Corona in Deutschland: Eine Altenpflegerin führt einen Antigen-Corona-Schnelltest durch.
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In Deutschland werden täglich Tausende von Bürgern auf das Coronavirus getestet. Doch wer die Kosten dafür übernimmt, ist nicht in allen Fällen klar. (Symbolfoto).

Verärgerter Klinik-Patient

Corona-Test: Wer zahlt? Verärgerter Klinik-Patient aus Friedberg schildert Hickhack

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Vor einer OP muss ein Friedberger einen Corona-Test machen - doch wer zahlt diesen? Verordnungen und Zuständigkeiten zur Bekämpfung des Coronavirus verwirren Bürger.

  • Wer bezahlt einen Corona-Test der vor einer OP im Krankenhaus nötig ist?
  • Wegen ständig wechselnden Coronavirus-Testverordnungen herrscht oft Verwirrung bei Patienten und Ärzten.
  • Manfred Werthaler (Name geändert) aus Friedberg berichtet von seinen Erfahrungen.

Friedberg - Die Blasen-Operation ist fällig - Corona hin oder her. Manfred Werthaler (Name geändert) aus Friedberg hat einen Termin für den 3. Dezember in einer Frankfurter Klinik erhalten. In Zeiten der Pandemie ist vor der Aufnahme in dem Krankenhaus, das Corona-Patienten behandelt und zeitweise mit Infektionen von Beschäftigten Probleme hatte, ein Covid 19-Test notwendig. Für diese Forderung hat der Rentner aus Friedberg durchaus Verständnis - nicht aber für das folgende Hickhack.

Friedberg: Wer bezahlt Corona-Test vor OP?

Rechtzeitig vor dem OP-Termin wurde Manfred Werthaler informiert, dass der erforderliche Test nicht in der Klinik vorgenommen werden könne. »Die Anruferin sagte, das Krankenhaus sei überlastet, ich solle den Test woanders machen lassen.« Der Patient wandte sich deshalb an seinen Hausarzt, der namentlich nicht genannt werden möchte. Auskunft: Getestet werden kann, doch die Kosten müsse Manfred Werthaler selbst tragen. Eine Abrechnung mit der Krankenkasse sei in diesem Fall nicht möglich.

»Für mich ist das völlig unverständlich. Wer aus einem Risikogebiet einreiste, konnte sich lange Zeit am Flughafen kostenlos testen lassen. Und bei einer notwendigen Operation soll ich selbst zahlen?« Diese Regelung wollte sich dem Rentner nicht erschließen. Zwar hat er kein Problem, die 60 Euro aufzubringen, doch es geht ihm auch ums Prinzip. »Es gibt genügend Leute, für die dieser Betrag eine Menge Geld ist«, sagt der Friedberger.

Er wandte sich deshalb an die Techniker Krankenkasse (TK), bei der er versichert ist. Wie sich dort herausstellte, war die Auskunft des Hausarztes korrekt - in diesem Fall könne die TK die Kosten nicht übernehmen. Als letzter Ansprechpartner blieb Manfred Werthaler das Kreisgesundheitsamt. Doch auch dort erhielt er keine andere Auskunft.

Friedberger Hausarzt: Corona-Testverordnungen ändern sich ständig

Der Friedberger ist nicht der einzige, der solche Regelungen nicht versteht, zumal die Coronavirus-Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums seit Ausbruch der Pandemie mehrfach geändert worden ist. »Die Ärzteschaft ist zurzeit völlig konfus, weil sich Regeln, Abrechnungsziffern und ICD-Codes, die eine Abrechnung legitimieren, dauernd ändern. Leider ist der Verordnungsgeber nicht in der Lage, eine einfache, konsistente und für uns auskömmliche Teststrategie vorzugeben«, erklärt der Hausarzt von Manfred Werthaler gegenüber der WZ.

Zum Abbau der Konfusion beizutragen, der Ärzte und Patienten offenbar ausgesetzt sind, gelingt der Techniker Krankenkasse und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen kaum. Wie KV-Pressesprecher Alexander Kowalski wissen lässt, habe ein Patient ohne Corona-Symptome, der sich einer Operation unterziehen muss, Anspruch auf einen Test, den die Klinik verlange. Dieser Test könne unter anderem vom Hausarzt vorgenommen werden. Die Kosten würden tatsächlich nicht von der Krankenkasse getragen, sondern vom Bundesamt für Soziale Sicherung. »Der Patient muss den Test demnach nicht selbst bezahlen«, erklärt der KV-Sprecher.

Techniker Krankenkasse: Klinik ist in der Pflicht

Die TK sieht dagegen die behandelnde Klinik in der Pflicht. »Nach der Coronavirus-Testverordnung hat der Patient Anspruch, dass der Test am Krankenhaus durchgeführt wird. Kann das Krankenhaus den Coronavirus-Test aus internen betrieblichen Gründen nicht durchführen, führt dies nicht zu einer Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkasse«, betont TK-Pressesprecherin Denise Jacoby. Sie verweist noch auf die »grundsätzliche Möglichkeit«, sich in solchen Fällen ans zuständige Gesundheitsamt zu wenden.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung zahlt das Bundesamt für Soziale Sicherung, nicht der Patient - laut Krankenkasse soll die Klinik testen, nicht der Hausarzt - laut Hausarzt muss der Patient die Rechnung begleichen, nicht die Krankenkasse: Für Verwirrung dürfte bei Manfred Werthaler angesichts dieser Auskünfte ausreichend gesorgt sein.

Neue Corona-Testverordnung: Bundesamt für Soziale Versicherung zahlt

Mitte November hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen ein weiteres Mal Informationen an Arztpraxen bezüglich der Abrechnung von Corona-Tests verschickt. Grundlage ist die Mitte Oktober verabschiedete neue Coronavirus-Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums. Danach müssen die Kosten für alle Patienten, bei denen der Hausarzt einen Infektionsverdacht hegt, von der jeweiligen Krankenkasse übernommen werden. Nach Ansicht der KV sind die Kassen auch gefordert, wenn eine Corona-Warn-App Alarm schlägt und deshalb ein Test erforderlich wird. Das sieht die Techniker Krankenkasse anders: Tests aufgrund einer App-Warnung gehörten nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung.

Für alle Personen, die keine Covid 19-Symptome aufweisen, aus unterschiedlichen Gründen aber trotzdem getestet werden müssen, trägt laut KV das Bundesamt für Soziale Sicherung die Kosten. Dazu gehören das Personal von Arztpraxen, Kliniken, Altenheimen und ähnlichen Einrichtungen, Kontaktpersonen von Covid 19-Infizierten, Patienten von Kliniken, Lehrer und Einreisende aus Risikogebieten. Wer nicht zu einer dieser Gruppen gehört und auch keine Corona-Symptome zeigt, kann sich ebenfalls testen lassen, muss die Kosten aber selbst tragen.

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