Bei Regen und Sturm bieten Buswartehäuschen Schutz, weshalb die Grünen mehr Wartehäuschen fordern. Ein dringlicheres Problem ist der barrierefreie Ausbau aller Haltestellen. Denn der ist gesetzlich vorgeschrieben. FOTO: NICI MERZ
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Bei Regen und Sturm bieten Buswartehäuschen Schutz, weshalb die Grünen mehr Wartehäuschen fordern. Ein dringlicheres Problem ist der barrierefreie Ausbau aller Haltestellen. Denn der ist gesetzlich vorgeschrieben. FOTO: NICI MERZ

Gesetzliche Pflicht

Bushaltestellen in Friedberg sollen barrierefrei werden

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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In Friedberg müssen die Haltestellen dringend überholt und vor allem barrierefrei ausgebaut werden. Wie sieht die aktuelle Lage aus? Und was lässt sich machen?

Das Personenbeförderungsgesetz ist eindeutig: Sämtliche Anlagen für die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sind so zu gestalten, dass "die Belange der in ihrer Mobilität oder sensorisch eingeschränkten Menschen" berücksichtigt werden, um eine "vollständige Barrierefreiheit zu erreichen". Das Gesetz nennt auch ein Datum: Bis zum 1. Januar 2022 soll das erledigt sein. Das dürften nur die wenigsten Kommune in Deutschland schaffen.

Die Grünen hatten bereits im März 2017 den Antrag gestellt, die Stadt Friedberg solle für mehr Komfort der Busfahrgäste sorgen und zwei bis vier neue Wartehäuschen aufstellen. Nur die Hälfte aller Bushaltestellen im Stadtgebiet seien mit Wartehäuschen ausgestattet, das sei zu wenig.

Im Wetteraukreis nur auf Platz 17

Laut einer Statistik aus dem Nahverkehrsplan von 2014 liegt Friedberg bei der Zahl der überdachten Haltestellen im Wetteraukreis nur auf Platz 17. Von 90 Haltestellen hätten nur 42 ein Wartehäuschen. Aktuell sind es sogar 92 Haltestellen, drei sind derzeit in Planung, in einem Fall trägt der Wetteraukreis die Baulast (die Haltestellen am Bahnhof sind wegen der aktuellen Umbaumaßnahmen nicht berücksichtigt). Macht unterm Strich 94 Haltestellen. Noch ein wenig Statistik: 50 Haltestellen gibt es in der Kernstadt, 24 in Ockstadt, in den übrigen Stadtteilen liegen die Zahlen im einstelligen Bereich.

Mehr als die Hälfte der Bushaltestellen sind nicht ausgebaut, erläuterte Dipl.-Ingenieur Nils Weckmann vom Bad Nauheimer Ingenieurbüro Piplus am Dienstag den Mitgliedern des Friedberger Verkehrsausschusses. Etwa ein Drittel (33) ist "teilausgebaut" (es sind Busbordsteine oder taktile Platten vorhanden, die Gehwegbreite ist aber nicht ausreichend), und nur zehn sind "endausgebaut", erfüllen also bereits alle barrierefreien Gesichtspunkte.

Taktile Platten für Sehbehinderte

Das Ingenieurbüro hat die Bushaltestellen in drei Kategorien eingeteilt: einfach zu planen und umzusetzen, Detailprüfung erforderlich und umfangreiche Planungen nötig.

Weckmann nannte beispielhaft die Bushaltestelle in der Lindenstraße. Sie ist "teilausgebaut", ein Busbordstein mit einer Höhe von 18 Zentimetern (wichtig beim Einstieg mit Rollator) ist vorhanden, es fehlen aber taktile Platten für Sehbehinderte. Der Gehweg ist 1,90 Meter breit, erforderlich wären 2,50 Meter. Hier müsse geprüft werden, ob die Stadt einen Streifen Land erwerben kann, um das Wartehäuschen nach hinten zu versetzen. Diese Haltestelle erhält die Priorität 2.

Etwas langwieriger (und daher in Priorität 3 eingeordnet) dürfte der Umbau der Haltestelle in der Frankfurter Straße vor der Straßenmeisterei sein. Hier fehlen nicht nur taktile Platten. Sowohl Gehweg als auch Busbucht sind nicht breit genug, die Länge der Busbucht muss von 56 auf 89 Meter gestreckt werden. Ob das überhaupt möglich ist oder die Haltestelle verlegt werden muss, wird geprüft.

Insgesamt kostet der Umbau aller Bushaltestellen in Friedberg rund 1,47 Millionen Euro, rechnete Weckmann vor. Er verwies auf Fördergelder des Landes, die beantragt werden können. Bis zu 70 Prozent der Baukosten sind förderfähig. Die Crux bei der Sache: Liegt der Förderbescheid vor, haben die Kommunen theoretisch sechs Monate Zeit für den Baubeginn; praktisch eher nicht, da die Anträge erfahrungsgemäß erst recht spät bei den Kommunen eintreffen.

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