Im Landkreis Gießen unterstützen Soldaten das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung. Für die Wetterau sei das bislang nicht nötig., sagt Landrat Jan Weckler. FOTO: GECK
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Im Landkreis Gießen unterstützen Soldaten das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung. Für die Wetterau sei das bislang nicht nötig., sagt Landrat Jan Weckler. FOTO: GECK

Kontaktverfolgung

Bundeswehr muss noch nicht im Gesundheitsamt helfen

  • vonred Redaktion
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Die Pandemie bestimmt die Arbeit der Kreisverwaltung. Um nicht - wie in Frankfurt geschehen - die Kontrolle über die Kontaktverfolgung zu verlieren, werden aufschiebbare Verwaltungsaufgaben zurückgestellt und Arbeiter aus anderen Abteilungen abgezogen.

"Der ganze Fokus wird auf das Gesundheitsamt gerichtet", sagt Landrat Jan Weckler in einem von der Pressestelle veröffentlichtem Interview. Die Unterstützung von Bundeswehrsoldaten hält er bislang nicht für nötig.

1595 positive Fälle seit Beginn der Pandemie hatte der Wetteraukreis am Freitag gemeldet. Laut Hessischem Sozialministerium waren es am Sonntag bereits 1744. Seit Längerem liegt die Inzidenz bei über 100 Fällen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen. Vor vier Wochen hatte sie bei elf gelegen. Weckler erklärt, was das für die Kontaktverfolgung bedeutet: "Wir rechnen mit sechs bis acht Kontaktpersonen pro Infiziertem. Bei mehr als 300 Infizierten pro Woche im Wetteraukreis bedeutet das mehr als 2000 Kontakte, die alle angerufen und teilweise aufwändig und ausführlich informiert werden müssen, zum Teil erschwert durch Sprachschwierigkeiten. Unzählige Datenmengen müssen dabei erfasst und dokumentiert werden. Das ist schon eine Ausnahmesituation." Man werde weiter Personal aus allen Fachbereichen abstellen, um diese Arbeiten zu erledigen. "Wir wollen die Kontrolle über das Virus behalten." Dabei helfe die aktuelle Änderung der Quarantäne-Verfügung des Landes, wonach jeder positiv Getestete und dessen Mitbewohner automatisch in Quarantäne müssen - auch wenn sie noch keine offizielle Verfügung vom Amt erhalten haben.

Hilfe der Bundeswehr werde momentan nicht benötigt. "Wir brauchen zuerst Menschen, die sich in den Strukturen auskennen und aus der Region kommen und für die wir auch einen Arbeitsplatz zur Verfügung haben", sagt der Landrat. Ab dieser Woche werde man von fünf Landes- und Bundesbeamten aus der Region unterstützt, die sich freiwillig für den Dienst gemeldet hätten.

Test vor allem bei Symptomen

Weckler ist überzeugt, dass sich viele bei privaten Feiern und Veranstaltungen in geschlossenen Räumen infiziert haben. Die Schulen und Kindergärten müssten so lange wie möglich offenbleiben. Auch, weil sonst die Wirtschaft leiden würde. Zudem seien es der Erfahrung nach keine Orte, an denen ein besonderes Infektionsgeschehen nachgewiesen werden könne.

Die Testung von symptomatischen Personen stehe nach wie vor an erster Stelle. Selbst testet der Kreis in größerem Stil vor allem in Altenheimen oder Gemeinschaftsunterkünften. In Schulen wurde zuletzt auf Reihentests verzichtet, wenn einzelne Schüler erkrankt waren. Man beschränkte sich auch bei Quarantäne-Anordnungen auf die direkten Sitznachbarn und enge Kontaktpersonen.

"Es ist zu befürchten, dass wieder mehr Menschen an den Folgen der Covid-Infektion sterben werden", bedauert der Landrat. Im Wetteraukreis gebe es aktuell mehrere Fälle von Infektionen in Altenheimen. Es sei jetzt jeder dafür verantwortlich, das Virus einzudämmen und vor allem von den vulnerablen Gruppen fernzuhalten. "Denn allein mit staatlichen Anordnungen wird es nicht gehen."

Termine im neuen Testzentrum getaktet

Landrat Jan Weckler hält eine Ansteckung im neuen Corona-Testzentrum in Reichelsheim für "eigentlich ausgeschlossen", sofern die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Das Testzentrum war Anfang Oktober vom Wetteraukreis zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen eröffnet worden. Mensch mit Symptomen erhalten über den Hausarzt den nächsten freien Termin in Reichelsheim, dazu einen vierstelligen Code zur Anmeldung. Das Ergebnis des Tests wird dann per SMS übermittelt. "Wir haben das so getaktet, dass nicht mehr als zehn Personen pro halbe Stunde einen Termin im Testzentrum haben. Die Räumlichkeiten sind so ausgelegt, dass man sich hier gut aus dem Weg gehen kann", sagt Weckler. prw

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