Landrat Jan Weckler (r.) und Thomas Lori, Leiter des Fachdienstes Immobilienmanagement der Kreisverwaltung, auf dem Dach des Friedberger Kreishauses. Die Solarzellen wurden 2012 installiert und haben seitdem 350 000 Kilowattstunden Energie von der Sonne "geerntet". FOTO: PRW
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Landrat Jan Weckler (r.) und Thomas Lori, Leiter des Fachdienstes Immobilienmanagement der Kreisverwaltung, auf dem Dach des Friedberger Kreishauses. Die Solarzellen wurden 2012 installiert und haben seitdem 350 000 Kilowattstunden Energie von der Sonne "geerntet". FOTO: PRW

CO2-Ausstoß weiter senken

  • vonred Redaktion
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Wetteraukreis(prw). Mit der Fortschreibung seines Klimaschutzkonzepts setzt sich der Wetteraukreis ein ambitioniertes Ziel: Die CO2-Emissionen in den kreiseigenen Gebäuden sollen bis zum Jahr 2030 um mindestens 55 Prozent reduziert werden, verglichen mit dem Jahr 1990. Entwickelt wurden dafür auch Konzepte zu Heizungen und zu Beleuchtung, wie Landrat Jan Weckler mitteilt. Eine entsprechende Vorlage hat der Kreisausschuss dem Kreistag zur Beschlussfassung vorgelegt. Mit den Details werden sich zunächst die Fachausschüsse beschäftigen.

28 Gebäude untersucht

"Angesichts der dramatischen Entwicklung des Weltklimas dürfen wir uns auf den Erfolgen der Vergangenheit nicht ausruhen", sagt Weckler. "Wir müssen uns weiter anspruchsvolle Ziele setzen und können nicht darauf warten, dass andere anfangen."

Das Thema Klimaschutz hat den Kreistag schon häufig beschäftigt. 2009 hat das Gremium beschlossen, das europäische Klimaziel bis zum Jahr 2020 zu übertreffen, nämlich den Energieverbrauch an Wärme, Wasser und Strom um mindestens 30 Prozent statt der geforderten 20 Prozent zu senken. "Das haben wir auch geschafft", sagt Weckler.

Vor zwei Jahren hat der Kreistag beschlossen, das Klimaschutzkonzept für die kreiseigenen Liegenschaften fortzuschreiben. "Wir haben uns an einem Förderprojekt des Bundes beteiligt und durch ein Ingenieurbüro 28 geeignete Gebäude hinsichtlich Bauphysik, Wärmeerzeugung und Beleuchtung analysieren lassen, um daraus Sanierungsempfehlungen abzuleiten", erläutert Weckler. Insbesondere hätten die ausgewählten Gebäude entsprechende Einsparpotenziale, weil zum Beispiel die Wärmedämmung nicht den heutigen Ansprüchen genüge oder die Heizungsanlage veraltet sei.

Künftig sollen unter anderem diese Ziele erreicht werden: Neue Gebäude müssen der aktuellen Energieeinsparverordnung und dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz genügen. Bei Neubauten und Dachsanierungen wird der Einsatz von Fotovoltaikanlagen geprüft. Der Fuhrpark der Kreisverwaltung soll schrittweise auf alternative Antriebssysteme umgestellt werden.

Die Maßnahmen für die ausgewählten 28 Gebäude sollen bis Ende 2026 umgesetzt sein. Zudem soll weiterhin alle zwei Jahre ein Klimaschutzbericht erstellt werden, der alle kreiseigenen Liegenschaften berücksichtigt: Das sind mehr als 400 Gebäude in 88 Schulen und Gemeinschaftsunterkünften, zudem kommen die Verwaltungsgebäude in Friedberg und Büdingen hinzu.

Die Verbrauchsentwicklung aller kreiseigenen Liegenschaften hat sich laut Weckler in den letzten Jahren stetig nach unten entwickelt. Lag der Gesamtenergieverbrauch für Wärme und Strom im Jahr 1990 bei knapp 72 000 Megawattstunden bei einer Fläche von 325 000 Quadratmetern, so wurden 2018 knapp 47 000 Megawattstunden Gesamtenergieverbrauch gezählt bei fast 413 000 Quadratmetern. "Flächenbereinigt stellt das eine Abnahme des Energieverbrauchs um fast die Hälfte dar." Da gleichzeitig auch fossile Energieträger wie Gas und Öl durch Holz und Biogas ersetzt wurden, hat sich die Reduktion des CO2-Ausstoßes sogar von 23 700 Tonnen im Jahr 1990 auf 9250 Tonnen im Jahr 2018 reduziert.

Kinder werden "Klima-Experten"

"In dieser Dynamik werden wir weitere Energieeinsparungen sicherlich nicht fortsetzen können, aber es gibt noch Luft nach oben", sagt der Landrat. Beispiel: Heizölanlagen. Das Heizungskonzept sieht vor, drei Jahre vor Ablauf der maximalen Betriebszeit zu prüfen, in welcher Form ein Einsatz von regenerativen Energien für eine neue Heizung am jeweiligen Standort möglich ist.

Große Einsparmöglichkeiten sieht Weckler bei den Beleuchtungssystemen, weil noch in vielen Schulen T8-Leuchtstoffröhren im Einsatz seien. "Moderne LED-Leuchten haben einen rund zwei Drittel niedrigeren Energiebedarf." Eine neue Beleuchtung habe sich in wenigen Jahren amortisiert. Dies zeige, dass Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit keine Gegensätze sein müssten.

Doch auch der menschliche Faktor spiele beim Energieverbrauch eine große Rolle. Deshalb werde der Kreis sein Projekt "Klima-Experten" fortsetzen, bei dem Grundschulkinder in Kooperation mit Schülern der beruflichen Schulen weitergebildet würden.

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