Kamera läuft: Über den ehemaligen Rettungswagen, den Dominik Freund aus Ilbenstadt zu einem schwarzen Campingbus umgebaut hat, und den Boom der Branche hat der Hessische Rundfunk einen Beitrag am Gederner See gedreht. 	FOTOS: SAX
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Kamera läuft: Über den ehemaligen Rettungswagen, den Dominik Freund aus Ilbenstadt zu einem schwarzen Campingbus umgebaut hat, und den Boom der Branche hat der Hessische Rundfunk einen Beitrag am Gederner See gedreht. FOTOS: SAX

Camping beliebt wie nie zuvor

  • vonOliver Potengowski
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Wetteraukreis (sax). Schon in den letzten Jahren erlebte die Reisemobil- und Campingbranche einen Boom. Zwar wurde dieser durch Corona vorübergehend gebremst. Doch seit der Lockerung hat sich der Trend zum Camping weiter verstärkt.

Ob im ausgebauten VW-Bus, im Luxus-Reisemobil oder mit Zelt und Fahrrad: Selbst bei mäßigem Wetter ist der Campingpark Gedern seit er wieder Gäste aufnehmen kann, gut frequentiert. »Camping ist ein Wachstumsmarkt«, hat der Betriebsleiter des Campingparks Manuel Knaus beobachtet. Durch Corona habe diese Urlaubsform einen zusätzlichen Boom erfahren. Er empfiehlt deshalb dringend Übernachtungen vorher über das Internet zu reservieren. »Morgens haben wir oft eine dreistellige Anzahl von Buchungsanfragen.«

Diese Entwicklung bestätigt auch Achim Müller, Geschäftsführer von Müller mobil in Merkenfritz. Schon in den vergangenen Jahren konnte er sich bei den Hausmessen über stetig steigende Verkäufe von Reisemobilen und Wohnwagen freuen. »Wir haben den Lockdown gemerkt«, berichtet er. Doch seitdem die Maßnahmen gelockert sind, sei weit mehr als nur eine geschäftliche Erholung zu bemerken. Bei der Reisemobilvermietung habe die Nachfrage deutlich zugenommen.

Für spontane Kurzurlaube

Allerdings seien jetzt weniger Langzeitmieten als Buchungen für spontane Kurzurlaube gefragt. »Die Nachfrage nach Kauffahrzeugen ist extrem«, sagt Müller. Die Gründe kann er nur vermuten: Vielleicht spiele die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung eine Rolle. Denn bei einem Fahrzeug für 100 000 Euro seien das immerhin 3000 Euro Ersparnis. Aber auch die Individualität des Reisemobils bekomme durch die Hygienevorschriften eine größere Bedeutung. »Wer vorher in ein Hotel oder eine Ferienanlage gefahren ist, der entscheidet sich jetzt vielleicht für ein Reisemobil«, vermutet Müller. »Die Freiheit und die Privatsphäre, die man mit sich führt, geben den Ausschlag.«

Besonders bei den Wohnwagen habe er viele Neukunden. Darunter viele Familien, aber auch ältere Ehepaare. Dass die Deutschen, die bisher als Fernreiseweltmeister galten, in diesem Jahr verstärkt Urlaub im eigenen Land und dabei oft auch auf dem Campingplatz machen, hat auch der Hessische Rundfunk entdeckt. Kürzlich sendete er live vom Campingpark. Dafür hatte er sich mit Dominik Freund einen besonderen Camper als Partner engagiert. Der 32-jährige aus Niddatal-Ilbenstadt baut Kleinbusse und -Transporter zu Wohnmobilen aus und berichtet darüber bei Youtube und Instagram ( die WZ berichtete ). Das Interesse an seinem Hobby ist so groß, dass er inzwischen von den Werbeeinnahmen leben kann. Je nach Thema sähen sich zwischen 50 000 und eine Million Menschen seine Videos im Internet an, berichtet Freund. Mit einem mattschwarzen ehemaligen Rettungswagen ist er an den Gederner See gekommen. Zwischen all den glänzenden Reisemobilen ist das Gefährt mit seinen grobstolligen Reifen sichtlich ein Fremdkörper. Statt Campingplätzen bevorzuge er in der freien Natur zu übernachten, berichtet Freund. »Du darfst nicht wild campen, aber campen ist Auslegungssache«, erläutert er. »Du darfst dich immer abends regenerativ auf einen Parkplatz stellen.«

Rund 40 000 Euro habe er in seinen Campervan, der früher in Offenbach im Einsatz war, gesteckt. Der Innenraum strahlt gleichermaßen Zweckmäßigkeit wie den Sinn für liebevolle Details aus. »Ich habe mir gesagt, ich baue mir ein Haus auf Rädern«, sagt Freund. Deshalb finden sich in der Küchenzeile ein Tiefkühlschrank und ein Backofen.

»Wenn ein junger Mann sich seinen Traum erfüllen will, dann kauft er sich einen Bus für 5000 Euro und steckt noch mal 5000 rein«, meint er. »Einfach machen«, steht als Motto auf seiner Internetseite »Freundship.de«. Diese will er auch als Ermutigung verstanden wissen, sich seine Träume zu erfüllen. »Ich bekomme wöchentlich Anfragen Vans umzubauen, aber das ist nicht mein Geschäftsmodell«, stellt Freund fest. »Mein Geschäftsmodell ist, dass ich coolen Scheiß baue und den Leuten zeige, wie man ein schönes Leben führt.«

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