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Feuchttücher bilden im Kanal dichte Zöpfe und Stränge und entwickeln sich für Kläranlagen zum Problem. Denn die Tauchpumpen verstopfen schnell, wie Heinz Lotz, der Leiter der Stadtwerke Nidderau, zeigt.

Probleme auf Kläranlagen

Corona-Krise Wetterau: Feuchtes Toilettenpapier sorgt für Verstopfungen

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Seit die Schulen und Kitas geschlossen sind und Homeoffice die Regel ist, klagen viele Kläranlagenbetreiber über das verstärkte Aufkommen von Feuchttüchern. Denn die verstopfen ihre Anlagen.

Feuchtes Toilettenpapier landet - wie normales Toilettenpapier auch - im Klo. Wo auch sonst, sollte man meinen. Doch genau dort fängt das Dilemma an: Denn die feuchten Tücher lösen sich nur schlecht oder gar nicht im Wasser auf. Und genau das macht vielen Kläranlagen in Deutschland derzeit ziemliche Probleme - auch in der Wetterau.

Weil Toilettenpapier aufgrund von Hamsterkäufen in Supermärkten häufig vergriffen ist und viele Experten gebetsmühlartig zu mehr Sauberkeit im Alltagsleben raten, greifen Menschen zunehmend auf Feuchttücher zurück. Doch diese bereiten wegen ihres Grundmaterials, dem widerstandfähigen Vlies, den Kläranlagen Probleme. Denn trotz Zusicherung durch die Hersteller zersetzen sich die Tücher oft nicht im Wasser, sondern verstopfen immer wieder die Zuflüsse zu den Klärbecken in den städtischen Kläranlagen.

"Das ist eine Phänomen, mit dem sich unsere Klärwerke seit Erfindung dieser feuchten Tücher auseinandersetzen müssen", berichtet Thomas Buch, zuständig in der Wetterauer Kreisverwaltung für den Bereich ›Abwasserentsorgung". Zwar filtern mittlerweile fast alle Kläranlagen das ankommende Abwasser mit sogenannten Rechenanlagen - also Gitterstäben, die in einem Abstand von acht Millimetern zueinander den gröbsten Dreck schon vor den Klärbecken abfangen -, doch auch durch diese Sperre rutschen die feuchten Toilettentücher bisweilen. Mit der Folge, dass diese sich nur langsam (wenn überhaupt) auflösenden Tücher aufgrund ihrer Struktur lange braune Zöpfe bilden. An diesen wiederum bleiben Haare und andere Dinge hängen, die natürlich auch im Abwasser sind. Der dickflüssige Zopf wird letztlich recht kompakt und führt zu den benannten Störungen. "Das ist ein Problem, mit dem wir uns schon seit Längerem herumärgern. Hier in Bad Nauheim haben wir deshalb unsere Pumpen auf Schneckenpumpen umgerüstet, die damit eher fertigwerden", berichtet Markus Klug, Leiter des städtischen Klärwerks. Durch die Corona-Krise habe zwar die Abwassermenge insgesamt deutlich zugenommen, aber zu einer Verstopfung der Pumpen in seiner Anlage sei es dadurch in letzter Zeit nicht gekommen. Ähnliche Erfahrungen haben auch Michael Kratz von der städtischen Kläranlage in Karben und Ibrahim Ciczek in Bad Vilbel gemacht: "In der Tat stellen diese Tücher, aber auch Wattestäbchen und Damenbinden eine Herausforderung für die Klärwerke dar. Diese Dinge gehören einfach nicht in die Toilette, sondern in die Mülltonne, Aber das beschäftigt uns schon lange, nicht erst seit der Corona-Krise", erklären beide übereinstimmend.

Corona-Krise Wetterau: Die Zeche zahlen alle

Auch Wolfgang Rieß, Mitarbeiter der Friedberger Kläranlage ärgert sich über das "gedankenlose Nutzerverhalten" vieler Bürger. "Eine verstopfte Pumpe bedeutet Mehrarbeit für uns und kostet im Endeffekt das Geld der Verbraucher, weil diese Kosten auf die Abwassergebühren umgelegt werden." Auch Dirk Effenberger (Altenstadt) kennt das Problem - nicht jedoch in seiner Kläranlage: "Wir haben eine Schneckenpumpe und kommen deshalb mit turnusmäßigen Reinigungen aus." Allerdings habe er in den vergangenen Wochen ebenfalls ein Anstieg der Abwassermenge feststellen können. Mathias Seum vom Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe kann in seinen Kläranlagen - der ZOV versorgt in der Wetterau nur die Klärwerke in Nidda und Schotten - von keinen außergewöhnlichen Störungen berichten. Er vermutet auch, dass die Verstopfung durch Feuchttücher eher ein Großstadtproblem und auf dem Land weniger problematisch sei. "Bei uns ist es jedenfalls noch zu keiner Störung wie im südhessischen Raum gekommen." Doch auch er appelliert deshalb noch einmal, derartige nur schwer lösliche Artikel, aber auch Medikamente, nur mit dem Restmüll zu entsorgen und nicht über die Toilettenspülung.

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