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Die Fraktionsvorsitzenden Christine Jäger (SPD) und Sebastian Wysocki (CDU) fordern den Bau eines Verwaltungsgebäudes in der Kaserne. Das Kreishaus am Europaplatz soll aber in alter Form bestehen bleiben.

Neubaupläne für Wetterauer Kreisverwaltung

CDU-SPD-Koa will Gelände in Friedberger Kaserne kaufen und bebauen

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Der Wetteraukreis soll in der Friedberger Kaserne ein neues Verwaltungsgebäude bauen. Das fordert die CDU-SPD-Koalition, der Kreistag wird sich damit am Mittwoch beschäftigen.

Auf dem Entwurfsplan des Kasernengelände, mit dem die Stadt Friedberg in die Kaufverhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) eintritt, ist der neue Verwaltungsstandort bereits als Platzhalter eingezeichnet: Das nordöstliche Eckgrundstück gegenüber dem Raiffeisenlager und also genau dort, wo sich jetzt noch Fuchs und Hase »Gute Nacht« sagen (morgens kann man die Tiere mit ein wenig Glück beobachten, aber dann sagen sie eher »Guten Morgen«).

Ob der Wetteraukreis genau hier baut oder an einer anderen Stelle, bleibt abzuwarten. Die Kreiskoalition aus CDU und SPD hat nun den Anstoß gegeben, sich ernsthaft mit dieser Frage zu beschäftigen. Man wolle die Verwaltung »fit für die Zukunft machen«, schreiben die beiden Fraktionsvorsitzenden Sebastian Wysocki (CDU) und Christine Jäger (SPD). Die Koalition regt nicht nur einen Neubau an, sondern dringt auf darauf, den Standort Büdingen zu sanieren und zu erweitern.

Mit dem Antrag soll Kreisausschuss beauftragt werden, das Vorhaben eingehend zu prüfen. Die Koalition stellt sich auf dem Gelände der ehemaligen US-Kaserne einen zentralen Verwaltungsneubau mit rund 450 Arbeitsplätzen vor. Hierfür müsse der Kreis zunächst das Grundstück erwerben. »Um die herausfordernden Aufgaben der Zukunft bewältigen zu können, ist die erforderliche räumliche, technische und sächliche Ausstattung Voraussetzung«, schreiben Jäger und Wysocki.

Die Kreisverwaltung sei mittlerweile auf 17 Standorte im Kreisgebiet verteilt, davon allein 15 Außenstellen im Friedberger Stadtgebiet. Die Kreise bekämen immer wieder neue Aufgaben übertragen, die Bevölkerung wächst: Der Bedarf an zusätzlichen Arbeitsplätzen in der Zukunft sei absehbar. »Um Kosten zu sparen und Synergieeffekte zu nutzen, wollen wir die Zusammenführung der Friedberger Außenstellen in einem zentralen Verwaltungsneubau auf dem Kasernengelände, so dass es am Ende vier Verwaltungsstandorte in Friedberg gibt (Homburger Straße, Europaplatz, Steinkaute und Kaserne).

Standort Büdingen wird aufgewertet

Auch das Landratsamt in Büdingen bedürfe einer Sanierung, Modernisierung und baulichen Erweiterung, um dort Dienstleistungen des Kreises »weiterhin qualitätsvoll und bürgernah anbieten zu können«, schreiben die Koalitionäre. Aktuell gebe es eine »volle Auslastung der Kapazitäten«, die räumlichen Erweiterungen im Gebäude seien erschöpft. »Damit gibt es derzeit vor Ort keine Möglichkeit, um Dienstleistungen im Landratsamt Büdingen auszubauen.« Das wäre ein Signal an die östlichen Kreiskommunen.

Das will man ändern. Darüber hinaus bestehe Sanierungsbedarf im Bestandsgebäude. Wysocki und Jäger betonen, dass bei der Bemessung der Bauvolumina an beiden Standorten »Effekte moderner Arbeitsformen wie Arbeitsplatz-Sharing und mobiles Arbeiten auf den zukünftigen Raumbedarf zu berücksichtigen sind«.

Derzeit arbeiten in der Wetterauer Kreisverwaltung rund 1400 Menschen. Nicht alle davon benötigen ein eigenes Büro, die Putzkräfte etwa fallen hier raus. Und es gibt viele Teilzeit-Jobs. Im kreishaus am Europaplatz arbeiten aktuell rund 450 Menschen, im neuen Gebäude sollen es etwa gleich viele sein. Dazu kämen noch die Gebäude in der Steinkaute im Industriegebiet Süd und das (zuletzt ebenfalls baulich erweiterte) »Haus der Umwelt« in der Homburger Straße.

Kreistag wählt und diskutiert über Schulen und Impfen

Die zweite Sitzung des Wetterauer Kreistages der neuen Wahlperiode beginnt am Mittwoch, 14. Juli, um 10 Uhr in der Friedberger Stadthalle. Neben dem Antrag der CDU-SPD-Koalition, ein neues Verwaltungsgebäude in der Friedberger Kaserne zu errichten, stehen eine Reihe von Formalitäten auf der Tagesordnung. Sechs aus Kreistag und Kreisausschuss ausgeschiedene Mitglieder werden geehrt. Gewählt werden die Vertreter für den Verwaltungsrat der Sparkasse Oberhessen, für die Verbandsversammlungen der ekom 21, des Regionalparks Nidda-Route, der Tierkörperbeseitigung Hessen-Süd, der Naturparks Taunus und Hoher Vogelsberg, des Zweckverbandes Vulkanradweg sowie die Patientenfürsprecher. Die Wahlen gehen weiter mit den Vertretern für die Betriebskommissionen des Abfallwirtschaftsbetriebs und des Eigenbetriebs Informationstechnologie (Webit) sowie mit den Mitgliedern des Sportbeirates. Schließlich sollen ehrenamtliche Richterinnen und Richter beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof vorgeschlagen werden. Weitere Tagesordnungspunkte: Zwei Anträge der Grünen gegen die »Zerstückelung« der Bad Vilbeler John-F.-Kennedy-Schule und für mobile Impftermins, die Gemeinschaftsunterkünfte aufsuchen; die AfD fordert die Übertragung der Kreistagssitzungen per Livestream; die FDP schlägt eine Regionalpartnerschaft mit einer Region in Israel vor; die Freien Wähler fordern Wasserspender für alle Schulen und die Kreisverwaltung; CDU und SPD legen Anträge vor zum Raumprogramm für weiterführende Schulen, fordern ein dreijähriges Pilotprojekt für ein kostenloses Schülerticket und eine Anpassung der Klimaschutzziele, wozu die Grünen einen eigenen Antrag vorbereitet haben. Die Linke übt Kritik an den Öffnungszeiten des Jobcenters in der Pandemie. Die AfD fordert eine schnellere Beantwortung von Anfragen durch die Kreisspitze. Die FDP fordert Fahrradständer für die Wettertalschule in Rödgen. Die Grünen machen sich für ein Förderprogramm des ländlichen Raums stark und hinterfragen den Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung in der Grundschule.

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