Etwa die Hälfte der aktuellen Mietforderungen seien gestundet, sagt Wobau-Geschäftsführer Reimund Bell (r.) - hier mit Prokurist Torsten Gräf. 
+
Etwa die Hälfte der aktuellen Mietforderungen seien gestundet, sagt Wobau-Geschäftsführer Reimund Bell (r.) - hier mit Prokurist Torsten Gräf. 

Kein Geld, dafür Probleme

Corona und die Folgen für Wetterauer Mieter und Vermieter

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
    schließen

Kurzarbeit, gar kein Job - wegen Corona haben viele Menschen weniger Geld. Was ist, wenn es nicht mehr für die Miete reicht? Wetterauer Mieter sind in Sorge - Vermieter allerdings auch.

Die Corona-Pandemie macht vielen Mietern das Leben schwer - weil das Geld knapp wird. "Besonders zu Beginn der Pandemie haben wir vermehrt Anfragen von Mietern erhalten, hauptsächlich im gewerblichen Bereich", sagt Reimund Bell, Geschäftsführer der Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft (Wobau). Er meint damit Anfragen, ob man nicht die Miete stunden könne. Besonders betroffen seien gastronomische Betriebe, Einzelhandel und Dienstleistungsbetriebe. Die Wobau habe ihren Mietern sofort die Möglichkeit eingeräumt, Stundungs- und Ratenzahlungen zu vereinbaren, sagt Bell.

Etwa die Hälfte der aktuellen Mietforderungen seien gestundet, was derzeit rund 150 000 Euro entspreche. Durch die Corona-Lockerungen habe sich die Situation mit den Mietzahlungen noch nicht wesentlich verbessert, sagt Bell. "Zum jetzigen Zeitpunkt zeichnet sich eine positive Entwicklung noch nicht ab." Die Auswirkungen würden sich erst im Laufe der nächsten Monate zeigen.

Problem: Parkplätze kaum genutzt

Auch in Sachen Parkplätze ist die Wobau finanziell von der Krise betroffen. Reimund Bell macht es konkret: "Das Parkdeck Schwalheimer Straße beispielsweise wurde durch den Schulausfall kaum noch genutzt, für das Parkdeck am Hochwaldkrankenhaus gibt es ebenso Einnahmeverluste, weil der Klinikbetrieb nur eingeschränkt möglich war. Auch unsere Tiefgarage In den Kolonnaden und das Parkdeck Sprudelhof wurden durch Schließung des Einzelhandels wenig in Anspruch genommen. Insgesamt sprechen wir hier von Einnahmeverlusten in Höhe von knapp 100 000 Euro."

Für laufende Maßnahmen hat all das laut Geschäftsführer aber keine Folgen - mit einer Ausnahme: "Lediglich eine geplante Aufzugs sanierung im Bestand wurde aufgrund der erhöhten Ansteckungsgefahr in einer größeren Wohnanlage terminlich verschoben."

Beim Blick in die Zukunft tut sich Bell, wie vermutlich viele Menschen derzeit, schwer: "Die wesentlichen Auswirkungen sind nach heutigem Kenntnisstand nur sehr schwer vorhersehbar. Natürlich hoffen wir, dass sich die wirtschaftliche Lage in absehbarer Zeit stabilisiert und somit unsere Mietzahlungen gesichert sind."

Die Mitglieder von "Haus & Grund" Bad Nauheim verzichten derzeit auf alle Maßnahmen, die gerade nicht umgesetzt werden müssen, teilt Vorsitzender Norbert Witzel mit und verweist damit aktuell nicht zwingend notwendige Reparaturen. Eher ruhig sei es auch, was Zahlungsprobleme von Mietern angehe. Der Vorstand habe nur von wenigen Anfragen gehört. Diese Fälle würden einvernehmlich zwischen Vermieter und Mieter gelöst, sagt Witzel.

Norbert Witzel, Vorsitzender von "Haus & Grund" Bad Nauheim, sagt, dass die Vereinsmitglieder derzeit alle Maßnahmen ruhen lassen, die jetzt nicht unbedingt sein müssen.

Deutlich mehr Verwaltungsaufwand

Die Schwierigkeit mit den Versammlungen der Wohnungseigentümer ist eher ein Problem. Denn Versammlungen durften wegen der Pandemie bekanntlich einige Zeit nicht stattfinden und sind auch jetzt noch mit Einschränkungen verbunden.

Ins gleiche Horn stößt Witzels Vorstandskollege Walter Tafill. Er ist Chef eines Unternehmens für Haus- und Grundstücksverwaltung mit Sitz in Florstadt. Nicht immer stünden Räume für die Versammlungen zur Verfügung, Bürgerhäuser und Hotels hatten geschlossen, Abstandregeln gelten nach wie vor, so dass entsprechend Platz benötigt wird. Statt der persönlichen Treffen gab es Schriftverkehr. "Der Verwaltungsaufwand ist erheblich größer geworden", sagt Tafill.

Das Problem mit dem Taubennest

Der Immobilienverwalter spricht ein weiteres Corona-Problem an: "Wir haben Bewohner, die lassen niemanden in die Wohnung rein." Tafill erzählt von einem Fall aus Frankfurt: Bei einer Eigentümerin haben Tauben auf dem Balkon ein Nest gebaut. Die Frau ließ aber weder den Hausverwalter noch den Kammerjäger in die Wohnung. Das Nest müsste also von außen entfernt werden - mit großem Aufwand inklusive Straßensperrung und 3000 bis 5000 Euro Kosten, um Spikes für 120 Euro anzubringen.

Auch wenn es um die Kontrolle der Rauchmelder, den Wechsel von Zählern oder um den Besuch des Schornsteinfegers gehe, öffne so mancher Bewohner die Tür nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare