Die Corona-Impfung soll der Weg aus der Pandemie sein. Doch der Impfstoff ist noch immer knapp und es treten immer wieder Fragen zur Terminvergabe und den Impfstoffen auf. (Symbolbild)
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Die Corona-Impfung soll der Weg aus der Pandemie sein. Doch der Impfstoff ist noch immer knapp und es treten immer wieder Fragen zur Terminvergabe und den Impfstoffen auf. (Symbolbild)

Interview zur Terminvergabe

Corona-Impfung: Wetteraukreis klärt zu Terminvergabe und Verzicht auf offene Nachrückerliste auf

  • VonSophie Mahr
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Seit die Hausärzte mitimpfen, herrscht Verunsicherung darüber, wo man sich am besten für einen Impftermin registriert. Kreispressesprecher Michael Elsaß hat die Fragen der WZ beantwortet.

Wo registriert man sich derzeit für einen Impftermin? Sollte man sich weiterhin beim Land für einen Termin im Impfzentrum in Büdingen registrieren oder doch besser beim Hausarzt nachfragen?

Michael Elsaß: Man sollte aus Gründen der Fairness nur auf einem Portal um einen Impftermin nachsuchen. Wer bereits registriert ist, wartet ab. Wer noch nicht registriert ist, kann sich auch beim Hausarzt melden, sofern er der Priorisierungsgruppe 1 oder 2 angehört. Man kann beide Wege nutzen, sollte aber bei einer Anmeldung über das Landesportal direkt absagen, wenn der Termin kommt, nachdem man anderweitig schon versorgt worden ist. Damit besteht die Möglichkeit, dass der abgesagte Termin weitervergeben werden kann.

Warum werden derzeit die Priorisierungsgruppen 1 und 2 geimpft?

Das ist das Ergebnis aus den Beratungen der Stiko - der Ständigen Impfkommission - und der Ethikkommission. Damit wurde es zur Vorgabe für alle, die impfen.

In welcher Altersstufe wird gerade geimpft wird?

Wir sind noch immer in den Priorisierungsgruppen 1 und 2. Durch Beschlüsse der Landesregierung wurde jetzt gerade eine neue Berechtigungsgruppe, Lehrer an allgemeinbildenden Schulen, eingeschleust - vorher schon Grundschulbedienstete und Menschen, die in Kitas arbeiten. Wann die nächste Gruppe an die Reihe kommt, hängt von der Impfstoffzuweisung ab.

Wie erfolgt die Priorisierung der Impfungen bei den Hausärzten?

Nach den gleichen Kriterien wie beim Impfportal. Allerdings kennen die Hausärzte ihre Patienten und wissen, wer zur besonders vulnerablen Gruppe gehört.

Corona-Impfungen im Wetteraukreis: „Grundsätzlich versuchen wir, besondere Dringlichkeit zu erkennen“

Es wurde berichtet, dass manche Termine auch vorverlegt werden konnten. Gibt es derzeit noch freie Termine?

Weil es in den letzten Tagen vorkam, dass Termine nicht wahrgenommen wurden, wurden auf unsere Veranlassung zusätzliche Termine durch das Land vergeben.

Der Kreis bzw. das Gesundheitsamt vergeben auch eigene Termine. Wer kann sich über das Gesundheitsamt registrieren?

Wir haben eine Liste mit Menschen, die dringend auf die Impfung angewiesen sind, weil für sie eine Covid-Infektion lebensbedrohliche Folgen haben könnte. Das sind zum Beispiel Menschen, die auch ohne Covid aufgrund ihrer schwachen Lungenfunktion auf Sauerstoffgaben angewiesen sind. Das gilt auch für schwer krebskranke Menschen oder Menschen, die regelmäßig zur Dialyse müssen.

Haben diese Menschen sich selbst beim Kreis gemeldet oder ihre Hausärzte? Können Menschen, die zu den genannten Gruppen gehören und nicht auf der Liste stehen, sich beim Gesundheitsamt melden?

Das Gesundheitsamt hat gezielt entsprechenden Institutsambulanzen, Fachärzten und Hausärzten angeboten, besonders gefährdete Patienten zu melden, die dann nach Prüfung auch schneller einen Termin bekommen haben. Dazu zählen unter anderem Transplantierte, Dialyse-Patienten, Menschen mit schweren Lungenerkrankungen, Menschen mit speziellen Therapien, Krebspatienten. Selbstverständlich versuchen Menschen auch durch direkte Eingabe ans Gesundheitsamt an einen Termin zu kommen. Grundsätzlich versuchen wir aber, die besondere Dringlichkeit zu erkennen. Denn formal berechtigt sind wesentlich mehr Menschen als wir derzeit Impfstoff zur Verfügung haben.

Warum hat der Wetteraukreis keine Nachrückerliste, um ausfallende Impftermine zu vermeiden?

Bislang hatten wir kaum Impfreste, die wurden für den eben genannten Personenkreis eingesetzt. Also haben wir eine Nachrückerliste, in die sich allerdings nicht jedermann ohne echte Prio einbuchen kann. Wir wollen die Prioritätenliste der Stiko und des Ethikrates beibehalten. Solange nicht alle besonders vulnerablen Gruppen geimpft sind, macht es wenig Sinn, solche offenen Listen aufzumachen. Bis darüber ein Impftermin zustande kommt, kann es für die meisten viele Wochen oder gar Monate dauern.

Was passiert, wenn jemand einen Termin nicht wahrnehmen möchte, weil er einen bestimmten Impfstoff haben will?

Dann soll er sich abmelden und versuchen, einen Termin beim Hausarzt zu bekommen, oder warten, bis der derzeitige Impfstoffmangel vorüber ist und freie Auswahl besteht.

Wie wird bei jungen Menschen vorgegangen, die bei der Erstimpfung AstraZeneca erhalten haben?

Darüber gibt es noch keine abschließende Beurteilung.

Corona-Impfungen im Wetteraukreis: „Impfbescheinigung im Impfpass deponieren“

Was passiert, wenn man bei seinem Termin im Impfzentrum den Impfpass vergessen hat oder man gar keinen besitzt?

Man bekommt eine Bescheinigung zum Nachtragen ausgestellt. Diese Impfbescheinigung kann auch noch in den nächsten Jahren in den Impfpass umgetragen werden. Daher einfach die Bescheinigung im Impfpass deponieren. Wenn die Pandemie mal vorbei sein sollte, wird das Gesundheitsamt gerne beim Umschreiben behilflich sein. Zwischenzeitlich gibt es vielleicht bezüglich der Impfdokumente noch Innovationen auf EU- oder Bundesebene.

Aus welchem Grund liegt dem Kreis keine Information darüber vor, wie viele und auch welche Personen über die Hausärzte geimpft werden?

Wir haben in der Vergangenheit aus unseren Beständen die Hausärzte mit AstraZeneca versorgt. Die Versorgung mit Biontech und Moderna erfolgt über die Lieferketten der Apotheken ohne Beteiligung des Gesundheitsamtes. Das vereinfachte Dokumentationsverfahren für Hausärzte läuft auf separaten Wegen ans RKI, nicht über unser Impfzentrum. Was auch Sinn ergibt, da längerfristig hierüber alle Impfungen laufen werden.

Planen Sie Impfdosen von Johnson & Johnson bereits mit ein?

Wie Sie den Medien entnehmen konnten, gab es ja Probleme nach Impfungen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson. Die Lieferungen wurden zunächst einmal gestoppt, die Markteinführung in Europa verschoben. Insofern können wir dazu derzeit nichts sagen.

Wie kann man einen Termin im Impfzentrum kurzfristig absagen, wenn man bereits durch den Hausarzt geimpft worden ist?

Termine, die das Gesundheitsamt oder Impfzentrum direkt vergibt, sind immer mit einer Abmeldeoption versehen. Termine, die das Land fürs Impfzentrum vergeben hat, sind so früh wie möglich direkt beim Land abzusagen, online unter impfterminservice.hessen.de oder telefonisch unter 116 117 oder 06 11/50 59 28 88.

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