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Auch Hundefreunde durften sich oftmals nicht treffen. Inzwischen können sie wieder miteinander spielen - dieser kleine Hund freut sich besonders.

Tierhaltung in der Pandemie

Wetterauer Tierärztin: Corona-Hunde müssen vom Home-Office entwöhnt werden

Eine Wetterauer Tierärztin rät: Corona-Hunde sollen vom Home-Office der Besitzer behutsam entwöhnt werden. Die Pandemie hat auch bei den Vierbeinern Spuren hinterlassen.

Wetteraukreis – Beim Spaziergang mit einem kleinen struppigen Terrier im Ockstädter Kirschenberg ist uns eine andere Hundehalterin mit ihrem australischen Hütehund begegnet. Dieser konnte sich beim Anblick seines Artgenossen schier nicht mehr beruhigen. Obwohl die hübsche junge Hündin bellte und tobte, konnte ich im Gespräch mit der Besitzerin dann immerhin den Grund für dieses eher ungewöhnliche Verhalten erfahren: Es handele sich um einen sogenannten Corona-Hund!

Zur Person: Cornelia Renczes

Tierärztin Cornelia Renczes lebt seit 1983 in der Wetterau. Die WZ-Kolumnistin hat Veterinärmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen studiert und am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim promoviert. Sie hat zwei Hundesachbücher geschrieben, Fachvorträge für Hundehalter und Züchter gehalten. Sie gibt Hilfestellung bei unterschiedlichen Verhaltensproblemen bei Hunden auch durch Beschäftigungen wie Mantrailing oder Welpenprägestunden.

Diesen Vierbeinern mangele es wegen der Pandemie an der nötigen Sozialisierung in ihren ersten Lebensmonaten. Leider ist das nicht ganz von der Hand zu weisen. Schon ab der vierten Lebenswoche sollte ein Hundewelpe Kontakt zu möglichst verschiedenen Menschen haben und nicht nur seinen Züchter erleben. Ansonsten bleibt das Hundebaby schnell zurückhaltend bis ängstlich mit anderen Menschen.

Wetterau Tierärztin: Corona-Hunden fehlt der soziale Kontakt

Auch im neuen Zuhause war in den Monaten des Lockdowns viel weniger Besuch zugegen als sonst, ein Restaurantbesuch mit Hund war wie vieles andere unmöglich. Noch gravierender war die verfügte Schließung der Hundeschulen insbesondere für die jungen Hunde. In Welpenspielstunden lernen die Hundekinder schnell, dass nicht alle Artgenossen aussehen wie Mama und Geschwister, sondern völlig anders, und trotzdem tolle Spielpartner sein können. Kurznasen wie der Mops oder die französische Bulldogge schnorcheln mitunter vor sich hin, und bei manchen haarigen Exemplaren wie dem Bobtail oder auch dem Malteser ist manchmal schwer zu sehen, wo »vorne oder hinten« ist. Zudem werden alle Vierbeiner von ihren Zweibeinern begleitet, und so lernen die Welpen nebenher noch jede Menge neuer Menschen kennen.

Mit älteren Hunden werden häufig weitere Kurse mit vielfältigen Kontakten besucht, all dies war in den vergangenen Monaten stark eingeschränkt. Das hat negative Folgen für manche Corona-Hunde gehabt. Der Gesetzgeber hatte diesbezüglich ein »Einsehen« und stufte Hundeschulen im Verlauf der Pandemie als Dienstleister ein. Das hat unter strengen Hygienevorkehrungen eine frühere Inbetriebnahme ermöglicht.

Wetterauer Tierärztin: Corona-Hunde müssen das Alleinbleiben erst lernen

Auch ein anderer Aspekt unseres Lebens hat sich während der Pandemie mitunter drastisch verändert: Durch Lockdown und Homeoffice verbringen viele Menschen viel mehr Zeit in den eigenen vier Wänden. Ginge es nach unseren Hunden, bliebe diese Situation gerne dauerhaft bestehen: immer ein menschliches Rudelmitglied zu Hause, kein nerviges Warten bis endlich Herrchen oder Frauchen wieder heimkommen und mehr Zeit für Outdoor-Aktivitäten. Ist während der Pandemie ein junger Hund eingezogen, hat er vielleicht noch gar nicht erlebt, dass mitunter auch mal Alleinbleiben angesagt ist.

Auch der Hund ist ein Gewohnheitstier und muss deshalb unbedingt auf die anstehenden Veränderungen und die Rückkehr in den Alltag vorbereitet werden. Ein behutsames Training und eine Entwöhnung von der dauernden Anwesenheit des Besitzers ist unumgänglich. Auch Hunde, die in Hundepensionen oder fallweise von Hundesittern betreut werden, sollten damit langsam wieder vertraut gemacht werden. Den Hunden mit Geduld und Verständnis wieder das Alleinbleiben beizubringen, ist unumgänglich. Schließlich müssen Futter, Leckerli, Körbchen und was das fellige Familienmitglied sonst noch braucht vom Zweibeiner mehr oder weniger sauer verdient werden. Im Ausgleich können wir den Vierbeinern wieder spielerfüllte Hundetreffs und alle möglichen Hundesport-Aktivitäten bieten. (Cornelia Renczes)

Um Hunde kümmert sich auch das Kreistierheim der Wetterau, die Pflegerinnen dort haben es bisweilen mit unberechenbaren Tieren zu tun.

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