Gemeinsames Singen mit Maria Schmukat (Mitte) gehört zum Programm des Ausbildungskurses für die künftigen ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen.
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Gemeinsames Singen mit Maria Schmukat (Mitte) gehört zum Programm des Ausbildungskurses für die künftigen ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen.

Corona-Pandemie

Corona: Hospizhilfe Wetterau plötzlich völlig ausgebremst

  • vonHarald Schuchardt
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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben auch die Mitglieder der Hospizhilfe Wetterau hart getroffen und in ihrer Arbeit stark beeinträchtigt. Mittlerweile ist der erste Schock überwunden.

Maria Schmukat, eine der beiden Koordinatorinnen der Hospizhilfe Wetterau, denkt ungern an die letzten Monate zurück. Wie die meisten Mitglieder fiel sie zunächst in ein tiefes Loch. »Uns alle im Verein hat diese Corona-Zeit und die damit verbundenen Einschränkungen sehr betroffen gemacht. Wir kamen uns wie gelähmt vor«, sagt Schmukat.

Gerade in einer Krise, in der Themen wie Krankheit, Sterben, Tod und Trauer in der Bevölkerung massiv präsent waren, kam die Arbeit der Hospizhilfe zum Stillstand. »Wir wurden nicht nur völlig ausgebremst, sondern durften in bestimmten Bereichen auch nicht tätig werden«, berichtet die Koordinatorin. Den Mitgliedern sei in diesem Moment bewusst geworden, dass die Hospizhilfe mit ihrer Arbeit nicht selbstverständlich dazugehöre.

Gerade Sterbebegleiter fühlten sich dem System bisher zugehörig - als eine Säule, die das System trägt. Für Schmukat gilt es, aus den letzten Monaten Lehren zu ziehen: »Wir werden gemeinsam mit anderen Hospizvereinen und den Verbänden daran weiterarbeiten, in der Politik ein Umdenken zu bewegen, damit in der nächsten Krise unsere Arbeit zu einem Selbstverständnis wird.«

Trotzdem ging und geht die Hospizarbeit weiter. So wurde im letzten Monat ein Hausgast aufgenommen und von den ehrenamtlichen Helfern betreut, versorgt und bis zum Tod begleitet. Schmukat: »Wir haben Möglichkeiten geschaffen, damit dies auch mit der nötigen und gewünschten Wärme und Nähe passieren konnte.«

Corona trifft Wetterauer Hospizhilfe: Arbeiten an der frischen Luft

Begonnen hat inzwischen auch ein neuer Kurs zur Ausbildung von ehrenamtlichen Sterbebegleitern. Dieses Seminar sollte ursprünglich im Frühjahr veranstaltet werden. Da das Interesse der zwölf angemeldeten Teilnehmerinnen ungebrochen groß war, wurden die Verantwortlichen kreativ und suchten nach Umsetzungsmöglichkeiten. Weil ein solcher Kurs vom persönlichen Austausch miteinander lebt, kam eine Online-Schulung für die Verantwortlichen allerdings nicht infrage.

So wurde der 80 Stunden umfassende Kurs in zwei Gruppen mit jeweils sechs Teilnehmerinnen aufgeteilt, damit in den Räumen genügend Platz ist, um den nötigen Abstand halten zu können. Gruppenarbeiten und Übungen sind nur unter Auflagen möglich. Da zum Haus des Vereins in der Friedberger Fichtenstraße auch ein großer Garten gehört, wird - wann immer möglich - an der frischen Luft gearbeitet.

Allerdings fallen die 40 Stunden Praktikum derzeit weg. »Wir versuchen, diesen Verlust mit vielen Erfahrungsberichten zu kompensieren«, sagt Schmukat im Verlauf des Einführungswochenendes einer der beiden Gruppen. »Ich habe beruflich mit Pflege zu tun und ein passendes ehrenamtliches Projekt gesucht«, begründet Jessica Rotter, die in Butzbach in der Betreuung arbeitet, ihre Teilnahme. Zwei Teilnehmerinnen sind Mitglieder der Karbener Hospizhilfe. »Wir sind sehr froh, dass wir hier die Ausbildung erhalten«, sagt die Karbenerin Manuela Vetter, eine gelernte Krankenschwester. Aufgelockert werden die Ausbildungseinheiten mit vielen Gesprächen in den Pausen und gemeinsamem Singen.

Corona trifft Wetterauer Hospizhilfe: Schulprojekt unterbrochen

Etwas traurig ist Schmukat, dass die Projektwoche »Hospiz macht Schule« derzeit nicht angeboten werden kann. »Es ist eine so wichtige Arbeit, in den Schulen mit den Kindern über Tod und Sterben sowie die damit verbundenen Gefühle zu sprechen. Wer weiß, wann diese Aktion wieder von den Schulen angefragt wird und wieder angeboten werden darf«, sagt Schmukat. Wie sie festgestellt hat, haben die Anfragen nach Trauergesprächen und Trauerbegleitungen in der Corona-Zeit zugenommen.

Deshalb soll das Trauercafé so bald wie möglich wiedereröffnet werden. Bis es so weit ist, werden vom Trauercafé-Team gemeinsame Spaziergänge mit Interessenten angeboten. Für Gesprächstermine stehen die Räume im Hospizhaus in der Fichtenstraße zur Verfügung.

Da zahlreiche geplante Veranstaltungen, wie Theatervorführungen oder Vorträge nicht durchgeführt werden konnten, fehlen dem Verein auch Spenden, die bei solchen Terminen normalerweise zusammenkommen. Schmukat sagt: »Wir sind über jede Spende, gerade in dieser Zeit, sehr dankbar.«

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