"Comedy-Garage" schließt

Friedberg (har). Wehmütig verließen die Fans das Autohaus Kuhl, wo zum 14. Mal die Comedy-Show "Vollgas" über die Bühne gegangen war. "Das war die letzte Comedy-Garage", verkündete Gastgeber Stephan Bauer den Besuchern. Veranstalter Harry Thyssen: "Wir haben es nicht geschafft, die Show wirtschaftlich zu machen".

Thyssen dankte Heike und Armin Kuhl für die Unterstützung und den Stammbesuchern, die den Umzug vom Café Kaktus ins Autohaus Kuhl mitgemacht haben: "Ihr habt euer Bestes gegeben, aber es hat nicht gereicht. Kulturell wird’s in dieser Stadt weitergehen" versprach Thyssen am Ende einer Show, in der alle vier Akteure zuvor bewiesen hatten, dass dieser Comedy-Mix etwas ganz besonderes gewesen ist. Knapp zwei Stunden lang hatten Stephan Bauer, Lisa Feller, Marco Tschirpke und Matthias Jung mit ihren ganz unterschiedlichen Formen von Comedy die Zwerchfelle der Besucher im Verkaufsraum des Autohauses strapaziert.

Das Lachen begann schon mit Bauers "Outing" als Katholik, der jetzt wieder in die Kirche geht, denn "dank meiner vielen Lebenskrisen habe ich wieder zu Gott gefunden" meinte der Badestädter, der sich über die immer größer werdenden Ähnlichkeiten von Mann und Frau ausließ. Dabei entpuppte sich das Zusammenleben Bauers mit seiner viel jüngeren Freundin als nicht einfach für ihn.

Das von Bauer angesprochene Beziehungsthema nahm Lisa Feller dankbar auf. Seit einem halben Jahr ist sie stolze Mutter, doch "… so ein Baby ist auch eine krasse Belastungsprobe für eine Partnerschaft", erklärte die Münsteranerin. Locker plauderte sie über alltägliche Probleme und schlüpfte blitzschnell in die unterschiedlichsten Rollen: vom brabbelnden Kleinkind über Teenager mit einem sehr beschränkten Wortschatz bis hin zu Partner Bernd und "Omma", die mit besonderen Lebensweisheiten brillierte. Jeden Zwischenruf aus dem Publikum nahm die junge Mutter auf. Vor allem die weiblichen Besucher kamen bei Fellers Schilderungen über ihren Frauenarztbesuch aus dem Lachen nicht mehr heraus. "Manchmal hab ich da einen Tunnelblick" meinte sie, und auch die Feststellung, dass man wahre Freunde erst nach der Ankündigung eines Umzugs kennen lernt, konnte so mancher im Saal nachvollziehen. Während Lisa Feller dynamisch und lautstark agierte, waren die beiden Auftritte von Marco Tschirpke genau das Gegenteil. Doch dank seines Wortwitzes und seiner genauen, meist völlig überraschenden Pointen konnte der Berliner die Besucher für sich gewinnen.

Tschirpke produziert eine Art literarisches Musikkabarett, wobei er auf seine beiden Charaktereigenschaften, die "tief verwurzelte Melancholie und eine gewisse Arroganz" ebenso setzt wie auf seine große Musikalität, die er vor allem am Piano mit virtuosen Spiel auslebte. Dabei nutzt er satirische Elemente wie seine "Hommage an die DDR" samt Anspielen der Nationalhymne ebenso brillant wie Wortspielereien á la Loriot oder Heinz Erhardt.

Daraus entstand eine poetische Musik-Comedy zum genauen Hinhören, um keinen der vielen vermeintlichen, meist knapp gefassten Geistesblitze zu verpassen. "Ich hab’ mich mit dieser Art Humor schon schwer getan", meinte Tschirpke plötzlich und unvermittelt. "Ich spiel’ mal was für Ihre Altersgruppe", war eine jener Formulierungen, mit denen er die Besucher aufmischte. Diese dankten es ihm mit Beifallsstürmen.

Ganz bodenständig ist dagegen Matthias Jung, wofür schon dessen Herkunft aus Hüffelsheim im Hunsrück mit 300 Einwohnern "von denen 280 muh machen", steht. Natürlich lebt er noch bei seinen Eltern und schläft manchmal noch bei "Mudder im Bett". Als "Landei" sieht er die Großstadt mit ganz anderen Augen und nimmt auf der Suche nach einer Freundin beim "Speed-Dating" die "Mudder" lieber mit. Matthias Jung erzählt nicht nur, er unterhält sich mit den Besuchern. So konnte sich jeder bildlich vorstellen, was er meinte, wenn er erzählte, dass "im Bio-Laden die Biotonne an der Kasse sitzt".

Alle Comedians wurden beim großen Finale stürmisch gefeiert, bevor es zum überraschenden Ende kam. "Sogar mir als Nauheimer hat es Spaß gemacht", meinte Stephan Bauer. Nun hat der Spaß ein Ende.

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