laf_Kirchenchor_110621_4c
+
Damit der Kirchenchor Bönstadt wieder auftreten kann, wie hier beim Erntedankgottesdienst 2018, müssen noch einige Lockerungen folgen.

Wetterauer Chorgesang

Chöre warten darauf, wieder proben zu können

Während Sport wieder erlaubt ist, sitzen die Chöre auf dem Trockenen. Drei Wetterauer Chormitglieder und ihr Dirigent über digitales Durchhalten und die Vorfreude auf die Rückkehr in den Probesaal.

Lautes Singen ist aktuell ein gefährliches Hobby: Aerosole werden ausgestoßen, durch die sich das Coronavirus leicht übertragen kann. Eine Chorprobe, wie sie Sänger einst kannten, ist seit dem ersten Lockdown nicht mehr möglich gewesen.

Jan Frische aus Bönstadt dirigiert sechs Wetterauer Chöre. Nach anfänglichen Versuchen habe er entschieden, nicht im Freien zu proben. »Mit den vorgegebenen Abstandsregelungen können die Sänger weder den Nebenmann, noch den Dirigenten hören. Das macht eine Probe draußen fast unmöglich«, sagt Frische. Der 33-Jährige ziehe die digitale Chorprobe mit dem Programm »Jamulus« vor, solange man die Probenräume noch nicht nutzen könne. »Damit hat man den Chorklang beinahe ohne Verzögerung. Das ist eine gute Alternative, und man ist nicht vom Wetter abhängig. Der Nachteil ist, dass wegen der Technik nicht alle mitmachen können.«

Ob er in Kürze wieder proben kann, hänge von der Impfquote des jeweiligen Chores ab. »Diejenigen ohne Impfung brauchen einen tagesaktuellen Negativtest. Das ist ein großer Aufwand«, sagt Frische. In Hinblick auf die Abstände und Personenzahlen pro Quadratmeter hätten kleinere Chöre mit größeren Proberäumen einen Vorteil.

Frische vermisse vor allem die Auftritte. Auch die Geselligkeit, die für ihn Voraussetzung für musikalische Qualität sei, fehle sehr. Er schätzt, dass bis nach den Sommerferien die Präsenzproben wieder richtig starten können. »Das Licht am Ende des Tunnels strahlt hell, aber ein bisschen Tunnel haben wir noch vor uns. Wir müssen noch etwas durchhalten.«

Wetterauer Chöre: Digitale Probe habe Vorteile

Annika Möller singt im Kirchenchor Bönstadt. Von März bis Juli 2020 habe sie gar keine Probe gehabt. »Wir haben Übungsaufnahmen bekommen, damit wir nicht einrosten«, sagt die 22-Jährige. Von Juli bis Oktober habe der Chor sowohl in der Kirche, als auch im Bürgerhaus mit den vorgegebenen Abstandsregeln geprobt. Als die Proberäume dann schlossen, habe der Chor nach einer Alternative gesucht. »Seit April proben wir digital«, sagt Möller. Die Studentin sei aber kein Fan davon. »Es hat Vorteile. Man kann zum Beispiel einzelne Stimmgruppen stummschalten, die einen sonst rausbringen würden.« Die digitale Probe spare außerdem Zeit. »Das ist aber eine Zeitersparnis auf Kosten der Geselligkeit«, sagt Möller. »Trotzdem ist es besser als nichts.« Am meisten freue sie sich auf das Zusammensein, sobald die Präsenzproben wieder stattfinden. »Es sind die banalen Gespräche vor und nach den Proben. Das macht die Gemeinschaft aus.« Sie vermisse außerdem die Auftritte beim Gottesdienst. »Ich hätte mal wieder richtig Lust, ein Konzert zu singen.«

Gerhard Einhoff ist Sänger im Basilikachor Ilbenstadt. Nach dem ersten Lockdown habe der Chor es mit Proben im Freien versucht. »Das ging aber nur in Stimmgruppen. Mit den Abstandsvorgaben hatten wir nicht für alle Platz«, sagt der 53-Jährige. So hätten Alt und Tenor sowie Sopran und Bass zusammen geprobt. »Das ist einfach nicht so schön.« Auch der Basilikachor probe seit einer Weile mit »Jamulus«. »15 Sänger sind bei den digitalen Proben nicht dabei, Es ist nicht jedermanns Sache«, sagt Einhoff.

Wetterauer Chöre: Digitale Probe kann gemeinschaftliches Singen nicht ersetzen

Er glaubt, dass die digitalen Proben auch für zukünftige Präsenzproben von Vorteil sein könnten. »Man muss sich auf sich selbst konzentrieren, um Tempo und Takt zu halten. Das ist eine gute Übung.« Auch ihm fehle neben den Auftritten für die Gemeinde die Gemeinschaft sehr. »Wir bereiten uns schon auf das Sängerjahr 2022 vor und sind optimistisch, dass wir bald wieder richtig proben können.«

Regine Ries ist nicht nur Sängerin im Weckesheimer Chor, sondern auch die 1. Vorsitzende des Vereins. »Da der Altersdurchschnitt bei uns hoch ist, konnten wir nicht digital proben«, sagt Ries. Der Vorstand hoffe aber, dass der Chor das Bürgerhaus ab Juli wieder nutzen kann. »Wir fragen uns: Kommen nach so langer Zeit die Sängerinnen und Sänger überhaupt wieder?« Auch aus finanzieller Sicht müsse bald etwas passieren. »Wir müssen Veranstaltungen machen, sonst hat der Verein bald Geldsorgen«, sagt Ries. Die 62-Jährige sei aber optimistisch, dass es bald wieder losgehen könne. »Bei uns sind schon 80 Prozent der Chormitglieder durchgeimpft. Wir können also hoffentlich schon sehr bald wieder proben. Wir sind voller Vorfreude.«

Wetterauer Chöre: Manche proben bereits im Freien

Während Jan Frische und seine Chöre auf Proben im Freien aufgrund der akustischen Schwierigkeiten verzichten, haben andere Wetterauer Chöre den Betrieb unter Einhaltung der Abstandsregelungen wieder aufgenommen. Das Argument der guten Akustik und Hörbarkeit steht dem der Sehnsucht nach dem liebsten Hobby gegenüber - beides legitime Argumente.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare