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Vom Lockdown besonders betroffen sind Gastronomiebetriebe.

IHK-Umfrage

Corona-Krise: Konjunktur im Kriechgang

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Der Corona-Lockdown macht der Wirtschaft schwer zu schaffen. Laut IHK verzeichnet ein Drittel der Unternehmen eine schlechte Geschäftslage. Besonders düster sieht es in der Gastronomie aus.

Beinahe durchweg hat sich die Stimmung im IHK-Bezirk stark eingetrübt. Mit dem zweiten Lockdown verzeichnet rund jedes dritte Unternehmen - mit Ausnahme der Bauwirtschaft - eine schlechte Geschäftslage.

»Seit über zehn Jahren war die wirtschaftliche Lage nicht so schwach. Viele Unternehmen haben immense Probleme. Wenn dieser Trend nicht bald umgekehrt wird, kommt es zu einer Reihe von Insolvenzen«, kommentiert Matthias Leder, IHK-Hauptgeschäftsführer, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, an der sich 375 Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau beteiligten. Die Befragung lief von Mitte Dezember bis Mitte Januar.

Der regionale Konjunkturklimaindex - er bildet Lagebeurteilung und Erwartungen ab - stürzte zum Jahresbeginn auf einen Wert von 87,3 ab. Damit erreichte der Index einen Negativrekord nach seinem absoluten Tiefpunkt im Frühjahr 2009. Damals lag er bei 71,6 Punkten.

Wetterau mit Finanzpolstern

Auch wenn die aktuelle Lage immerhin von rund einem Viertel als gut bewertet wird, liegt der Optimismus brach. Lediglich 14 Prozent der befragten Unternehmen im Kreis Gießen, in der Wetterau oder im Vogelsberg erwarten bessere Geschäfte. Eine ungünstigere Geschäftslage sehen knapp 38 Prozent auf sich zukommen.

Besonders dramatisch ist die Situation in den Gaststätten. Fast alle Befragten berichten von Liquiditätsengpässen, jeder vierte Befragte gab an, vor einer drohenden Insolvenz zu stehen.

Finanzielle Mittel für notwendige Einkäufe, um Betriebe nach einer Öffnung wieder ins Laufen zu bringen, fehlen. Hinzu kommt, dass durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht eine Bugwelle zu befürchten ist, die schließlich zu vielen Geschäftsschließungen führen wird.

Gastronomie in kritischer Lage

Wenn auch der Klimaindex in der Wetterau mit 92,7 Punkten unter den drei Regionen am höchsten notiert, sind allerdings auch in dieser Region die Werte im Vergleich zum Herbst zurückgegangen (103,2 Punkte).

Optimistisch zeigen sich Industriebetriebe und das Baugewerbe, bei beiden liegen die Werte über der Schwelle von 100. Etwa gleich gute Geschäfte erwarten rund acht von zehn Baufirmen, bei den Industriefirmen sind es rund 72 Prozent.

Im Vergleich zum Kreis Gießen (18,6) und dem Vogelsberg (27,9) kämpfen in der Wetterau weniger Betriebe mit Liquiditätsengpässen (16,9 Prozent). Und auch der Eigenkapitalrückgang ist mit 18,7 Prozent deutlich geringer ausgeprägt als im Kreis Gießen (24,6) und im Vogelsbergkreis (27,9).

Kritisch ist nach IHK-Angaben allerdings die Lage der Gastwirtschaften, die sich offensichtlich kaum noch über die nächsten Monate retten können, wenn sich die Lage für sie nicht bessern sollte. Unter den Dienstleistern variiere die Stimmung. Während rund 57 Prozent von der Krise nicht betroffen sind, verzeichneten dennoch aktuell über 23 Prozent Engpässe in ihrer Liquidität. Entsprechend vorsichtig würden daher auch Investitionen angegangen.

Planungsrisiken im Einzelhandel

Ohne eine klare Perspektive für einen baldigen Neustart droht zudem vielen Beschäftigten die Entlassung. »Die Verlängerung des Lockdowns weit in den Februar hinein hat die Situation noch einmal deutlich verschärft.

Nach drei Monaten Schließung drohen irreparable Schäden«, befürchtet die IHK. Die regionalen Einzelhändler seien ebenfalls frustriert. Mehr als jeder zweite (53 Prozent) gehe von einem zukünftigen Negativverlauf seiner Geschäfte aus, die Zahl der Beschäftigten dürfte fallen (31 Prozent), Investitionen ebenfalls (52 Prozent).

Risiko Inlandsnachfrage

Als Risiken für die Entwicklung ihrer Betriebe nannten die Befragten in erster Linie die Inlandsnachfrage, gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Für die Einzelhändler ist der immens wichtige Umsatzbringer Dezember nicht mehr aufzuholen. Winterware, die zu einem Großteil nicht verkauft werden konnte, lässt sich nunmehr nur noch entsorgen oder mit deutlichen Preisabschlägen in der kommenden Saison verkaufen.

»Wichtig sind für die Betriebe jetzt die richtigen Signale aus der Politik«, fordert der IHK-Chef. »Es fehlt zurzeit auf ganzer Linie eine Öffnungsperspektive, die der Wirtschaft Mut und Hoffnung verschafft.« Ohne einen planbaren Rahmen drohe ein flächendeckender Kriechgang mit weitreichenden Einbrüchen bei Produktion und Beschäftigung.

Teilweise etwas aufgehellt

Etwas aufgehellt ist die aktuelle Stimmung laut IHK-Umfrage in der Industrie außerhalb von Automobil. Viele Unternehmen haben sich auf die Produktion unter Corona-Bedingungen eingestellt. Rund sieben von zehn Unternehmen bewerten die derzeitige Lage als gut oder befriedigend, eine Verbesserung gegenüber der Herbstumfrage (60 Prozent).

Ein anderes Bild zeichnet sich unter den Zulieferern der Automobilindustrie ab. In manchen regionalen Automobilzuliefererbetrieben sind die Einbrüche aufgrund einer ausbleibenden Nachfrage, beispielsweise nach Produkten für Verbrennermotoren, gravierend. Eine Umstellung auf andere Produkte könne nur mittelfristig erfolgen.

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