oder in die Kita.«

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