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In der Stadthalle Friedberg hat das große Auszählen begonnen. Die Stimmzettel, auf denen die Wähler Stimmen angehäuft oder Namen durchgestrichen haben, sind im bisherigen Trendergebnis noch nicht berücksichtigt und könnten alles auf den Kopf stellen.

Kommunalwahl in Friedberg

CDU und Grüne in Friedberg vorn: Doch mehr als nur ein Trend?

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Mit leichter Verspätung hat auch Friedberg ein Trendergebnis der Kommunalwahl veröffentlicht. Die Hälfte der Stimmen ist ausgezählt. Können die Grünen die CDU noch einholen?

Friedberg – Seit 20 Jahren stellt die CDU in Friedberg mit Hendrik Hollender den Stadtverordnetenvorsteher. Derzeit sieht es ganz danach aus, als könne Hollender sein Amt in der folgenden Wahlperiode fortführen. Aber sicher ist das nicht. Laut Trend liegt die CDU bei 29,83 Prozent, die Grünen liegen nur rund vier Prozent zurück. Ob das noch aufzuholen ist? Klar dürfte sein, dass die Grünen die SPD vom 2. Platz vertrieben haben und die Sozialdemokraten der große Verlierer der Wahl sind.

Die Wahlzettel mit kumulierten und panaschierten Stimmen müssen noch ausgezählt werden. Der CDU-Vorsitzende Bernd Wagner ist guter Dinge. »Wir hoffen, dass wir noch dazugewinnen.« So sei es bei den beiden letzten Wahlen gewesen. Vom bundesweiten Abwärtstrend der CDU, bedingt durch eine eher suboptimale Performance der Bundesregierung in Sachen Corona und die unmoralischen Masken-Deals, blieb Friedberg offenbar verschont. Warum das offenbar so ist? »Wir sind mit unseren Aktionen nah an den Bürgern dran«, sagt Wagner. »Wir sind keine Überflieger, sondern Menschen wie du und ich. Wir sind bürgernah, und das nimmt man uns auch ab.«

Stadtparlament Friedberg nach Kommunalwahl: Der Nachteil des bisherigen Modells

Gespräche mit den anderen Fraktionen werde es sicher geben. Ob daraus eine Koalition folgt, bleibe abzuwarten. Die Politik der wechselnden Mehrheiten funktioniere, sagt Wagner, aber sie habe Nachteile. »Der große Wurf ist niemandem in den letzten fünf Jahren gelungen.« Weil Kompromisse gemacht werden müssen. Aber wie alle anderen Parteisprecher sagt Wagner: »Warten wir mal das Endergebnis ab.«

»Das ist nicht das Ergebnis, das wir uns wünschen«, sagt SPD-Sprecher Dr. Klaus-Dieter Rack. Auch er hofft auf die kumulierten und panaschierten Stimmzettel. »Der Trend ist ernüchternd angesichts unserer sachpolitischen Initiativen für bezahlbaren Wohnraum oder die Nutzung des Joh-Gebäudes. Auch unsere Aktion mit den Einzelhändler hat sich nicht ausgezahlt.« Bleibe es bei nur acht Mandaten, sei das ein »Aderlass«, räumt Rack ein. »Die SPD wird ihr politisches Engagement deswegen aber nicht aufgeben. Für uns heißt das: Jetzt erst recht.«

Die Grünen sind mit dem Trend »sehr zufrieden«, sagt Stadtrat Markus Fenske. »Wir haben auf die richtigen Themen gesetzt: Klimaschutz, Windkraft und Stadtentwicklung. Mit diesem Ergebnis endet der Stillstand in Friedberg. Wir werden mehr und schneller in die soziale Infrastruktur investieren«, verspricht Fenske. Manches lasse sich freilich nicht rückgängig machen: »Wir hätten ein Bürgerzentrum in der Stadtmitte für wichtiger erachtet als in ein weiteres Rathaus zu investieren«, sagt Fenske.

Holen die Grünen die CDU noch ein? »Das wäre erfreulich und rein rechnerisch möglich. Aber das erwarten wir nicht zwingend.« Das gute Abschneiden der Grünen sei kein singuläres Ereignis, sagt Fenske mit Blick auf andere Kommunen. Für Friedberg bedeute dies, dass sich dieser Wahlerfolg »in absehbarer Zeit auch in der personellen Stadtführung« widerspiegeln müsse.

Stadtparlament Friedberg nach Kommunalwahl: Linke zufrieden

Für Friedrich Wilhelm Durchdewald ist der Trend »keine Überraschung«. Die UWG hätte demnach nur leichte Verluste zu verbuchen, bliebe bei fünf Mandaten im Stadtparlament. Ob sich das durchs Kumulieren und Panaschieren ändert? »Dafür wäre ein Blick durch die Glaskugel nötig«, wehrt Durchdewald ab. Vor fünf Jahren rutschte die UWG nach Auszählung dieser Stimmen etwas ab. Ob’s zu einer Koalition kommt, glaubt Durchdewald nicht. »Momentan ginge das nur über CDU, FDP und UWG. Aber das ist alles Spekulation.«

Die Linke kann mit dem Trend zufrieden sein. 6,05 Prozent und drei Sitze, das ist der Status Quo. Ob’s dabei bleibt? Sven Weiberg hat seine Zweifel. »Beim letzten Mal gingen wir nach dem Kumulieren und Panaschieren etwas runter.«

Und was sagt die FDP zum Trend? Nichts. »Das ist alles viel zu früh. Da kann sich noch einiges verschieben«, sagt Achim Güssgen-Ackva und rät den Kollegen, nicht zu früh zu triumphieren.

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