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»Das Café stillt den Hunger«

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Friedberg (har). Lautes Stimmengewirr hört der Besucher beim Betreten der Evangelischen Familienbildungsstätte in der Bismarckstraße jeden zweiten Mittwochvormittag. Die unüberhörbaren Wortfetzen kommen aus der geräumigen, im vergangenen Sommer eingeweihten Küche im Tiefgeschoss.

Hier treffen sich regelmäßig Jung und Alt zum »Café der Generationen«. »Wenn wir schon so eine tolle Küche haben, dann sollten wir sie nutzen«, sagt Martina Noblé, die den Fachbereich Pädagogik und Gesundheit der Familienbildungsstätte leitet.

Sie hatte die Idee zu dem Café-Angebot, das rege von Kursteilnehmern, Kursleitern sowie Eltern, deren Kinder mittwochs in die Vorkindergartenbetreuung gehen, genutzt wird. Noblé: »Wir haben auch einige Besucher, die einfach mal vorbeikamen, weil sie von dem Angebot gehört hatten.«

Bei frisch gebackenem Kuchen, Kaffee oder Tee wird zwei Stunden geplaudert. »Man findet ganz schnell Kontakt, kann sich gut unterhalten und kommen und gehen, wann man will«, meint Irmela Wagner. Die Seniorin gehört seit mehr als 30 Jahren der Gymnastikgruppe an. Sie freut sich sichtlich über die Gespräche mit jungen Müttern.

»Wir haben uns heute lange über die Unterschiede bei der Kindererziehung von vor mehr als 40 Jahren und heute ausgetauscht«, erzählt Sabrina Weinhold, deren zweieinhalb Jahre alter Sohn Max in die Kindergruppe geht, ebenso wie die Zwillinge Carla und Francesca von Viktoria Brinkmann. »Das war wirklich eine interessante Unterhaltung«, ergänzt die junge Mutter.

»So habe ich mir das Generationencafé vorgestellt«, sagt Noblé. Interessant seien auch die Erzählungen von Prince James, der aus der Karibik stammt und seit 30 Jahren in Deutschland lebt. »Bei den Geschichten aus seiner Heimat haben wir richtig Sehnsucht bekommen«, erzählt Brinkmann.

Zusammen mit seiner Frau Julia Baier wartet James auf Sohn Elian. Um 12 Uhr steigt der Geräuschpegel nochmals. Nun kommen die Kinder mit ihrer Betreuerin Susanne Senkel in die Küche. Stolz präsentieren sie ihre gerade beklebten Ostereier, so wie der fast drei Jahre alte Josef.

Dessen Mutter Ayda Abera stammt aus Äthiopien und findet das Generationencafé »einfach eine tolle Einrichtung«. Derweil erklimmt Max den Schoß von Mama Sabrina Weinhold und angelt sich ein Stück Marmorkuchen. »Den haben wir hier gebacken«, erzählt Noblé. Sie hofft, dass sie bald jemanden findet, der das Café der Generationen ehrenamtlich organisiert und führt.

»Schön wäre auch eine Gruppe aus zwei oder drei Personen, die sich um das Café kümmert«, ergänzt Andrea Kube. Die Leiterin der Familienbildungsstätte kommt gerne dazu, sofern es ihre Zeit zulässt. Kube: »Das Café ist schon jetzt ein generationsübergreifender Ort der Begegnung.« Das weiß auch Joachim Siebert, der Vorsitzende des Friedberger Seniorenbeirats, zu schätzen. »Wenn ich Zeit habe, komme ich gerne«, meint Siebert. Prince James hat schließlich noch einen praktischen Grund, immer wieder zu kommen. »Das Café stillt den Hunger.« Da lachen alle laut los.

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